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Der Israelit · 1891-03-02 · Heft 18 (2.3.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 18 (2.3.1891)
Date
1891-03-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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340 den Juden des Landes, sowie über die Beschäftigung oder den Beruf derselben, und ist das Ergebniß einer von der Abtheilung für Lebcnsftatiftik vorgenommenen besonderen Aufnahme. Eine solche war nöthig, da bei der eigentlichen Volkszählung nicht nach der Rasse, sondern nur nach dem Lande der Herkunft gefragt wurde. Um den Zweck zu erreichen, wurden von Washington aus an fünfzehntausend jüdische Familien, die fünf Jahre oder länger im Lande waren, und deren Adressen man sich zu verschaffen gewußt hatte, Cirkulare mit den einschlägigen Fragen gesandt, und von 10,618 Familien mit 60,630 einzelnen Mitgliedern sind Antworten eingelaufen. Diese 10,618 Familien bestanden am 31. Dezember 1889 aus 31,694 männlichen und 28,936 weiblichen Mitgliedern, und es hielten davon 3996 Familien keinen, 3743 einen, 1958 zwei und 921 drei und mehr Dienstboten. Aus ihnen heiratheten in den fünf Jahren vom 1. Januar 1885 bis 31. Dezember 1889 872 männliche und 1276 weibliche Personen und fanden in dergleichen Zeit in ihnen 6038 Geburten (3067 männliche und 2972 weibliche) und 2062 Sterbefälle (1026 männliche und 1036 weibliche) statt. Und zwar ist das Verhältniß in allen diesen Dingen in allen Theilen des Landes so ziemlich dasselbe. Nur die Sterblichkeitsrate ist in der Sceregion und den westlichen Staaten etwas geringer, als in den östlichen und südlichen Staaten. Von den hier verzeichnten Familien war bei 1332 das Haupt derselben im Lande geboren, 8263 waren fünfzehn Jahre und darüber in den Ver. Staaten, 228 zehn bis fünfzehn Jahre, 552 fünf bis zehn Jahre, 128 weniger als fünf Jahre und bei 124 war die Zeit der Anwesenheit in den Ver. Staaten nicht angegeben. Wie aus dem Obigen hcrvorgeht, überwiegt bei den Juden die männliche Bevölkerung, und zwar mehr, wie in der allgemeinen Bevölkerung. Denn während diese 103.57 Männer auf 100 Frauen aufweist, zählt die jüdische 109.53 Männer auf 100 Frauen. Von den 60,630 gezählten Personen waren 40,666 in den Ver. Staaten geboren, und davon 36,772 von Eltern, von denen wenigstens der eine Theil im Auslande geboren war. Von den Müttern der Gesammtzahl war das Geburtsland bei 12,754 die Ver. Staaten, bei 1255 England und Wales, bei 33,549 Deutschland, 6355 Rußland und Polen, bei 1465 Ungarn, bei 1759 Böhmen, bet 659 Frankreich u. s. w. Merkwürdiger Weise sind in diesen Familien verhältnißmäßig weniger Kinder unter fünf Jahren, aber mehr Kinder von fünf bis fünfzehn Jahren als in der Gesammtbevölkerung. Sehr interessant ist die Tabelle, welche die Beschäftigung der gezählten Bevölkerung angiebt. Von den 18,115 männlichen Personen, die unter den 60,630 schon einer Beschäftigung nachgehen, sind 285 Advokaten, 173 Aerzte und 388 Leuten von anderen Berufsarten, wahrscheinlich Rabbiner, Lehrer u. s. w., während 6112 als Buchhalter, Clerks, Bankiers, Makler, Collektoren, Engroshändler u. s. w., 1802 als Handlungsreisende, 5982 als Kleinhändler, 171 als Peddler, 176 als Wirthe, 185 als Wein- und Branntweinhändler en gros, 82 als Hotelwirthe und Kosthausbesitzer, 118 als Barbiere, Hausmeister Polizisten, Soldaten oder Leichenbestatter, 12 als Arbeiter, Boten oder Dienstboten, 285 als Metzger, 186 als Cigarrenmacher, 388 als Uhrmacher und Juweliere, 119 als Setzer, 538 als Schneiderund 559 als sonstige Handwerker aufgeführt sind. Nur 383 befassen sich mit Landwirthschaft, meist mit Viehzucht. Von den 1382 einer Beschäftigung nachgehenden weiblichen Personen gehören 259 dem Lehrfach an, 301 sind Buchhalter, Druckschreiber, Kurzschreiber, 291 Verkäuferinnen, 171 Dienstboten, 321 Putzmacherinnen und Schneiderinnen. Der Bericht widerspricht der allgemeinen Annahme, daß die Juden jung heirathen. In den fünf angegebenen Jahren heiratheten nur 10 Juden unter 20 Jahren und nur 306 im Alter von 20 bis 25 Jahren, dagegen 930 im Alter von 25 bis 30 und 629 im Alter von 30 bis 35. Von den geheiratheren Mädchen waren nur 11 Prozent unter 20 Jahren, dagegen die größere Hälfte 20 bis 25, und ein gutes Viertel 25 bis 30 Jahre. Auch ist die Heirathsrate überhaupt sehr niedrig. Während in der allgemeinen Bevölkerung 18 bis 22 Personen aus 1000 jährlich heirathen, ist die entsprechende Ziffer für die Juden nur 7.4. Die Tabelle der Geburten zeigt, daß 3776 in den Vereinigten Staaten geborene Mütter 13,456 Kinder geboren, von denen 11,617 am Leben waren, während 4364 in Deutschland geborene Mütter 22,879 Kindern das Leben gaben, von denen 18,937 am Leben sind. Auf jede hier geborene Mutter kommen 3.56 Kinder, auf deutsche Mütter 5.24, auf rusische und polnische 5.63, auf ungarische 5.27 und auf böhmische 5.44. Im Allgemeinen ist auch die Geburtsrate unter den Juden geringer, als unter der allgemeinen Bevölkerung. Uebrigens muß in Anbetracht gezogen werden, daß es sehr wohl möglich ist, daß die Sterbefälle und Geburten nicht immer sämmtlich angegeben wurden. Auch muß man bedenken, daß die Antworten zum größeren Theile voll besser situirten Personen herstammen. Nach den Krankheits- und Sterbetabellen werden die Juden mehr als die übrige Bevölkerung durch Diphtheritis- und Nervenkrankheiten heimgcsucht, leiden dagegen weniger an Tuberkulose und Skropheln.

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