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Der Israelit · 1891-03-09 · Heft 20 (9.3.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 20 (9.3.1891)
Date
1891-03-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3f3 er zur Gründung eines Vereins zur Stellenvermittlung auffordert. Die schon bestehenden Vereine, der 'v ^-Verein in Breslau und die „Freie Vereinigung" können hierbei nicht in Betracht kommen. Der erstgenannte Verein ist im größten Theil Deutschlands kaum dem Namen nach bekannt, was wahrscheinlich mit seinem Sitze im äußersten Osten des Reiches zusamnienhängt, und die „Fr. V." hat überhaupt nie die Absicht kundgegeben eine weitgehende Thätigkeit auf dem Gebiete der Stellenvermittlung zu entfalten. Wir konstatiren diese Thatsache, ohne hiermit eine gegen die „Fr. V." gerichteten Tadel aussprechen zu wollen; sind uns doch ihre segensreichen Leistungen auf anderen Gebieten bekannt. Es bleibt also nur übrig einen selbstständigen, neuen Verein für Stellen-Vermittlung in's Leben zu rufen, der mit einem ständigen Bureau ausgestattet und mit allen Einrichtungen der großen kaufmännischen Vereine versehen, durch die Benützung der Presse und vielleicht auch durch in jedem größeren Orte zu gewinnenden Vertrauensmänner zu bewirken hätte, daß alle Vacanzen in am Sabbat geschlossenen Häusern ihm mitgetheilt würden. Die Wichtigkeit einer gut geleiteten und exact functionirenden Stellenvermittlung für junge Leute, welche am Sabbat nicht arbeiten, kann nicht leicht überschätzt werden; sind es doch in Deutschland in erster Linie die kaufmännischen Kreise, welche unter den Gebildeten die Träger des gesetzestreuen Judenthums geblieben sind und mit göttlicher Hilfe auch ferner bleiben werden. Ob ein solcher Verein seinen Sitz in Hamburg zu nehmen hätte oder ob nicht Frankfurt durchseine centrale Lage besser geeignet ist, das und manches andere kann vorläufig als offene Frage behandelt werden. Zunächst gilt es eine Anzahl von Männern zu gewinnen, die in dieser Richtung zu wirken bereit sind und wird die Redaction des „Israelit" gern diesbezügliche Adressen entgegennehmen und die zu gleicher Thätigkeir gesonnenen Herren mit einander bekannt machen. L. (Wir entsprechen mit Freude dem Wunsch des geehrten Herrn Correspondenten. Red.) Berlin, 26 Februar. Es ist eine unleugbare Thatsache, daß die hiesige Gemeindeverwaltung auf dem Punkte stand sich der „religiösen" Partei, die seit vier Jahren eine rührige Thätigkeit entfaltet, zu nähern. Wenn sie wieder in der jüngsten Zeit eine Schwenkung machte und auf den alten Standpunkt des beharrlichen Nichtsthuns zurückkehrt, so ist es nicht anders als das Streben sich gleichsam ihre Selbstständigkeit zu retten. Sie will nicht geschoben werden; sie will nicht blindlings den Weisungen der „religiösen" Partei Folge leisten. Es fällt einem Regiment, das zwei Jahrzehnte hindurch eine absolute Herrschaft geführt, nicht leicht auf den Volkswillen zu lauschen. Aber das Zurückweichen und das Beugen vor der Volksstimme ist nur eine Frage der Zeit. Die „religiöse" Partei hat sich bei den letzten Wahlen als mächtiger Faktor enthüllt, mit dem man rechnen mutz. Bangt der zeitigen Majorität vor der Nachgiebigkeit als einem Zeichen unmännlicher Schwäche, so steht es ihr wohl frei bis zu den nächsten Wahlen ihre Gewalten nach Herzenslust auszunützen; sie übt jedoch nur dadurch einen empfindlichen Druck auf die Wählerschaft, die ihr im Jahre 