Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1891)
- Date
- 1891-02-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448139--31658-2479469- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
308 chtung! Wegen wichtiger Vereinbarungen ersuchen mehrere Münchener Gesinnungsgenossen umgehend um die Adressen zuverlässiger Münchener Antisemiten. Auch abhängigen Herren ist Betheiligung dringend anzurathen, weil strenge Diskretion zugesichert ist. Wir empfehlen Massenverbreitung der zweiten Folge des „Antisemiten-Spiegels", Danzig, Kafemann. Worms. Zwei Q’p»ny d’jtuö unserer altjüdischen Gemeinde, sind seit 14 Tage dem sogenannten Zeitgeist zum Opfer gefallen. 1) Die Feier vw rrry der Chebra -Kadischa, welche Hunderte von Jahren alljährig mit religiösem Ernste begangen ward. 2) Die Feier des 10. Adar, welcher ebenfalls Jahrhunderte schon in der Synagoge hier, durch mrv^D, rvayn und man zum Andenken jener Märtyrer gefeiert ward, welche dazumal um der Heiligung des Gottesglaubens willen freiwillig ihr Leben dem Mordbeile Wahnvcrblendeter Hingaben. Ob nun dieses Unterlassen auf Veranlassung des Religionsvorstandes oder des Rabbiners Herr Dr. Stein, oder aus Vergessenheit geschah, weiß ich nicht. Gießen, 20. Febr. Das hiesige Kreisamt hat an die Bürgermeistereien unter Hinweis auf die antisemitischen Bestrebungen, wie sie sich namentlich in der Aufforderung verschiedener Agitatoren an die Landbevölkerung zum Anschlüsse an den mitteldeutschen Bauernverein äußern, ein Ausschreiben erlassen. In demselben heißt cs am Schluffe: „Es kann Ihnen nicht zweifelhaft sein, daß die Großherzogliche Regierung eine solche auf Verhetzung der bürgerlichen Gesellschaft und die Aechtung einer Religionsgefellschaft abzielende Vereinsthätigkeit, durch welche die sonstigen, auf Hebung des Bauernstandes gerichteten Bestrebungen dieser Vereine nur beschmutzt werden, aufs schärfste verurtheilt. Wir erwarten deßwegen von Ihnen, daß Sie die Gründung solcher Vereine nicht nur nicht fördern, sondern auf das Entschiedenste gegen dieselben wirken und auftreten." — Ob und wieviel Bürgermeister bei der letzten Reichstagswahl für den Antisemiten Pickenbach gestimmt haben, weiß Schreiber dieses nicht, Thatsache aber ist, daß in nicht wenigen Orten derselbe einstimmig gewählt wurde. Hoffentlich ist der kreisamtliche „Wasserstrahl" von Erfolg. Berlin, 18. Februar. Berichte über festliche Vereinigungen nehmen in gegenwärtiger Zeit kein außerordentliches Interesse in Anspruch. Sie gleichen allerdings einander bis auf die Menu's, die in den Großstädten opulenter und in den kleineren Gemeinden etwas kärglicher ausfallen. — Wenn wir dennoch Gelegenheit nehmen, von einem öffentlichen Festmahle Mittheilung zu machen, so sind es die begleitenden Umstände, die uns hierzu veranlassen. Wir feierten hier am Abend des 7. Adar eine niLv rroyo, die uns an die schönen Zeiten des alten gottgefälligen Gemeindelebens erinnerte. — Am Morgen hatten sich die Mitglieder der xian dhdpi in der Synagoge vereinigt, um die für diesen Tag bestimmten rnn^D zu beten. Die fastenden tnarin \n verrichteten um 'k 1 den nruö» Gottesdienst. Abends hielt der Rabbiner, wie dies in allen jüdischen Gemeinden üblich ist, die ntsm, welche zunächst dem Andenken unseres Meisters n"y un gewidmet war, dann aber das Andenken der im verflossenen Jahre dahingegangenen Großen in Israel feierte. An der Festtafel, die gegen 9 Uhr ihren Anfang nahm, und zu welcher sich gegen 130 Theilnehmer eingefunden hatten, begrüßte als Vorsitzender des Comitös Herr Dr. H. Hil d es he i m er die Festgesellschaft und widmete Sr. Majestät d e m K a i s e r, d e r a l s hellleuchtendes Betspiel werkthätiger Liebe glänzt, den ersten Trinkspruch. Die Versammlung stimmte in das dem geliebten Monarchen dargebrachte Hoch mit Begeisterung ein, die Musik intonirte das „Heil Dir im Siegerkranz". Dann folgte die von echter Religiosität durchwehte und von wärmster Liebe zu unfern altväterlichen Institutionen zeugende Anrede des Vereinspräses A. Gold sch m id t. Derselbe redete die Versammlung an als myi dhip* -hd, als ein Kreis der Gerechten, der aufopfernde M en s ch enliebe auf seine Fahne geschrieben, der sich aber bei seinen Handlungen als Bestandtheil der großen Gottesgemeinde fühle, welche die Liebeswerke nach den Gesetzen Gottes und im Geiste seiner ewigen Lehre ausübe. Redner weihte sein Glas dem Führer der myi on»’ td, dem Rabbiner Dr. Hildesheimer G. Rosenberg feiert die Gemeinde, aus deren Mitte die toan hervorgegangen und schließt mit einem Hoch auf den Vorstand der Gemeinde. Hierauf ergriff der Rabbiner das Wort und wirft in längerer Rede einen Rückblick auf die Bewegung, welche eine Trennung veranlaßte. Redner erinnert an die Zeit, in welcher es hochachtbaren Gemeindegenossen untersagt wurde, sich an einer mn» zu betheiligen. Daß heute ein anderer Geist in Berlin herrsche, daß heute eine solche Zurückweisung undenkbar sei, das verdanke man dem Auftreten derjenigen Männer, welche erkannten, daß ein nnN bw “ion nur um des heiligen Zweckes willen, also nicht von kaltherzigen Dienerseelen geübt werden solle, das verdanke mau den Begründern der Adaß-Jisroel-Gemeinde. Unter Zugrundelegung des Verses py '^y2 rvm zeichnet der Redner die von