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Der Israelit · 1891-03-05 · Heft 19 (5.3.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 19 (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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361 auch viel in der Presse gelogen. Man habe behauptet, es sei ihm verdacht, daß er ohne Urlaub als Hofprediger auf politische Reisen gegangen. Aber in den siebzehn Jahren, in denen er Hofprediger gewesen, habe nie ein Hofprediger bei Reisen Urlaub erbeten, er natürlich auch nicht, als er im Herbst v. I. nach Baden ging. Man habe gesagt, er habe die Grenzen überschritten, die seiner politischen Thätigkeit gestellt gewesen. Auch dies treffe nicht zu. Als er vor zwei Jahren vor die Wahl gestellt gewesen, ob er sein Amt oder seine öffentliche Thätigkeit aufgeben wolle, habe er keinen Augenblick geschwankt. Er habe erklärt, aus dem politischen Kampf in Berlin, wo man alle Hunde ans die christlich-soziale Bewegung gehetzt habe, sei für ihn unter diese Umständen nichts mehr zu machen gewesen; da sei er leicht zurückgetreten, aber er habe erklärt, für die Mission, für Christenthum n. s. w. zum Volke zu reden, das könne er nicht unterlassen. Dieser seiner Erklärung habe der Kaiser und König zugestimlnt und daraus habe er (Stöcker) stets sich jeder politischen Agitation enthalten." Also er ist nicht freiwillig gegangen, er hat gehen müssen, obgleich er sich erst vor zwei Jahren einem Machtspruch gefügt hatte. Wir wissen auch, warum er gehen mußte und er sagt cs ja selbst; er versichert, sich nach jener früheren Krise jeder politischen Agitation enthalten zu haben, also wird das Gegentheil wahr sein. Schlochau, 22. Febr. Ein jüdischer Frauenverein, der den Zweck hat, bei SLerbefällcn und Krankheiten den Angehörigen Unterstützungen zu gewähren, ist hier gegründet worden. Einige 70 Mitglieder sind dein Verein beigetreten. Nenstettin, 15. Februar. Am 11. d. Mts. verschied hier der langjährige erste Vorsteher der hiesigen israelitischen Gemeinde, Herr W. Loew e. Der Verstorbene hat es verstanden, in seiner 28jührigen Thätigkeit als Vorsteher die Gemeinde nach jeder Richtung hin zu heben, und sich mit Erfolg bemüht, stets — selbst in der schweren Zeit kurz vor und nach dem Synagogeubrande — vermittelnd und versöhnend seines Amtes zu walten. Wie sehr die Gemeinde sich zur Dankbarkeit verpflichtet fühlte, bewies die hohe Ehre, daß die Leiche am Tage des Leichenbegängnisses in der mit Flor behängten Synagoge aufgebahrt wurde, woselbst auch der Rabbiner Herr Dr. H o f f m a u u eine ergreifende Gedächtnisrede hielt. Bon dort bewegte sich der lange Leichenzug, dem sich außer seinen Glaubensgenossen auch viele seiner anderen Mitbürger anschlossen, nach dem Friedhöfe. Möge sein Wirken aus Ersen im Jenseits Vergeltung finden! Leipzig, 2. März. In Leipzig haben eine Anzahl israelitischer Herren beschlossen, eine Vereinigung zu gründen, welche anstreben soll, alle in jenen, von Herrn Theodor Fritsch herausgegebencn judenfeindlichen Blättern, beleidigten und verleumdeten Israeliten zur Klage aufzusordern! Wir haben bereits in vergangener Woche alle nur möglichen, seit den letzten drei Monaten noch nicht verfallenen Beleidigungen an Ort und Stelle gesandt und um Einreichung der Klage gebeten! In den letzten 2 Monaten haben wir aus den „Deutsch- Sozialen Blättern" und dem „Leipziger Tages- Anzeiger" 14 Sachen angeregt. — Wer also künftig hier um Ermittelung von Adressen und Aufklärungen gebeten wird, der versäume nicht, alle aus Leipzig eingesandten Journale und Briefe einer genauern Beachtung zu unterziehen. Auch ist der Unterzeichnete gern bereit, alle sich nothwendig machenden Auskünfte zu ertheilen. Karl Wiesenthal, Schriftsteller in Leipzig, Lange Straße 18. O e st e r r. - u n g a r. Monarchie. Budapest. Der Nestor der ungarischen Rabbinen, einer der ältesten D’ToVn des jn D"nn fya, Menachein Katz, Oberrabbiner zu Deutsch Kreuz, hat vorige Woche das Zeitliche gesegnet. Der Verblichene war eine, weit über die Gauen des Vaterlandes rtthmlichst bekannte Cclebrität, ein p"is in des Wortes edelster Bedeutung und trotz seines hohen Alters bis vor Kurzem noch einer der rührigsten Führer der hierländischen Orthodoxie. Zu seinem Leichenbegängnisse haben die hervorragendsten Gemeinden des Landes Stellvertreter entsendet, in Vertretung der Durchführungscommission war Präses Reich persönlich erschienen. Die Deputation der hiesigen jüdisch-orthodoxen Gemeinde führte Oberrabbiner Koppel Reich, dessen eloquenter Nachruf von ungewöhnlich immenser Wirkung auf die Versammelten war. Schließlich sei noch erwähnt, daß zum Rabbiner der Deutsch-Kreuzer Gemeinde der Schwiegersohn des Verblichenen gewählt wurde. Dr. Veßi. > Vermischtes. «3- Gießen, 25. Februar. Gegen die an dem antisemitischen Ercetz im Cafö Hettler betheiligteu Personen, Forstassessor Hl und Konsorten, ist die förmliche Voruntersuchung eröffnet morden. Bielefeld, 8. Februar. (Lin endloser Leichenzug bewegte sich Heine Nachmittag durch die Straßen unserer Stadt, in welchen Tanseiide von Menschen Spalier bildeten. Wurde doch unser ältester Mitbürger, gleichzeitig wohl der älteste Mann Deutschlands, der Rentner Markus Jordan, zu Grabe getragen. In der Reihe der Leidtragenden bemerkten wir unter Änderen unseren Dberbürgemeister, sowie den gesammten Vorstand unserer Gemeinde. Aus dem Friedhofe selbst war in Folge des ungeheuren Menschenandranges kaum noch Bahn zu schaffen. In der Grabrede entrollte unser KultnsbeamterLHerr C ob lenz ein ausführliches Lebensbild

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