Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 18 (2.3.1891)
- Date
- 1891-03-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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337 Einblick in unserer von reinster Humanität durchwehten Lehre bietet. — Wer die Mühe nicht scheut, die höchst gelungene Arbeit des Dr. K. zu erwerben und zu verbreiten, der hat der Judeuheit einen nicht zu unterschätzenden Dienst geleistet. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 22. Febr. Eine schreckliche Geschichte meldet das Stöcker'sche „Volk". Es sollen in diesen Tagen unter 23 Lehrerinnen, welche die Berechtigung erhielten, in das königliche Lehrerinnenseminar in Berlin einzutreten, 19 Jüdinnen (schreibe neunzehn) gewesen sein. In den Berliner Gcmeiudeschulen sollen schon über 80 jüdische Lehrerinnen angestellt sein. Wenn die Sache sich so verhält, bemerkt dazu die „Freis. Ztg.", so spricht das doch dafür, daß die Juden keineswegs derartig ans materiellen Erwerb versessen sind, wie es die Antisemiten in der Regel darstellen. Denn der Beruf der Lehrerinnen ist nicht gerade besonders geeignet, große Schätze zu erwerben. Aus Leipzig, 24. Februar, schreibt man dem „Berl. Tageblatt": Endlich scheinen unsere israelitischen Mitbürger sich daran zu erinnern, daß auch für sie der S ch u tz des Strafgesetzbuchs gegen Beleidigungen vorhanden ist, wenn antisemitische Heißsporne zu weit gehen. Der Herausgeber und Redacteur der „Dentsch-Sozialen- Blättcr" Theodor Fritsch hat es im Laufe der letzten drei Wochen bereits dreimal erfahren müssen, daß die Israeliten nicht vogelfrei sind, und auch heute wieder kostet ihn der „Scherz", den Kaufmann Groß in Magdeburg beleidigt zu haben, vierhundert Mark. In stummer 97 des obengenannten Blattes wurde behauptet, daß Herr Groß das Waareulager eines in Konkurs verfallenen Glaubensgenossen übernommen, und hinzugefügt, daß der Jude nicht weniger denn 12 Kisten der allerbilligsten Schuudwaare zwischen die Masse geworfen und selbe als Bestandtheile der Masse verkauft habe. Es ist dies doch ein ungeheuerlicher Betrug." .... „Der Jude S. G. war schon wegen Majestätsbeleidigung in Untersuchung re." — THatsache ist, daß G. im Einverstündniß des Konkursverwalters das Lager, sobald die besseren Sachen verkauft waren und die Befürchtung vorlag, daß die minderwerthigen zum Schaden der Masse liegen bleiben würden, mehrmals kompletirt hat — indessen wurde festgestellt, daß dies mit nur guter Waare geschehen sei. An den Verleumdungen ist kein wahres Wort. Fritsch hat die Unterlagen der Notiz von einem gewissen Jung bekommen, welcher aus dem Groß'schen Geschäft entlassen war, und zwar zu einer Zeit, als G. noch nicht einen Gegenstand in das Waarenlager gesteckt hatte. Jung hat versichert, daß er die Wahrheit des von im Behaupteten durch zwei Zeugen belegen könne, und ist daraufhin seitens des Fritsch die Aufnahme der Notiz angeordnet worden. Dessen Vertheidiger machte noch geltend, daß Fritsch gewissermaßen eine Aufgabe darin sehe, alle nach seiner Meinung von Israeliten verschuldeten Mißstände im gewerblichen Lebeu rücksichtslos zu bekämpfen. Der Vertheidiger des Privatklägers, Rechtsanwalt Fr eh tag, führte aus, daß Fritsch in unverantwortlicher Weise mit Existenzen spiele; seill Vorgehen sei gemein und gefährlich, überhaupt gemeingefährlich. In Rücksicht auf dieses Vorgehen und die zahlreichen Vorstrafen des Herrn Fritsch beantrage er eine schwere Gcfängnißstrafe. Nach längerer Berathung verkündete das Gericht das Urtheil auf 400 Mark Geldstrafe. Noch einmal sei auf Geldstrafe erkannt, weil anzunehmen gewesen sei, daß der Angeklagte von der Wahrheit des von ihm mitgetheiltcn überzeugt war und demnach in gutem Glauben gehandelt habe, dann falle aber auch strafmildernd ins Gewicht, daß nicht der volle Name des Herrn Groß, sondern nur S. G. geschrieben worden sei. Als festgestellt wurde angenommen, daß auch nicht eine der von F. gegen Groß vorgebrachten Beschuldigungen auf Wahrheit beruhe. Oberhausen. Samstag Abend Uhr hielt Herr Stöcker, Hosprediger a. D. im Saale der Wwe. Kirchholtes zu Mühlheim a. d. Ruhr eine von 1500 Mann besuchte Versammlung ab. Er hatte sichZzu seinem Thema die „kirchlich-sittlichen Nothstände in Berlin gewählt. In einer l^stündigen Rede legte er seinen Zuhörern die kirchlichsittlichen Noihsiäude in Berlin auseinander und es muß, der Wahrheit gemäß bezeugt werden, daß Herr Stöcker sich jeder Gehässigkeit gegen Katholiken und Juden fernhielt. Auch in Duisburg hielt solcher in der „städtischen Tonhalle" über dasselbe Thema eine Rede, die auch frei von Antisemitismus war. Dagegen leistet sein Leiborgan „Volk" ganz Unglaubliches im Antisemitismus. Ans Heidelberg schreibt man uns: In einer gemeinsamen Festversammlung der drei hiesigen Vereine Evangelischer Bund, Gustav Adolf- Verein und Evangelisch-protestantischer Missionsverein hielt gestern Abend der neugewählte Prorektor der Universität Geheime Hofrath Professor Dr. Schröder die FJtrede. Er erwähnte in derselben das unchristliche Benehmen der deutsch-sozialen Partei und bemerkte dazu, daß das Christenthum ja keine