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Der Israelit · 1891-03-05 · Heft 19 (5.3.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 19 (5.3.1891)
Date
1891-03-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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360 (HD» '&• Das Wort npnst bedeutet hier nicht Gerechtigkeit, auch nicht Almosenspenden im gewöhnlichen Sinne, sondern liebevolle Gegenseitigkeit. Diese aber beschränkt sich nicht auf die Bewohner der Erde, sondern reicht hinauf bis in die Himmelshöhe, bis in den Bereich der Oberwelt. Auch die Himmelskörper sind von ihrem ^Schöpfer so geschaffen, daß sie der npis, der Gegenseitigkeit nicht entrathen können. Der kleinere Himmelskörper empfängt Licht und Wärme vom größeren und der größere vom noch größeren und so fort. Einträchtig und harmonisch wandeln sie ihre Himmelsbahnen nebeneinander und miteinander, wechseln sie einander ab, unterstützen, ergänzen sie einander. Nur der Mensch, der ohnmächtige, der von der Erde Genommene und der zur Erde Zurückkehrende, dessen Leben nur von so kurzer Dauer, wollte sich selbst genügen, wollte auf seine Kraft und Stärke, auf sein Können und Besitzen, auf sein Wissen und Wirken, auf seine Geistesstärkc und auf seines Körpers Vermögen hochmüthig pochen und großsprecherisch prahlen: Ich genüge mir selbst, ich bedarf keinerlei Unterstützung; meine eigene Kraft und meine Stärke sind die Begründer und Erhalter meines Glückes und meiner Wohlfahrt? Ist Dein Wissen nicht das Erbe derer, die vor dir gelebt, nicht die Liebesgabe derer, die mit Dir leben? Und Dein Haben? Was vermöchtest Du, wenn Du allein auf Erden stündest? Wie viele Menschenhände müssen arbeiten, bis Du Dein tägliches Brot erhälst und wie viele Menschenkräfte wurden in Thätigkeit gesetzt, bis Deinem Kleid, das Deinen Körper umhüllt, die letzte Vollendung gegeben wurde. Das Haus, das Dich vor Sturm und Unwetter schützt, es ist das Ergebniß der Arbeit Deiner Mitmenschen, und der Wärmestoff, der, während draußen Stürme toben, eine behagliche Temperatur in Dein Gemach zaubert, er wurde mit dem Schweiße und der Gefährdung des Lebens von Tausenden aus dem Schachte der Erde hervorgeholt, ist ihr starr gewordener Arbeitsschweiß, und Du wolltest Dir selbst genügen? Was bist Du, so Du auf Deine eigene Kraft beschränkt, auf die Stärke Deiner Hand angewiesen wärest? Bist Du größer, als der glanzumflossene König der Nacht — erhabener als der leuchtende Mond? Siehe, das Licht, das er ausstrahlt, es ist erborgt; der Glanz, den er verbreitet, ist entlehnt, ist eine Frucht der Wohlthätigkeit, ein Pfand der Liebe. Und der Glanz Deines Lebens, Dein Können und Vermögen, Dein Haben und Besitzen, das wäre Dein eigen, für welches Du Niemandem Dank schuldest? Nein, mein Bruder, die Wurzeln Deiner Kraft, sie saugen Nahrung und Lebeusstärke aus der Gesellschaft. Einmal losgelöst von ihr bist Du ein Baum ohne Wurzeln, den jeder Windstoß fällt. Deßhalb haben unsere Weisen eindringlich gemahnt: iDsn jo. Löse Dich nicht los von der Gesammtheit. Das Bewußtsein der Zugehörigkeit zur Gesammtheit stärkt nicht blos den Körper, sondern kräftigt auch die Seele. Die Seuche des Neides und des Bruderhasses, die Seele und Körper vergiftet, sie stellt sich dann ein, wenn das Bewußtsein Deiner eigenen Zusamruengehörigkeit mit der menschlichen Gesellschaft Dir abhanden gekommen, oder nicht lebhaft genug waltet. Wenn Du also die Gesammtheit in ihre Elemente zerlegst; wenn Du ihre einzelnen Glieder musternd, die Einzelnen aus der Gesammtheit heraushebst »m nx xbti o, da bricht die Seuche des Neides und der Lieblosigkeit in Deiner Mitte aus und Du bedarfst der Sühne, um die mit Bruderhaß befleckte Seele zu sühnen, .□3’nitysj by isob Da mußt Du trachten, das ins Schwanken gekommene Gleichgewicht Deiner Seele wieder herzustelleu, Deine verlorene Seelenharmonie wieder zu gewinnen, dadurch zu gewinnen, daß Du einen halben Schekel, das Bild Deiner eigenen Halbheit, Deiner Ergänzuugsbedürftigkeit, Deiner Abhängigkeit von der Gesammtheit Dir stets vor Augen haltest.. n'uno D’Tpsn bv -oiyn bj urv nr „Das sollten sie geben, ein Jeglicher, der durch die Musterung geht, einen halben Schekel." (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gießen, 1. März. Einen erfreulichen Beweis für den Niedergang der antisemitischen Thorheit auch in hiesiger Stadt, mag der folgende Vorfall bilden. Eine Wirthschaft, die früher nur von Antisemiten besucht war, scheint bei dieser Sorte Kundschaft ihre Rechnung nicht mehr zu finden. Der neue Unternehmer des Gasthofs theilt nämlich in seinem heutigen Inserate, neben dem Bestreben, die Gäste durch ein gutes Glas Bier erquicken zu wollen, auch noch mit, daß er „Hetzereien nicht dulden werde, Gäste seien willkommen, ob Christ oder I u d e." Man fängt auch endlich hier an, an dem bis zum Ueberdruß abgenutzten Lügen und Gemeinplätzen der Herren Judenfresser keinen Geschmack mehr zu finden. Aus Westfalen, 20. Febr. Aus einer Rede, die dieser Tag der Exhofprediger Stö cker in Herford gehalten hat, theilen wir nach dem Bericht der „Kreuzztg." Folgendes mit: „Heber die Ursache, weshalb er sein Amt habe aufgeben müssen, habe man ja viel vermuthet und

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