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Der Israelit · 1891-03-02 · Heft 18 (2.3.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 18 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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345 „Sind wir einmal, - jo heißt es weiter in diejer angeblichen Rabbiner-Rede — die absoluten Herren der Presse, so können wir leicht die bestehenden Begriffe über Ehre, lugend und Offenheit des Charakters ändern und den ersten Stoß gegen die geheiligte Institution der Familie führen und deren Vernichtung vollenden." Die Juden müßten sich enthalten, Frauen ihrer heiligen Religion zu Maitressen zu nehmen, für diele Rolle könnten sie unter den christlichen Jungfrauen tvählen u. s. w. Das Proletariat — so schließt die Rede — werden wir für die Inden in Stimmung erhalten und es jenen unterwerfen, in deren Händen sich Geldmitteln befinden. Wir werden dasselbe ,;u Umwälzungen, zu Revolutionen treiben, und jede solcher Katastrophen bringt uns in unserem Streben um einen großen Schritt vorwärts und nähert uns unserem einzigen Ziele, auf der Erde zu herrschen, wie solches unserem Vater Abraham versprochen worden." Wer ist nun dieser Groß-Rabbiner? Wie heißt er? Wo hat er gelebt? Wo und wann hat er diese niederträchtige Rede gehalten? Ist er wirklich ein lebendiger Mensch von Fleisch und Blut gewesen? Nichts von alledem! Diese Rede, die nach Nr. 130 der „Antisem. Correspond." ein Groß- Rabbiner in einer geheimen Versammlung gehalten hat (!!), ist nichts als eine widerliche Fiction aus einem Roman niedriger Gattung, der unter dem Titel: „Gaöta, Warschau, Düppel" in Berlin im Jahre 1868 erschienen ist. Der Verfasser dieses Romans ist der aus dem Prozeß Waldeck als Zeuge wohlbekannte Rechnungsrath Hermann Goedsche, welcher als Romanschriftsteller den Namen John Netcliffe führte. In diesem Roman im 1. Bande befindet sich ein Kapitel „Auf dem Judenkirchhof in Prag." Es wird dort der Verlauf eines fingirten Sanhedrin geschildert, welches alle hundert Jahre einmal au dem Grabe des Rabbi Simeon Ben Jehuda in der Nacht stattfinden „soll". Nach dem Gödscheschen Roman hatten sich dort dreizehn Vertreter eingefunden, als — so heißt cs in dem Roman — der letzte Schlag der Mitternachtsstunde vom Thurm her durch die Nacht zitterte und ein gespenstiger blauer Lichtschein aufflackerte, gleichsam aus dem Steinhaufen, dem Grabe des alten Kabahlisten, dringend, und die 13 weißen Gestalten umdämmerte, die um das Grab her kauerten." Die ganze Schilderung der geisterhaften Scene auf dem Prager Judenkirchhofe trägt den Stempel einer phantastischen Erfindung an sich. Was in der „Antisemitischen Correspondcnz" als „Rede des Groß-Rabbiners" mitgetheilt wird, ist nichts als ein ganz unvollständiger Auszug der Gespräche der erdichteten 13 Geistergestaltcn. In der That — jeder, den die Leidenschaft und der Haß nicht blind gemacht hat, wird einen Kamps der Antisemiten mit solchen Mitteln verabscheuen. Empörung muß allerdings jeden, der diese Rede liest, erfassen. Aber nicht über unsere jüdischen Mitbürger, welche schuldlos sind an solcher „ungeheuerlichen" Fiction, sondern über diejenigen, welche sich solcher Mittel bedienen, um in Masscnflugblättern gegen ihre jüdischen Mitbürger zu hetzen. Worms, 27. Febr. Unter Bezugnahme auf Ihren aus hier datirten Bericht in Nr. 16 Ihres Blattes beehre ich mich, Ihnen Folgendes zur Richtigstellung mitzutheilen: Ihr Correspondent behauptet: „Zwei bmtud Q'P'ny seien hier in Worms in 14 Tagen dem sogenannten Zeitgeist zum Opfer gefallen", hierauf bemerke ich: 1) Die Feier der Chewra Kadischa wird auch in diesem Jahre, wie in mehreren früheren, auf Beschluß d es Vorstandes, — der längst gefaßt, che die fragliche Corresp. erschien — vor 's -ns n"-ij; abgehalten. 2) Von der Feier des 10. Adar heißt es in der alten Wormser nn^D, die in den Händen der Gemeinde» Mitglieder und sicher auch Ihres Correspondenten ist: (ay p2i) xn pyno ]D’j^ tiddh vm v Die Feier konnte also noch nicht stattfinden, weil sie am yp vw zu begehen ist. Im O'0.-uv-Buch steht noch deutlicher: V’ wy nJBQi nuirs njsa vwa d’ö’ v?i3i pyno ’Jttf Altona, 24. Feb. In der hochdeutschen Jsraelitengemeinde fand heute die Wahl eines Vorstandsmitgliedes und dreier Gemeindevertreter statt. Sowohl das ausscheidende Vorstandsmitglied Regierungsrath Dr. Pieck und die Gemeindevertreter H. I s a a c s, W. I.Möller und M- Wiener wurden wieder gewählt. Hamburg. Die „Reform" meldet aus Odessa, 26. Februar: Mehrere Juden begeben sich in diesen Tagen nach Palästina, um große Landstrccken anzukaufen, auf welchen aus Rußland auswandernde Juden angesiedelt werden sollen. & Vermischtes. -4- Hamburg. Der Israelitische Versorgungs-Verein, begründet 1827, welcher den Zweck einer Kranken- und Sterbegeld-Unterstützung verfolgt, ladet zu der am 2. März stattfindendcil Generalversammlung ein. Aufnahme finden Personen im Alter von 16 bis 40 Jahren. Der Betrag beträgt nur 15 Pfg. pro Woche: dafür erhält man freien Arzt, Medicin, Krankengeld, Wundarzt und eventuell Todtengeld. Präses des Vereins ist Louis Fricdenheim, Wexstr. 23. Die Abrechnung für 1890 ergibt an Beiträgen u. A. 1643 Mk. aus einem Legat von I. D. Koch 500 Mk. Es wurden au Krankengeld an 23 Mitglieder in 70 Wochen ü. 7 Mk. 20 Pfg., 504 Mk., an Apotheker 717 Mk. gezahlt. Das Vermögen des Vereines betrug 6187 Mk. gegen 5358 Mk. im Vorjahre. Die Zahl der Mitglieder bezifferte sich Ende 1890 auf 204. Schlawc i. Pom. Das 25 jährige Jubiläum des hiesigen jüdischen Frauenwohllhätigkeitsvereins hatte viele Fremde

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