Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1891)
- Date
- 1891-02-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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809 düsterem Gewölk umhüllte Zeit, aus welcher der farbenreiche Regenbogen hervordringt, als Vorbote milden Sonnenglanzes. Sein Trinkspruch galt dem Vorstande der n".a jron. Hierauf ergriff der Gemeindevorsteher I. L. Munk das Wort, um den thäLigen Mitgliedern der man den Dank auszusprechen, deren Liebeswerk in der Großstadt mit vielen Opfern verbunden sei. M. Alt mann erinnert an das althergebrachte Recht der xnan bei der Niann nnyo nach Herzenslust in gcmnthlicher Weise über allerlei Gemeindeangelegenheiten die ungeschminkte Wahrheit reden zu dürfen. Redner nimmt dieses Recht der Ungebnndcnheit für sich in Anspruch und geißelt in gebundener Rede manche Uebelstände. Gelungene Form und jovialer Ton des Vortrages trugen vielfach zur Erhöhung der Festesfrende bei. Es folgten noch interessante Reden der Herren Dr. A. Berliner und Dr. S. Hofsmann, denen die Versammlung mit spannendster Aufmerksamkeit lauschte. Auch hebräische und deutsche Tischlicder würzten die Festesfreude, die bis 2 Uhr morgens währte. Nachdem noch durch eine Versteigerung des "sna die x->an-Kaffe einen Gewinn von 540 Mk. verzeichnen konnte, und rem verrichtet wurde, verließen die Festthcilnehmer die von dem Besitzer des Hotel Eassel zur Verfügung gestellten Räume des „Ascanischen Hofes" in dem fröhlichen Bewußtsein, zur Wiederaufrichtung einer alten segensreichen Institution beigetragen zu haben. >x nmrvö x xnron. Das Gcmeindeleben erstarrt und sinkt zu einer geschäftsmäßigen Handlung herab, die nicht anderes kennt als das Besteuern, das Einnehmen und Ausgeben, wenn nicht die man die idealen Aufgaben pflegen, und die Gemeinde an ihre Bestimmung als „Gottesgemeinde" mahnen. Möge dieses Beispiel allseitig Nachahmung finden und das wahrhaft jüdische Gemeindeleben allüberall wieder erstehen. -rax. Berlin, 20. Febr. Die „Post" berichtet: Die vereinigten antisemitischen Vereine Berlins, der antisemitische Volksverein Norden, der antisemitische Volksverein (vereinigte Reformvereine) und der Deutsche Antisemitenbnnd hatten zu gestern Abend nach der Tivoli-Brauerei eine grosse Volksversammlung einberufen,die von etwa 2000Personen besucht war. Auf der Tagesordnung stand: „Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus". Tie Unterzeichner des Aufrufs waren durch Säuleuanschlag eingeladen mit dem Bemerken, daß ihnen Redefreiheit garäntirt werde und daß Witze für sie reservirt seien. Das Referat hatte vr. Bocket übernommen, der bei seinem Erscheinen wie auch die übrigen antisemitischen ReichStagsabgeordneten Pickenbach, Werner und Zimmermann stürmisch begrüßt wurde. Der Vorsitzende des D. A. B. erösfnete die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser. Der Referent Dr. Böckel gab einen Rückblick ans die von Hessen aus wieder belebte antisemitische Bewegung und suchte dann nachzuweisen, daß manche Untcrzeicher des Aufrufs früher, einige noch bei den letzten Wahlen Antisemiten gewesen seien, oder sich wenigstens gestellt hätten, es zu sein. Der Name des Prof. Schlenger in Mainz sei ohne dessen Wissen unter den Aufruf gerathen; so möchte es wohl auch noch mit anderen Namen aussehen. Der Aufruf sei übrigens nur mit Freuden zu begrüßen: er habe die Philister aufgeweckt. Was müsse so einem richtigen Leser eines Judenblattes, der nichts vom Antisemitismus zu lefett bekomme und ihn daher für todt gehalten habe, für ein Schrecken in die Glieder gefahren sein, als er auf einmal sah, daß eine ganze Schutztruppe gegen den Todtgeglaubten mobil machte! (Heiterkeit und Beifall.) Andererseits müsse der polnische Schnorrer zu der Ansicht kommen, daß er wirklich ein Auserwählter sei, da er so viele angesehene Männer für seine Genossen eintreten sehe. Redner beklagte sich des Weiteren über die Mittel, mit denen der Antisemitismus bekämpft werde, Versetzung der Hildesheimer Referendare, Maßregelung der Postassistenten rc. und bemerkte u. A.: „Wenn das so weiter geht, gehen wir in die Opposition. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Der Staatsanwalt mag nur kommen; von dem Tage an, wo ich zum ersten Male das Gefängniß betrete, sind wir unüberwindlich. (Stürmischer, lange andauernder Beifall.) Mögen Minister reden und Staatanwälte klagen, der Antisemitismus muß und wird siegen. (Minutenlanger Beifall, Hochrufen und Hüteschwenken). Nach dem Vortrage wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Wir über 2000 auf Tivoli versammelte deutsche Männer, welche den begeisternden Worten unseres Parteiführers Dr. Böckel und der übrigen Abgeordneten jubelnd zugestimmt haben, legen energisch Protest ein gegen die Unternellungen des neu gebildeten Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, daß die Antisemiten die Juden verfolgen und niedrig beschimpfen, nur weil sie Juden feien. Wir deutschen Antisemiten bekämpfen nur die Auswüchse des protzenden Judenthums; wir wollen nur, daß dasselbe überall im öffentlichen Leben auf den ihm gegenüber der Gesammtbevölkerung zukommenden Prozentsatz zurück gedrängt werde. Ties zu vollbringen, geloben wir mit Herz und Hand und stehen darin fest zu unseren Reichstags- Abgeordneten!" Unter stürmischem Beifall hielten dann noch die Abgg. Zimmermann, Werner und Pickenbach kurze Ansprachen. Etwaige anwesende Unterzeichner des Aufrufes wurden wiederholt ersucht, ihren gegnerischen Standpunkt zu vertreten: es meldete sich indessen Niemand zum Wort Tie Versammlung wurde um ll1/2 Uhr mit Hochrufen auf die antisemitische Fraktion und das deutsche Vaterland geschlossen. Beim Verlassen des Saales sangen die Versammelten „Deutschland, Deutschland über Alles." .mpn Tin bx O’rtc^öh Berlin. Eine ungemein praktische Manier, den Juden etwas anzuhängen, hat die „Kreuzzeitung". Wir empfehlen folgenden Satz allen Verleumdern als nachahmenswerthes Schema. Das Blatt schreibt: „Was will es dieser unleugbaren Thatsache gegenüber besagen, wenn die eine oder andere Mitteilung antisemitischer Blätter nicht begründet sein sollte, so z. B., daß Sir Moses Montefiore einen bekannten ihm in den Mund gelegten Ausspruch nicht gethan, wie der „Antisemitenspiegel" in langer Rede nachzuweisen sucht? „So lange wir nicht die Zeitungen der ganzen Welt in den Händen haben", so lautet dieses „apokryphe" Wort, „um die Völker zu täuschen und zu betäuben, wird unsere Herrschaft ein Hirngespinnst bleiben." Nehmen wir nun aber auch an, daß Sir Moses Montefiore das nicht gesagt hat, so zeigt die Erfahrung der