1892 — dem Termine der nächsten Wahlen — unzweifelhaft die Zügel entwinden wird. — Die gestrige Sitzung des Vorstandes des „Centralvereines für die Interessen der jüdischen Gemeinde" wurde der Erörterung dieser Frage gewidmet. Hauptgegenstand der Tagesordnung war der Beschluß der Repräsentantenversammlung über die Anträge des Centralvereins zur Tagesordnung zu übergehen. Ter Vorstand des C. V. hatte an die Gemeindebehörden ein ausreichend motivirtes Gesuch gerichtet, in welchem die Bitte ausgesprochen wurde in der Peripherie der Stadt noch 4 Synagogen und Religionsschulen zu errichten. Da die Finanzen der Gemeinde diese Ausgabe gestatten und für die 70000 hier lebenden jüdischen Seelen nach 8 2 des Gemeindestatuts Bethäuser beschafft werden müssen, so konnte an eine Genehmigung des Gesuches gar nicht gezweifen werden. — Gemeindebehörden und sämmtliche Mitglieder sind in der Verdammung des Billetschachers, der vor den hohen Feiertagen stattfindet, einig. Alles sinnt auf Mittel, um diesem entehrenden Treiben ein Ende zu bereiten, da konnte selbstverständlich kein Mensch ahnen, daß die Herren die Ausführung eines Planes, der mit einem Schlage ein altes bis zur Unerträglichkeit gesteigertes Ucbel heilen könnte, verweigern werden. — Der stellvertretende Vorsitzende I. Weinberg, der in Vertretung des Vors, die Berichterstattung übernahm, war von dem besten Willen durchdrungen, die Gegensätze zu mildern oder doch wenigstens den Schein des Rechtes für die Majorität der Repräsentantenversammlung zu retten. Derselbe führte aus, daß der Führer der Majorität, Justizrath Makower die Ablehnung damit begründete, daß bei den Israeliten Berlins trotz der angeblichen Synagogeunoth noch immer auf vier Seelen ein Synagogensitz komme, während bei andern Confessionen nicht weniger als achtzehn Seelen sich mit einem Kirchensitz begnügen müßten. — Der Einfluß des genannten Herrn sei ein solch gewaltiger, daß eine Ueberzeugung der Majorität, welche Sanitätsrath Dr. Blumeuthal und Leonhard Sachs versucht hatten, nicht zu bewerkstelligen war. Und wenn die Minorität mit Engelszungen geredet hätte, die Zehn standen fest und waren allen Gegenreden unzugänglich. Bedauerlich sei dessenungeachtet, daß zwei notorische Anhänger der Minorität sich vor der Abstimmung entfernt hätten, und verblüffend wirkte der Umstand, daß ein hochansehnliches Mitglied des Rcpräsentanten-Kollegiums, das vor der Wahl die bündige Zusage ertheilt hatte für die Forderungen des C. V. einzustehen, dieses Versprechen rundweg ignorirte.-Ein Sturm der Entrüstung ging durch die Versammlung, als das Mitglied des C. Vorst. Gutmann diese Fahnenflucht unumwunden mit dem rechten Namen bezeichnete. Noch schneidiger geißelte Herr Conrad Scheyer die unbegreifliche Sinnesänderung, die sich innerhalb weniger Wochen zum größten Schaden der Gemeinde vollzogen. Derselbe berichtete, daß die Commission, welcher die Petition zur Begutachtung übergeben wurde, sich einstimmig für dieselbe erklärt habe. Wenn, führte der Redner aus, zwei Repräsentanten sich u nabhäugig vom C. V. fühlen, weil ihnen auch die Stimme der Gegenpartei zufieleu, so sei doch Jedermann von seinem gegebenen Worte ab hängig. — Nicht wenig Verwunderung erregte auch der Bericht über die Taktik des Repräsentantenvorstehers. Die Petition des C. V. stand nämlich als zweiter Gegenstand auf der Tagesordnung, da beliebte es dem Herrn

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