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Der Israelit · 1891-03-02 · Heft 18 (2.3.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 18 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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schlecht behandelt. Heißt dies in gebildeten Ländern nicht etwa Intoleranz oder genauer religiöse Unduldsamkeit? Der ganze Lärm aber, den Sturdza macht, reduzirt sich auf eine Kleinigkeit und liegt ganz anderswo. Die sosehr hochgeschraubte Mähr von der „Masseneinwanderung" tauchte schon 1889 — ein Jahr nach dem Sturze des infam-antisemitischen, sogen, „liberalen" Ministeriums — auf, als versuchbares Oppositions- und Kampfobjekt der Gestürzten gegen das ans Ruder gekommene konservative. Dieses stellte eine gewissenhafte Untersuchung an, aus welcher sich klar ergab, daß die Eingewanderten eine Anzahl russischer „iconari“, d. h. Bilderhändler und zwar christliche, die mit Bildern von Heiligen, sowie des russischen Kaisers und russischer Größen meist in Dörfern herumziehend, Emissäre der russischen Regierung waren, welche die Bestimmung hatten, in Bulgarien Zettelungen anzufattgen und in Rumänien den Boden bezw. den Vorwand zu einem russischen Einmarsch vorzubereiten, indem sie für „Väterchen" Propaganda und goldglänzende Verheißungen machten. In der That brach kurz darauf der Ausstand der rumänisch e n Bauern au s, aber — sehr bemerkenswerth — nicht in der Moldau, wo die israel. Hauptbevölkerung, sondern in der Walache i, d. h. dicht bei Bulgarien und in der Gegend, wo es keine israelitische, sondern nur griechische, bulgarische rc. Gutsherren gibt, die dann, ein paar Hundert an Zahl, die gesetzgebenden Kammern um Hilfe anstürmten. Es sollen freilich auch einige Israeliten versucht haben aus Rußland in Rumänien „einzuwandern", aber — es waren bloß einige und diese waren nicht russisch e, sondern rumänische, die theils aus dem 1878 von Rußland anektirten bis dahin rumänisch gewesenen Stückchen Bessarabien kamen, theils vor Jahren sich im weiteren Rußland Geschäfte halber niedergelassen hatten und nun von da sausgewiesen, mit ihren rumänischen Pässen sich wieder nach ihrer rumänischen Heimath begeben wollten! Die konservative rumänische Regierung aber verschloß diesen wenigen ihrer eigenen Angehörigen die Grenzen mittelst Circular, obwohl man als geborener Rumänischer mit rumänischen Papieren das Recht haben müßte von beliebig wo, nach beliebig wieviel Zeit in sein — Stiefvaterland zurückzukehren. Es ist demnach weder eine „Masseneinwanderung", noch eine solche von „Juden", weder in die slavischen Balkanstaaten, noch in Rumänien, sondern „viel Geblöcke und wenig Wolle", aufgewärmter antisemitischer Kohl von etlichen russisch-christlichen Heiligenbilder-Verkäufern, von welchen auch gesagt werden muß „es war einmal" — im Jahre 1889! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 27. Feb. Nach verschiedenen uns vorliegenden Mittheilungen haben die russischen Thierschutzvereine in einem zu Petersburg abgehaltenen Congreß beschlossen, gegen das Schächten die Agitation zu er- I öffnen. Zunächst wurde beschlossen, „die Regierung um Nachfragen bei anderen Cultur-Staaten anzugehen, inwiefern das Schlachten nach dem israelitischen Ritus geduldet wird und ob das Schächten nach den modernen humanen Grundsätzen wirklich als Thierquälerei bezeichnet werden kann." Unsere russischen Glaubensgenossen werden es gewiß nicht an Bestrebungen fehlen lassen, dieser Agitation den Boden zu entziehen. Es wird für dieselben von Interesse sein zu erfahren, daß eine Enquete über die Behandlung der Schächtfrage in allen Culturstaaten bereits erfolgt ist und zwar durch den Schweizerischen Bundesrath. Dieselbe ist ausführlich in dem Bnndesrathsbeschluß vom 17. März 1890 enthalten. - Dieser hochbedeutsame 25 Druckseiten umfassende Beschluß, wird überall von hohem Interesse sein, wo die Schächtfrage zur Discnsfion steht. Derselbe kann von Herrn Bezirksrabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz) gratis bezogen werden. Zur Orientirung über die Frage, ob das Schächten nach den modernen humanen Grundsätzen, wirklich als Thierqnälerei bezeichnet werden kann, verweisen wir auf die Schrift „Thierschutz und Menschentrutz" von Dr. Ehrmann, welche alle für und gegen das Schächten geltend gemachten Momente kritisch beleuchtet, und 52 Gutachten zum Theil von hervorragenden Autoritäten über das Schächten enthält. Das Buch ist zu beziehen durch den Verlag von I. K a u f fm a n n in F r a n kfurt a. M. Mainz, 27. Febr. In einem soeben erschienenen höchst lesenswerthen Flngblatte des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" wird „ein Beispiel für die Agitationsweise der Antisemiten" in treffender Weise beleuchtet. Es handelt sich um einen groben, widrigen Unfug sonder Gleichen. Die „Antisemiten-Eorrespondenz" brachte dieser Tage einen Artikel als Angebinde gegen den;j „Verein zur Abwehr des Antisemitismus", in 1 welchem auf eine Rede hingewiesen war, die „ein Großrabbiner in einer geheimen Versammlung ge-! halten hat" und welche „nur einen Maßstab für! die endgiltigen Absichten der Judenschaft" abgäbe. Diese angebliche Rede eines Großrabbiners ist ■ allerdings über die Maßen ungeheuerlich und widerwärtig. Sie erklärt den „Vernichtungskrieg" gegen die Christen; durch die Macht des Geldes sollen die Fürsten und Negierungen beherrscht, der Grundbesitz, die einflußreichsten Stellen in die Hände der j Juden gebracht werden. Als Aerzte müßten sie in ** die intimsten Verhältnisse der Familie eiudringen und als solche die Gesundheit und das Leben der Todfeinde, der Christen, in Händen haben.

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