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Der Israelit · 1891-02-19 · Heft 15 (19.2.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 15 (19.2.1891)
Date
1891-02-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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285 jüdin schänden und das Kind mit der Mutter umbringen dürfen. Diesem Wüthrich trat endlich Dr. Bloch, Rabbiner zu Florisdorf und Mitglied des österreichischen Reichsraths entgegen und wies in mehreren durch die „Wiener Allgemeine Zeitung" veröffentlichten Schreiben nicht nur die Lüge und Fälschung der gegen das Judenthum erhobenen Anschuldigungen nach, sondern bezichtigte Rohling (22. Dec. 1882) „sieben arger Schelmereien". Am 6. Januar 1883 weist er Rohling weitere Fälschungen nach; am 9. Januar 1883 fordert er ihn auf, die von ihm hinsichtlich einiger Talmudstellen gegebene Uebersetzung auf ihre Richtigkeit von der „Deutsch-Morgenländischen Gesellschaft" zu Halle prüfen zu lassen. Am 24. Januar 1883 weist er Rohling weitere ungeheure Lügen und Fälschungen nach und provozirt ihn endlich durch mehrere Aufsätze unter dem Titel „das Angebot zum Meineid" (am 1. Juli bis 4. Juli 1883) zur gerichtlichen Klage. Er fordert Rohling mit aller Entschiedenheit auf, ihn zu verklagen, indem er seinerseits gegen ihn „wegen seiner angebotenen zeugeneidlichen Aussagen öffentlich die Anklage des angebotenen Meineids erhebt" und sich bereit erklärt, „diese schwere Anklage vor jedem Forum zu begründen." Dieser Prozeß nimmt in der Zeitgeschichte eine bedeutende Stelle ein, nicht sowohl aus dem Grunde, weil er mit der totalen Niederlage Rohlings endigte, sondern wegen der Fülle des Materials, welches zum Theil unter gerichtlicher Intervention über die schändlichen Verunglimpfungen des Judenthums hier angesammelt worden ist. Dieses von Seite des Beklagten beschaffte Material sollte dazu dienen, den Wahrheitsbeweis für die gegen Rohling erhobenen Anklagen zu erbringen. Dieser Beweis ist lediglich durch Zeugnisse hervorragender christlicher Sachkundiger und zwar in so überzeugender und Rohling verdammender Weise geliefert worden, daß er um seiner öffentlichen Brandmarkung zu entgehen, in dem letzten Augenblicke vor der Gerichtsverhandlung, für welche dreizehn Verhandlungen in Aussicht genommen waren, von der Anklage zurücktrat und damit sich selbst den Stab brach. Die M. Breitenstein'sche Verlagsbuchhandlung hat durch die Veröffentlichung der Acten und Gutachten in diesem Prozesse ein sehr verdienstvolles Werk unternommen, von welchem jetzt der erste Band, 395 Seiten umfassend vorliegt. Dieselbe enthüllt in chronologischer Reihenfolge: den Anfang des Streits durch die in dem Prozesse Holubek erfolgte Berufung auf Rohlings „Talmudjuden", die hierdurch hervorgerufene Erklärung des Wiener Rabbinats, die Bloch'schen Streitschriften gegen Rohling, den Preßprozeß des deutsch-israel. Gemeindebundes in Dresden, das Gutachten Rohlings im Prozeß Ritter, das Rohltng'sche Eidesanerbieten vor dem Prager Gerichtshöfe und in dem Ttszer Eßlarer Prozeß, Blochs Provokation zur Klage, Schreiben des Professor Schlottmann zu Halle an Bloch, das wissenschaftliche Gutachten des Professor Dr. Marx in Heidelberg, die Anklageschrift Rohlings durch seinen Anwalt Dr. Pattai, sowie die Schreiben an das Landgericht in Wien seitens des Verteidigers Dr. Blochs wegen verschiedener Erhebungen rc. rc. Endlich auch die Anträge desselben für die an die Sachverständigen zu stellenden Fragen. Dieselben umfassen 320 Nummern nebst ebenso vielen hebräischen Auszügen, welche den Sachverständigen zur gutachtlichen Behandlung unterbreitet werden sollen. Der zweite Band, welcher binnen Jahresfrist erscheinen wird, enthält die Uebersetzungen der vorhin bezeichneten 320 Texte und der hebräischen und rabbinischen Literatur von Professor Dr. Noldeke in Straßburg und Dr. August Wünsche in Dresden, sowie die gutachtlichen Bemerkungen dieser beiden Gelehrten dazu. Ferner Nachträge hierzu, sowie die Eingabe Rohlings betreffend dessen Rücktritt von der Anklage und die Verfügung des Landgerichts in dieser Sache. Wir wünschen dem Werke die weiteste Verbreitung. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Worms. Vergangenen Sabbat hat hier der erste Jugendgottesdienst Nachmittags 3 Uhr stattgefunden. Derselbe war von Schülern und Schülerinnen, sowie von Erwachsenen sehr zahlreich besucht. Herr Dr. Stein sprach in sinniger Weise über das Gotteshaus als in, mr und nn. Berlin, 13. Februar. Ist mir auch der Zusammenhang, in welchen Herr Rabbiner A. Singer in Var-Palota (in voriger Nummer, S. 256) ein von ihm verfaßtes Nachschlagebuch zum Talmud und Midrasch mit meiner Anzeige über die Publication eines ähnlichen Werkes durch den hebräischen Literatur-Verein Mekize-Nirdamim vollständig unerklärbar, so sehe ich mich doch zu einer Erwiderung veranlaßt. Die Drucklegung dieses Werkes betitelt rnirv nVy», war bereits in meinem Circular lan die Mitglieder des Vereins unterm 7. Juli 1889 in Aussicht gestellt worden. Im Circular vom 1. Juli 1890 erhielten die Mitglieder die Mittheilung, daß das Werk in einigen Wochen zum Drucke fertig gestellt sein wird. Als in Folge dieser zweiten Mittheilung Herr Rabbiner Singer mir von seiner Arbeit schrieb, sandte ich ihm sofort einen Druck-

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