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Der Israelit · 1891-02-23 · Heft 16 (23.2.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 16 (23.2.1891)
Date
1891-02-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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304 bewirkten, daß die Brennmaterialen plötzlich enorm in die Höhe schnellten was bei der armen Bevölkerung einen Nothstand hervorrtef, so daß der Pascha sich veranlaßt sah, den Kohlenhändlern einen bestimmten Preis für die Kohlen vorzuschreiben und zu diesem Zwecke die Kohlengeschäfte durch Militär bewachen zu lassen. A m e r i k a. Washington, 15. Febr. Im Senat brachte heute der Senator Wilkinson Call von Florida eine Resolution ein, welche das Bedauern des Senats über die Verfolgung der Juden in Rußland und die schlechte Behandlung der politischen Verbrecher in Sibirien und anderswo ausspricht und den Präsidenten der Republik auffordert, aus Gründen der Humanität den Zaren zur Veranstaltung einer Untersuchung der von den Zeitungen gemeldeten Vorgänge und zur Gewährung von Freiheit und gleichen Rechten an seine Unterthancn aufzufordern. Die Resolution wurde schließlich dem Ausschuß für auswärtige Angelegenheiten überwiesen. > Vermischtes. -4- Berlin. Heinrich von Treitfchke fängt an sich zu bekehren! Wenigstenwird berichtet, daß er jüngst in einer seiner Vorlesungen die Aeußerung gethan habe, es sei anzuerkennen, daß die Juden in Deutschland das aufrichtige Bestreben haben, Deutsche zu werden. Das ist doch schon etwas. Berlin. 17. Febr. Stöckerklagte am Freitag vor seinen Christlichsozialen über die „schreckliche Judenwirthschaft, welche in Deutschland und besonderin Berlin jetzt herrsche, sodaß man wohl an- Auswandern denken könnte". Man habe auch ihn zum Auswandern aufgefordert, er wolle aber nicht auswandern, denn es müsse doch Jemand hier sein, der diese Wirtschaft kennt und schildert. In Afrika aber könne auf Jahrhunderte hinaus von Ackerbaucolonien keine Rede sein; dagegen wären in Südbrasilien alle äußeren Vorbedingungen für eine gedeihliche Ansiedelung vorhanden. -- „Immer rüber!" so lautet ein Berliner Couplet. Homburg v. d. H., 4. Februar. Gestern Abend hielt Herr Rabbiner Dr. Kottek einen Vortrag über das Thema „Der württembergische Geh Finanzrath Süß Oppenheimer." Redner beschönigte dessen für Württemberg überaus verderbliche Pläne keineswegs, hob jedoch hervor, daß seine spätere, in besonders schimpflicher Weise stattgefundene Verurteilung zum Tode keineswegs gerechtfertigt war. In Wirklichkeit gab auch seiner Zeit der Universitäts-Professor Harprecht aus Tübingen sein Urtheil dahin ab, daß man nach den bestehenden Gesetzen Süß keineswegs zum Tode verurteilen könne. Süß wäre nur dem Herzoge gegenüber verantwortlich gewesen, denn er war weder Minister noch Beamter, sondern nur der Vertraute, der Günstling des Herzogs. Verantwortlich allein wären die Beamten, die Räthe gewesen, die die Süß'schen Pläne mit ihrem Namen Unterzeichneten und im Einzelnen ausführten, Leute wie Hallwachs, Remchingen, Scheffer, Metz u. A. Diese jedoch gingen frei aus, während Süß, wie des nachfolgenden jungen Herzogs Vormünder bei Unterzeichnung des Urtheils sich ausdrückten, „für sie die Zeche mit seinem Leben bezahlen mußte". Dem Redner, der auch einige Seitenblicke auf andere deutsche Höfe warf, die dem des üppigen Louis XIV. nachzuahmen suchten und die Hülfe Süß' in Anspruch genommen hatten, wurde rauschender Beifall gespendet. Elsaß-Lothringen. Nach der