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Der Israelit · 1891-03-02 · Heft 18 (2.3.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 18 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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342 Grunde ja gar nichts zu fürchten habe. Hat nicht unser Jankele einen Supplenten? So denkend, schob ich den Riegel des Thores zurück. Bald war das Zimmer von Polizeileuten überfluthet, Waffmgeklirr und heisere Triumphrufe füllten den kleinen Raum. „He, wo ist unser guter Mann?" schrie der Viertelmeister, während alle Hausleute erschrocken und bleich aus den Betten fuhren. „Sieh', da ist er ja!" rief er mit einem Hohngelächter, als er das Bett meines Sohnes entdeckte und ihn aus demselben emporriß. „Da ist ja unser edles Wild, jetzt gibts wohl kein Entrinnen mehr. Mach Dich nur schnell auf!" Ich kam bei diesem Rufe wieder zur Besinnung. „Sie haben sich wohl um ein Haus geirrt", sagte ich. „Mein Sohn ist frei, er hat einen Supplenten!" „Einen Supplenten — ha, ha, ha!" lachte Jener brutal. „Ein schöner Vogel Ihr Supplent, der bereits siebenmal die Federn gewechselt und zuletzt davongeflogen ist. Ihr Supplent hat sich nämlich nur in sieben Städten verkauft, in jeder unter einem anderen Namen, in jeder zeigte er einen andern Geburtsschein und Reisepaß vor, und zu guterletzt ist der saubere Vogel auf und davon. Halten Sie sich nur an Ihrem Supplenten, er kann Ihnen viel nützen. — Auf, mach's schnell, Junge!" Verzweiflungsvolle Angst sträubte mir das Haar. Der Rothe hat mich irregeleitet und in die Falle gelockt — das war der Gedanke, der mich wie ein jäher Blitz durchzuckte. Die Häscher hielten unterdessen nicht stille; sie lärmten, stampften, klirrten mit den Waffen, umringten meinen Sohn und wollten ihn mit sich fortreißen. Aber ein entsetzlicher Jammerschrei bannte ihre Schritte. Flehend hatte sich mein Weib und Rachele dem Viertelmeifter zu Füßen geworfen, mit den zitternden Händen seine Knie umklammert, und Letztere schrie mit markerschütternder Stimme: „Um des allbarmherzigen Gottes willen, haben Sie Mitleid, oder tödten Sie mich lieber auf der Stelle! Ich kann und werde es nicht überleben, wenn Sie mir meinen Mann rauben!" „Das alte Lied!" brummte der herzlose Viertelmeister, indem er die unglücklichen Frauen von sich stieß und zugleich seinen Leuten den Befehl gab: „Greift nur muthtg zu, wir haben keine Zeit zu verlieren!" Die Häscher faßten Jankele vor der Brust und zerrten ihn fort. Allein abermals warf sich Rachele zwischen sie und ihren Mann, diesmal jedoch nicht als Bittende, sondern als Drohende mit einem Messer, das sie in fliegender Eile ergriffen, in der zitternden Rechten. „Nein," schrie sie mit wahnsinniger Stimme, „meinen Mann lasse ich mir nicht nehmen, es wird Blut kosten!" Einige Sekunden wagte sich keiner der Häscher an sie heran, aber am Ende mußte es sich doch erweisen, daß fünf bewaffnete Polizeileute viel stärker sind, als ein schwaches Weib. Das Messer wurde gewaltsam ihrer Hand entwunden. Blut kostete es allerdings, denn zwei der Häscher erhielten arge Verletzungen und sie selber schnitt sich tief in die Hand. In ihrer Verzweiflung klammerte sie sich mit beiden Händen an die Knie ihres Gatten; aber das scherte die Polizisten noch weniger, denn sie zerrten Jankele nach sich, ohne zu beachten, daß die Unglückliche auf dem Boden nachschleifte. Auf der Schwelle lösten sie gewaltsam ihre Hände los. Besinnungslos sank die Arme auf dem Boden zusammen, während die Grausamen ihr Opfer fortrissen und sich mit demselben in der dunklen Nacht verloren. (Fortsetzung folgt.) Die Fortsetzung des Feuilletons: „Hohe Kreise", Novelle von H. Berger, folgt in der nächsten Donnerstags-Nummer. „Jrraellt" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jede»mal in mindesten- 2 Bogen. Preis der Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland IS Reichs-Mark. Man abannirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Auch Handel fu besiehe« bei E. F. Ate Inacker, Leipzig, Koßplah 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr.» für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einznsende«. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Artikel: Perek Schirah. (Fortges. von Liepm. PH. Prins, Frankfurt a. M.) — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus Leipzig. Oberhausen. Aus Heidelberg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Bielitz. — Rußland: Petersburg. — Afrika: Marocco. — Amerika: New-Port. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Recrutirung. Erzählung von Nathan S amuely (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Die Berliner „Kreuzzeitung" in den rumänisch-russischen „Judenfragen". — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Worms. Altona. Hamburg. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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