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Der Israelit · 1891-03-09 · Heft 20 (9.3.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 20 (9.3.1891)
Date
1891-03-09
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Erste jSgUagc zu M 20 des „Israelit & Ieschurun" LeLten-er Artikel. Die Sitzekel-Destre. Von Jfaac Hirsch. mn« nm Du empfängst Dein Volk in Liebe! — Aus Deinen Höben ließest Tu um seinetwillen Dich hernieder Und spaltetest für es das Meer, — Durch der Liebe Bande verknüpft Du es mit Deinem heiligen sNamen. Dir gehört es an, Dein Volk ist es Berufen, Dich zu verherrlichen immerdnr. C, gedenke stets des Bundes Deiner Verheißung, Laß' in Erbarmen bald Deinen großen Tag anbrecheu! — Allgütiger! Du hast den durch Deine Huld so Ausgezeichneten geboten, Daß sie der Sühne Hebe Dir weihend darbringen, Sühnung des Fehls damit zu erlangen, Um für die Ewigkeit bewahrt zu bleiben: Des Armen und des Reichen gleiche Spende Vereint des Heiligthums Schekel bildet, Das ist's, was den Gezählten Kraft verleiht, Darob erschallet heller Jubel von allen Enden! — — Ihre Gemusterten, ihre Namen Ihrer Schaaren Hunderttausende Erhebe Du wieder überall, wo sie auch immer weilen, Du, Allerhöchster, thronst ja in ihrer Mitte, In der Stämme letzten Reste. Hoffnung winket ihrer Zukunft, Du wendest huldvoll Dich ihrer Beuedeiung zu. Wie einst an des Schilfmeers getheilten Fluthen, Und wie der Eghpter Erstgeburt dort Du schlugest, So triffst Du auch ihre Feinde.- Also die riH-Hymne am Sabbat-Schekalim. Sie jubelt Gott entgegen, der Israel erkoren, der es aus Egyptens tyrannischer Gewalt befreit und in diesem Werke der Erlösung Seine Allmacht kundgethan, der es zum Verkünder Seiner Lehre berufen, dem es angehören soll mit seinem ganzen Wesen; der es hinausgesendet hat, um unter den Völkern der Erde Seinen Namen zu verherrlichen und jenen großen Tag vorzubereiten, den Seine Propheten längst verkündet, den Davids Harfe längst besungen, jenen Tag, an welchem die Erziehung des Menschengeschlechts ihren Abschluß findet in der allgemeinen wahrhaftigen Gotteshuldignng, in dem Sieg der Gerechtigkeit und Liebe über die Gewalt und den Haß, der Wahrheit über Lüge und Wahn, jenen Tag, der D'B’n rviruo „am Ziele der Tage" anbrechen wird, an welchem die Völker hinaufwallen zum Gottesberge und sich beugen vordem Gebote Gottes, das allein „zwischen den Nationen entscheidet", daß es fortan keines Schwerts und keiner Lanze mehr bedarf, da ferner „kein Volk gegen das andere zur Waffe greift und sie nicht mehr für den Krieg sich rüsten." Die Schekel-Lehre ist die große Predigt an Israel und die Menschheit, wie in dem Gottesreiche der ewige Friede geschaffen und erhalten wird, der Friede zwischen den Bürgern, der Friede zwischen den Nationen. Ein Jeder hat sich zu begreifen als vollberechtigtes, gleichwertiges Glied der Gesammtheit, der die einzige Aufgabe gestellt ist, das Heiligthum Gottes auf Erden zu errichten und vor jeder Entweihung zu bewahren. Das ganze Einzel- und Volksleben soll heilig, gottgeweiht sein in allen seinen Betätigungen, dann weilt Gottes Herrlichkeit im Kreise der Menschen. Für eine solche Gestaltung aller menschlichen Verhältnisse gewährte das nach Gottes Gebot errichtete Heiligthum, mit den in demselben von Gott vorgeschriebenen Handlungen das symbolische Vorbild. Ein Jeder hatte darum zu der Errichtung desselben nach Kräften beizutragen, uw wx in, „ein Jeder, den sein Herz zum freiwilligen Beitrag treibt". Keiner durfte zurückgewiesen werden, nicht der Reiche mit seinem Golde, nicht der Arme mit seinem Kupfer. Auf silbernen Füßen ruhten aber die Wände und Pfeiler des Heiligthums, und für diese' hatten Alle den gleichen Beitrag, einen halben Schekel, zu spenden, nam nV TB'yn, „der Reiche soll nicht mehr", u'pO' vb Hm, „und der Arme soll nicht weniger leisten", aber crmpsn by -oyn H, wer gezählt werden will, — und ein Jeder soll gezählt werden, auf einen Jeden zählt Gott für die Vollführung seines heiligen Willens — hat diesen Halbschekel-Beitrag zu leisten für den Aufbau des Gottesheiligthums auf Erden. Jeglicher gilt nur, wenn er leistet, nur durch die Leistung rechtfertigt er sein Dasein, nur durch die Leistung für das Heiligthum. Wer nur hat und genießt, aber nichts schafft und leistet, oder wer nur für sich arbeitet, für sich allein schafft, der verkennt die Aufgabe, für welche Gott ihn ins Dasein gerufen, „dem ist die Auslösung der eigenen Seele zu theuer und sie hört auf in der Ewigkeit." *) Nur die in reiner Gesinnung dem Gottesheiligthume geweihte Leistung bewirkt vor Gott die „Sühne der eigenen Person", die Rechtfertigung seiner Existenz. Da athmet kein Mensch, der nicht zu dem Heiligthume, zum Reiche Gottes berufen wäre, zum Gottesreiche, das er auf Erden durch der Menschen reinen That errichtet wissen will. Da ist Keiner zu unbedeutend, zu geistesarm, zu körperschwach, daß Gott ihn ausgeschlossen wissen wollte aus der *) Psalm 49, 9.

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