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Der Israelit · 1891-02-26 · Heft 17 (26.2.1891) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 17 (26.2.1891)
Date
1891-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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31? Der Tary um das goldene Kalb. Von Rabb. vr. H. Sänger. Seitdem unser Volk um das goldene Kalb seinen Tanz, aufführte ist wohl kein Volk, kein Geschlecht gewesen, das nicht auch einmal einen solchen Tanz mitgemacht. Aber nicht überall war gleich ein Moscheh zur Stelle, der so energisch, so furchtlos auftrat und den Götzen aus der Mitte des ihn umtanzenden Volkes herausgriff und zerschmetterte, der die Tänzer, ohne Unterschied und ohne Ansehen der Person zur Rechenschaft zog, Bruder und Sohn nicht schonte, aber auch für die bethörte Menge, der er ihre Sünde vorhielt, Fürbitte bei Gott einlegte und lieber aus dem Buche, das Gott geschrieben, ausgelöscht sein wollte, wenn Gott dem irregesührten Volke nicht vergeben würde. Man sollte glauben, daß diese eine große Verirrung, die ohne das aufopferungsvolle Einstehen seines Führers unserem Volke gleich bei seinem Beginne die völlige Vernichtung fast 'zugezogen hätte, es zur Besinnung gebracht, daß es diese Warnung beherzigt und für alle Zukunft sich davor gehütet hätte, je wieder in eine solche schwere Verirrung zu gerathen. Und doch wiederholt sich dieselbe in der Geschichte unseres Volkes so häufig von deren Beginn bis auf unsere Zeit herab, wenn auch in anderer Gestalt, aber doch darin gleich, daß es als ein Abfall von Gott bezeichnet werden muß. Vielleicht verstehen wir diese bedauerliche Verirrung an der Hand der Geschichte und finden, wenn auch keine Entschuldigung, so doch eine Erklärung hiefür. „Als das Volk sah, daß Moscheh zögerte, vom „Berg herabzusteigen, da versammelte es sich um „Ahron und sprach zu ihm: Auf, mache uns einen „Gott, der vor uns herziehe. . Ein Gefühl des Verlass ensein s, der Hilflosigkeit und Muthlosigkeit halte sich des Volkes bemächtigt. Die eigene Ohnmacht gegenüber den Verhältnissen der unsicheren Lage und der ungewissen Zukunft hatte die ängstlichen Gemüther verwirrt, sie unfähig gemacht ruhig zu denken und zu überlegen. Solange Moscheh es führte, war es beruhigt. Nun aber da derselbe sckon 40 Tage ihm fern war, fühlte es sich verlassen und war rathlos. In der Angst und Verzweiflung klammert es sich an dem sichtbaren Götzen an, da es den Gott, der bis jetzt ihm zur Seite gestanden, nicht sah, deffen sichtbarer Vertreter Moscheh gewesen. Wie bis hierher Gott ihm vor an gezogen, alle Hindernisse und Gefahren beseitigt, so verlangt es auch jetzt einen sichtbaren Gott, der vor ihm emherziehe. Es fühlte, daß es eines höheren Führers und Leiters bedürfe; aber sehen wollte es ihn, sich überzeugen, ob ein Gott mit ihm ziehen, und dadurch beruhigt sein. Man sucht dann dieses Angstproduct, das man aber selbst verfertigt, und sei es noch so schön und aus dem edelsten Metall gearbeitet, als den sichtbaren Gott hinznstellen, sucht sich über alle Bedenken, über alle Vernunft hinwegzutäuschen, sich in Betäubung, in Taumel zu versetzen, um einerseits die auftauchenden Zweifel, ob es in Wahrheit ein Gott sei, zu bannen, andererseits das bange Gefühl der Angst und des Verlassenseins zu bannen. Wie Moscheh der sichtbare Vertreter Gottes war und das Volk auf seiner ersten Wanderung leitete und führte, so ist für alle Zeiten die nov mm, die Lehre Gottes, die Er uns durch Moscheh gab, der sichtbare Führer, sollte uns Führer sein, damit wir nie mehr abirren, nie mehr zweifeln, daß Gott, wenn auch unsichtbar, in unserer Mitte weilt und unsere Geschick lenkt. Davon ist der fest überzeugt, der die mm als göttliche Führerin anerkennt; der wird nicht mehr verzagen, auch wenn scheinbar uns der Führer verlassen. Ihn wird nicht das alle Vernunft raubende Gefühl der Angst und der Hilflosigkeit erfassen und sich nach einem sichtbaren Gotte umsehen lassen. Er vertraut und steht muthig auch in seiner scheinbaren Verlassenheit da, und kein Zweifel treibt ihn dazu, einem anderen Gotte sich in die Arme zu werfen. Heute glaubt man sich starken Geistes, indem man sich von der Religion und ihrer Grundlehre, daß ein Gott und Schöpfer, Lenker und Walter uns Menschen voranzieht, zu befreien sucht; man bemüht sich, die Welt als auf andere Weise entstanden, wisscnschafllich und vernunftgemäß (?) zu erklären und darum von dieser bisher geltenden religiösen „kindlichen" Anschauung sich loszulösen. Man forscht aber doch nach einem Ursprung, nach einer Urmacht, nach einer obersten Wahrheit, der man, nachdem man sie gesehen, resp. sich von ihr überzeugt hat, unterwerfen will. Das ist Allen klar, daß uns alle Erscheinungen im Weltraum lauter unverständlich.', unlösbare Räthsel bleiben, wenn wir nicht den Urgrund erforschen, daß wir selbst uns ein Räthsel bleiben und im Dunklen herumtappen. Mit all unserem Wissen und Können fühlen wir uns macht- und hilflos, so lange uns die Wahrheit nicht enthüllt ist. Und so forschen die Denker seit Jahrtausenden nach dieser Wahrheit. Daß sie dieselbe noch nicht gefunden, das beweist ja deutlich das stets erneute Suchen. Was man für den Urquell des Weltalls schon oft hielt, scheint die Geister noch nicht ganz befriedigt zu haben. Wie oft wiederholt sich uns in der Geschichte der Philosophie, daß man der endlich entdeckten

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