Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 16 (23.2.1891)
- Date
- 1891-02-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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303 Ostrowo, 8. Februar. Am verflossenen Sabbat O'lZLVv 'v fand in unserer Synagoge ein Gottesdienst statt, der wegen seines mächtig erhebenden Eindruckes noch lange im Gedächtnisse unserer Gemeinde bleiben wird. Der Gemeinderabbiner Herr Dr. Pleßner hatte nämlich im Einverständnisse mit dem Corporationsvorstande den Rabbiner Dr. Jacob Freimann aus Kanitz (Mähren), einen Neffen des vor etwa 7 Jahren hier verstorbenen weithin berühmten Rabbiners Dr. I. M. Freimann, da Elfterer gegenwärtig zu seiner Vermählungsfeier (mit der Tochter des Letztgenannten) hier weilt, ersucht, eine Sabbat-Predigt zn halten. Herr Dr. Pleßner und der Corpor. Vorstand waren hierbei von der löblichen Absicht geleitet, der hier ansäßigen Rabbinerwiltwe Frau Dr. Freimann und ihren Angehörigen durch diese Ehrung eine besondere Freude zu bereiten. Es war daher ein ergreifender Moment, als Herr Dr. Pleßner in einer kurzen zu Herzen gehenden Ansprache den jungen Prediger der Stätte zuführte, auf der der Oheim und Lehrer des Letzteren eine Reihe von Jahren hindurch unserer Gemeinde das Wort Gottes verkündete. Als der jugendliche Redner in seiner Einleitung mit den Ausdrücken innigsten Dankes auf die wunderbare Fügung des Geschickes htnwies, das ihn den Waisenknaben vor 9 Jahren in das Haus seines Oheims und Lehrers führte und ihn heute des seltenen Glückes theilhaftig werden ließ, dieselbe Stätte als Verkünder des göttlichen Wortes zu betreten, auf der sein hochseliger Oheim gestanden, wurde die Gemeinde in ihren innersten Gefühlen tief ergriffen. Sind doch noch die Herzen der ganzen Gemeinde durch die Bande der tiefsten und innigsten Liebe und Verehrung mit dem allznfrüh dahingegangenen Rabbiner Dr. M. Freimann zu eng verknüpft, als daß diese Worte aus dem Munde des Neffen eindruckslos hätten verhallen können. In schwungvoller blumenreicher Sprache behandelte alsdann der Redner sein Thema über den Vers 20 des Capitcl 23 des Wochenabschnittes u. s. w. ru**, rft» ’ujn und ließ erkennen, daß der Neffe ein würdiger Jünger seines großen Oheims geworden. Die aufrichtigsten Segenswünsche unserer Gemeinde begleiten den jungen Nabbi und seine Gattin in seinen Wirkungskreis. — Hayn, Hauptlehrer, Aus Unterfranken. Bei der hohen Wichtigkeit der Sache kann nicht nachdrücklich genug darauf aufmerksam gemacht werden, beim Bezug von n'iss mit der größten Vorsicht zu Werke zu gehen; dieselben nämlich nur von solchen Lieferanten zu beziehen, wo für entsprechendes nm'D Garantie geboten ist. Nur zu oft kann man die Wahrnehmung machen, daß die Fabrikation der ros» von Leuten ausgeführt wird, deren persönliche Zuverlässigkeit mehr als fraglich und welche nebenbei auch noch selbst, einzig und allein die Aufseher, mtps beim Backen ihrer nso sind. Während, wie dies auch vollständig am Platze, in den Gemeinden Frankfurt a. M., Mainz, Würzburg, Fürth rc. trotz der vorzüglichen Einrichtung des roL2-Backen's, noch spezielle btpjhpö aufgestellt sind, fehlen solche gar oft, wenn nicht meistens, an kleinen Plätzen, und doch handelt es sich um nichts Geringeres, als um einen rro -nD'N. Mit diesen Zeilen sei daher das consumirende Publikum zur Vorsicht gemahnt: Nur von solchen Bäckern und Lief er ante n zu beziehen, wo bez. der strengsten Einhaltung der diesbezüglichen Religionsvorschriften, sowohl hinsichtlich des Mehles als des Backens Garantie geboten ist. O esterr.-U ngar. Monarchie. Wien, 18. Februar. In einer von Tausensenden besuchten Wahlversammlung hielten die beiden Häuptlinge des Antisemitismus, Prinz L i ch t e n st e i n und Lueger, ihre Programmreden. Ein Zeichen der Zeit ist es, daß ihre Rede nicht mehr von den gewohnten Schimpfereien gegen die Juden widerhallte. Das einzige direkt Antisemitische, das sich in Lichtenfteins Rede fand, war der wohlfeile Witze: „Daun werden die trauern, die an den Wassern Babylons saßen". Budapest. Ein hiesiges Blatt meldet, daß S. M. der König die hiesige Hofoper, die er vor einigen Tagen anläßlich einer Wohlthätigkeitsvorftellung besuchte, wegen der Aufführung eines Stückes, dessen Tendenz antisemitisch ist, demonstrativ verließ. F r a n k r e i ch. Paris. Am 9. d. ist der Senator Eugen L i s b o n n e im Alter von 72 Jahren in Montpellier gestorben. Er war einer der zwei Israeliten, welche einen Sitz im Senat inne haben. Vor dreißig Jahren wanderte ein Israelit aus Lothringen mit seiner Frau nach Brasilien aus. Ihre in diesem Lande geborenen sechs Knaben konnten daselbst nicht in den Abrahamsbund ausgenommen werden. Die Familie kam vor Kurzem hierher, wo sich die Söhne aus freien Glücken durch Herrn med. Dr. Bernheim, der auch ist, beschneiden ließen. P a l ä ft i n a. Jerusalem, 29. Januar. Seit vielen Jahren hatten wir nicht so vielen Regen als diesen Winter; auch ist zweimal Schnee gefallen, was in unserm Lande eine seltene Erscheinung ist. Die Aussichten auf eine gute Ernte sind groß. Der starke anhaltende Regen und große Schnecfall, durch welche die Verkehrswege ungangbar gemacht worden,