neuesten Volkszählung kommen auf 1000 Einwohner 773 Katholiken, 200 Protestanten und 24 Israeliten. Wien. Wie aus Lemberg gemeldet wird, hat Baron Hirsch das für die Errichtung von Ackerbau- und Handwerkerschulen bestimmte Stiftungscapital von zwölf Millionen Francs für Galizien und die Bukowina bei der niederöstereichischen Landeshauptcasse bereits erlegt. Das Curatorium der Stiftung dürfte in 14 Tagen instalirt werden. Die Regierung hat folgende Curatoren designirt: Eduard Ritter v. Gniewo sz-Olexow, Ministerialrath i. P.; Dr. Heinrich Roza, Ministerialrath im Ministerium des Innern; Professor Charkiewicz für da- Unterrichts- Ministerium; Dr. Casimi" Ri-ter v. Ehled o vsky, Sectionsrath im Ministerraths-Präsidium. Als Vertreter des Baron Hirsch wird Herr Dr. Joly, Director des Bankvereins, in das Curatorium eintreten. Die übrigen Curatoren wurden bereits vor drei Jahren von^ Herrn Dr. Jellinek Herrn Baron Hirsch vorgeschlagen und von demselben designirt. Mattersdorf (Ungarn), im Schebat. Die Leiter des Institutes „nGN min HiD' muri" glauben einer ihnen obliegenden heiligen Pflicht nachzukommen, wenn sie den Gönnern und Wohlthätern dieses Vereins von Zeit zu Zeit Mittheilnng über das Resultat der Prüfung in dieser Anstalt geben. Die letzte vierteljährige Prüfung wurde durch den Leiter deS Instituts Herrn Rabbiner Bern. Ehrenf cld '"1 und die sämmtlichcn hiesigen Sachverständigen und Fachkenner vorgcnommen. Die obere Klasse wurde in rotpn nw’S’ 14 Blatt und in IL'V njnnjo hn 13 Blatt mit D’jiiWt und DunriN eingehend geprüft; die untere Klasse wurde von Anfang pOiNH nN I3i»n pHD bis?N1&£'H p“iD incl. d. i. von pp bis ‘p pp mit den leichteren niDDin, wie auch über 'n d'bsw, yanir >dd die laufenden nmD mit ’an Commentar, ausführlich verhört; beide Klassen haben die Prüfung glänzend bestanden. Unseren Gönnern, die dies heilige Unternehmen durch ihre Unterstützung kräftig fördern, sei hiermit unser tiefgefühlter Dank ausgesprochen. Die orthodoxe Gemeinde in Kaschau hat vorige Woche eine D'ion mun zur Unterstützung armer Kranken gegründet. London, 10. Febr. Ende vorigen Jahres hatte der Lord-Mayor die von der Guildhall-Versammlung am 10. December gefaßten Resolutionen in Betreff der Bedrückung der Juden in Rußland sowie die Bittschrift wegen Aufhebung der Ausnahmemaßregeln mit einem Begleitschreiben an den Kaiser von Rußland nach Petersburg gesandt. Dieses Schreiben, welches in Petersburg nicht angenommen wurde, ist nun zusammen mit der Bittschrift durch das Auswärtige Amt dem Lord-Mayor wieder zugestellt worden. Die „Times" erklärt deshalb heute den Zaren für unhöflich. London, 10. Februar. Ueber die Rücksendung der Bittschrift zu Gunstender russischen Juden an den Lordmayor seitens des Czarcn sprachen sich „Times" und „Daily Telegraph" sehr abfällig aus und rügen die schroffe Behandlung des ersten Würdenträgers der City seitens deS Czaren. „Daily Telegraph" behauptet, die Behandlung der Juden in Rußland sei jetzt strenger alS sonst; wo die bestehenden Gesetze nicht ausreichen, werden geheime Ukase geschaffen. In Rumänien hat der Minister des Innern an sämmtliche Präfekturen der an Rußland grenzenden Kreise einen Erlaß gerichtet, in welchem dieselben aufgefordert werden, zu verhüten, daß die aus Rußland ausgewiesenen Juden auf rumänisches Gebiet übertreten. Eine unnütze Sorge, da ohnedies kein Jude das Gelüste zeigen wird, die Segnungen der Bratianischen Politik zu genießen.

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