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Der Israelit · 1891-03-09 · Heft 20 (9.3.1891) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 20 (9.3.1891)
Date
1891-03-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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378 Backen auf, so daß er krebsroth wird und ihm alle Adern anschwellen. Das erregte noch mehr die Heiterkeit, der Major und die ganze illustre Commission brachen in helles Gelächter aus, in welches die drei Regierer offiziell einstimmten. Nur der Unglückliche, mit dem so frivol gescherzt wurde, lachte nicht. Mit ängstlichen Blicken hing er an dem Munde des Arztes, der über Sein und Nichtsein entscheiden soll. Aber der Regierer hat ja schon früher sein Schicksal besiegelt. Gewisse Zeichen, die er gab, legten dem Arzt das Wort in den Mund, das er sprechen sollte. Klappte der Regierer auf den Deckel seiner Tabaksdose, dann hieß es: „Hau' nur zu!" trat er hingegen mit der offenen Tabaksdose vor den Arzt und sagte: „Eine Priese gefällig, Herr Doctor!" dann hieß es: „Hier gibt's zu genießen — befreien!" Im ersteren Falle gab der Arzt das Verdikt: „Tauglich!" im letzteren das entgegengesetzte. Ich stand im Vorzimmer und wartete noch immer. Bereits sind einige befreit, einige assentirt worden — was wird das Loos meines Kindes sein? Das Herz klopfte mir heftig gegen die Rippen. Da, in diesem Augenblick trat mein Jankele unter das Maaß. „Der hat sich aber zum Skelett ausgedörrt!" sagte der Arzt. Ich zitterte am ganzen Leibe. Ach, wenn er nur weiter so sprechen sollte! In demselben Augenblicke jedoch erscholl das verhängnißvolle Klopfen auf den Deckel der Tabaksdose und die Dinge nahmen eine traurige Wendung. „Ein gesunder, gutentwickelter Körper", fuhr der Arzt fort. „Länge, drei Schuh über das erforderliche Maaß — Gliedmaßen stark — Brust breit und wohlgewölbt — tauglich!" Wenn tausend Donner auf einmal über mich niedergekracht wären, sie hätten mich nicht mehr betäuben können, als das einzige Wörtchen „tauglich". Ein dichter Nebel legte sich mir vor die Augen. Ich weiß nicht, ob Menschenarme oder ein Sturmwind mich aus dem Vorzimmer herausgetragen, ich weiß nur, daß ich mich jenseits des Hauses befand, als sich eine Hand rücklings auf meine Schulter legte — es war der rothe Wölwele, dessen Augen in wilder Schadenfreude blitzten. „Jenen Supplenten habe ich Ihnen geschickt", zischte er wie eine Schlange und zeigte mir seine großen, scharfen, gleich Dolchen spitzen Zähne. . . Wie Feuer kochte es mir zum Kopfe hinauf, ich versetzte ihm einen Schlag vor die Brust, so daß er zu Boden taumelte und das Blut ihm aus der Nase lief. Als ob nichts geschehen wäre, erhob er sich und, indem er sich langsam mit dem Taschentuche das Blut wegwischte, sagte er leicht vor sich hin: „Thut nichts, das geht auf weitere Rechnung!" Inzwischen liefen mehrere Leute, die den Vorfall bemerkt hatten, herbei, und in demselben Augenblicke erhielt das Gesicht des rothen Wölwele einen lammfrommen Ausdruck, und die Augen verdrehend, sagte er mit süßfrommer Miene: „Lasset ihn nur, er wußte ja nicht, was er that. Ich wollte ihm mit allen Kräften helfen, ja, ich gab ihm aus eigener Tasche dreißig Gulden, doch Gott hat es anders gewollt. In seiner blinden Verzweiflung schlug er auf mich los. Möge es ihm Gott verzeihen, wie ich es ihm verzeihe!" Die Wirkung blieb nicht aus. Der rothe Wölwele war in den Augen Aller der fromme, „heilige Regierer" und ich der freche, gottlose Schneider, der kein besseres Loos verdient hat. Begleitet von Schimpfworten und Steinen, welche die verblendete Menge mir nachgeworfen, stürzte ich wie ein gehetztes Thier nach Hause. (Fortsetzung in der nächsten Montags-Nummer.) und „Jeschurun* erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedeSmal in mindesten» 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 1« Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Purch den Buchhandel sU beziehen bei G. F. Kl rinacker. Leipzig. Uoßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Ra«m. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr.» sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco rinznjend««. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Parteistellung der Juden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Vom Rhein. Frankfurt a. M. Hamburg. Leipzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. — Rußland: Petersburg. — Feuilleton: Die Recrutirung. Erzählung von Nathan Samuely (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Schekel-Lehre. Von Jsaac Hirsch. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Kolomea. — England: London. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus dem Waldeck'schen. — — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Wien. Prag. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz' Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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