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Der Israelit · 1891-03-02 · Heft 18 (2.3.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 18 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang Beilage ju M18 des „Israelit & Ieschurun" Leitender Artikel. Die Berliner „Kreuzzeitung" in den rumänisch-russischen „Iudenfragen". vr. C. 5P Ufa re ft, 26. Februar. Die in Berlin.erscheinende „Neue Preuß.- (Kreuz--) Zei-!ung" läßt sich in der Nr. vom 21. ds., die mir zufällig in die Hände gefallen, im tollsten Mischmasch ein Breites von der Interpellation Sturdza über eine angebliche „Masseneinwanderung" russischer Juden in Rumänien, berichten. Zunächst nimmt es sich für Unscreinen, der das Malheur hat j u st ru mä n if cher Jude zu fein, höchst posierlich aus, wenn er in einer natürlich „best"- insormirt sein woüendcn Zeitung ans der großen Welt lies!: „Die Judenirage in Rumänien ist ... . „wieder" aus die Tagesordnung gesetzt worden. . . Wann ist sic denn davon verschwunden? Mindestens erscheint sie seit 12 Jahren jeden Samstag auf der Bildsläche der Tages-.,Ordnung" (?>, denn Samstag ist der „Jom-ha-din", der Tag, an welchem Naturalisirungcn auch von Israeliten u. zw. von inländischen erledigt werden — sollen, was bekanntlich niemal s geschieht. Was für Un-„Ordnung" aber dabei vorsällt nud wie an diesem Tage jeder Woche „Judenfrage" in den rumänischen Kammern abgchandclt wird, darüber werde ich Ihnen ein andermal Pröbchen ans nnpartciischenund aus einer offiziösen Zeitung schicken. Für heute will ich nur auf das Gewäsch des KrcuzztgS.'Korrespondentcn und des ultraantisemitischen ehemaligen „liberalen" (!!) Ministers und Faktotums des Joan C. Brütianu, des ehrenwerthen Demeter Stur dza, oder mit seinem Pseudonym B aron von Hahn, eingehen, und ich gehe vielleicht nicht fehl in der Annahme, daß er selbst der „Korrespondent" der Kr.-Ztg. sein kann, um damit die mitteleuropäischen Mächte für die „antirussisches?) iogen. „liberale Partei" Rumäniens zu erwärmen. Es liegt eine große Bornirtheit darin, wenn immer nneder nachgeplappert wird, die Juden seien ein „zerstörendes" und „zersetzendes" Element, eine viel größere- Dummbeit aber ist es diesbezüglich auf die Autorität eines — rumänischen „Kladderadatsch"-Gelehrten hinzuweisen, wo es doch bekannt sein müßte, daß die Rumänier in allen Zweigen des Wissens und Könnens bis jetzt nichts Selbständiges besitzen, sondern nur lauter Nachäffungen des Auslandes, dem sie gedankenlos Alles nachbeten. Daß die Israeliten auch in Rumänien „zersetzend" wirkten, ist um so mehr nachgcplappertert, als sie zu nichts Oesfentlichem zugelassen und durch die Umstände in ganz geringem Verkehr mit den'Christen, gar nicht im Stande sind, auf diese „moralisch" und „politisch", wie Sturdza sagt, oder auch sonstwie einzuwirken. Man soll mir aber die richtige Bezeichnung dafür liefern, daß die Israeliten nicht in Folge eigenen Triebes, sondern aus Zwang der Regierungsorgane und weil die Rumänier, außer dem Ackerbau nur noch dem Beamten- und Advokatenthum sich ergeben — daß die Israeliten den rumänischen Mittelstand dadurch bilden, indem sie, wie gesagt, aus Zwang fast den gesammten Handel und das Handwerk ausüben, mit denselben als sozial-ökonomisch n o t h w e n d i g e r E r s a tz der faulenzenden „herrschenden" Nation eintreten und deren Nationalreichthum Herstellen und vermehren. Man sollte meinen, daß dies nicht „Zersetzung", sondern „Stärkung" und „Festigung" des Rumänenthums genannt werden müsse; denn ohne die Israeliten hätte dieses Handel und Handwerk und Mittelstand nicht, demnach auch nicht die Moneten, welche diese einbringen, während Beamte nnd Advokaten nur Geld aus bringen, d. h. konsumiren. Daß dann „die Juden" (! welche?) „Helfershelfer des Panrussismus" seien, indem sie „aus Rußland ausgetrieben, sich unter den kleineren — slavischen (!) Völkern (also nicht in Rumänien! —- wozu dann der Lärm?) festsetzten, diese demoralisirtcn und für die russischen Wühlereien widerstandslos machten", ist umso dümmer und bodenloser, als 1. dies mit einer „Maffeneinwanderung russischer Juden in — Rumänien in gar keinem Zusammenhang; als 2. die kleineren slavischen Völker des Ostens nur Bulgarien, Serbien und Montenegro sein können, von welchen aber bis jetzt Klagen über „Mafseneinwandcrung :c.", nicht gehört worden, wo aber die israelitische Lage eine ausgezeichnete, dem Berliner Vertrage von 1676 völlig angcpasstc ist; als 3. die „Masseneinwanderung ic." in die kleineren slavischen Staaten, viel leichter, billiger und kürzer direkt über O dessa-W arn a-Rustsch u ck, nämlich via Schwarzes Meer-Donau stattfinden kann, ohne daß die gepeinigten und gejagten russischen Juden den antisemitischen rumänischen Boden berühren müßten; als 5. „die Juden" (im Sinne des Interpellanten: die rumänischen) „Helfershelfer des Panrussismus rc." nicht sein können, lveil sie nach den slavischen Staaten nicht gehen, die russischen Israeliten aber dem Rumänenthum „panrufsisch" nicht schaden können, weil sie nicht nach Rumänien gehen, wie Sturdza's obige Worte selbst lauten. Man betrachte sich nun noch einmal sein kauderwelsches Orakel und vergleiche es mit dem Zweck der Interpellation (Wahrung des Rumänenthums) sowie mit dem Widersinn, der darin liegt. Der Korrespondent der „Kreuzzeitung" weiß es so sehr genau, daß der Rumäne „nicht unduldsam" sei und zum Beleg rechnet er eine Menge „nichtrumänischer" Nationen vor, die in gewissen Ziffern in Rumänien wohnen und durch mancherlei Thätigkeiten sich ernähren. Dem fügt er den hochwohlnaseweisen Satz hinzu: „nur gegen die Juden hat er eine tiefe Abneigung." Und da ist er noch „nicht unduldsam", wenn er allerhand wirkliche Fremde —weil s i e C h r i ft e n s i n d — gut, während er die einheimischen Juden lveil sie eben Juden sind —

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