Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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284 um so hartnäckiger ihrem Glauben treu bleiben und alle auf ihre Bekehrung zur Staatsreltgion gerichteten Bemühungen in ihren Erfolgen immer mehr in Frage gestellt würden. Wie also verhält es sich in dieser Beziehung mit dem Judenthum? Entstammt jene Rechtsachtung und jene Menschlichkeit in Wahrheit der weitherzigen Achtung des j e d e m Menschen, unabhängig von seiner Abstammung, Nationalität, Farbe und Religion anzuerkennenden Menschen charakters, oder entstammt sie jener von uns eben gezeichneten engherzigen Anschauung, die das volle Menschthum nur den Angehörigen der eigenen Religion, ja, im stillen Schreine des Herzens eigentlich nur den Anhängern der eignen Consession zugesteht? Da strahlt uns denn wieder die ganze Göttlichkeit des Judenthums entgegen, in ihrer ganzen Erhabenheit und in ihrer ganzen Innigkeit. In ihrer Erhabenheit: durch die Höhe des Standpunktes, auf den sie uns erhebt, in ihrer Innigkeit: durch die unendliche Liebe, mit der sie uns alle Menschen als Kinder des Einen genieinsamen Gottes und Vaters achten und umfassen lehrt. Sprechen wir es sofort aus: Gerade das Judenthum, das wegen seiner angeblichen nationalen und konfessionellen Engherzigkeit verschrieene Judenthum, ist diejenige Religion, welche ihre Bekenner zu dem allumfassenden Universalismus erhebt. Wohl erheben auch andere Religionen Anspruch auf Universalität, aber — stetnur mit dem ausgesprochenen Vorbehalte, daß alle Menschen zu ihnen übertreten. Erst der Uebertritt zu ihnen bildet die „Rettung;" alle nicht zu ihnen gehörenden Menschen bleiben der ewigen Verdammniß verfallen. Das Judenthum jedoch ist die einzige Religion, die nicht lehrt: „Außer mir gibt es kein Heil!" Das alte Testament weiß nichts von einem Fluche, der über den Menschen ausgesprochen sei, und deßhalb bedarf es nach seiner Lehre auch keines besonderen Glaubens, um der Erlösung von diesem Fluche theilhaftig zu werden. DaS Ideal, das seine Seher als letztes Ziel der weltgeschichtlichen Erziehung der Menschheit schauen, ist nicht, daß alle Menschen Juden, sondern daß sie in Wahrheit brave Menschen werden, die ihr Men schthum, nicht sowohl durch irgendwelche dogmatische Korrektheit ihres Credo, als vielmehr durch ein auf dem Boden der GotteShuldigung in Sittenretnheit erblühendes thätiges Leben der Gerechtigkeit und Nächstenliebe bewähren. Zu einem solchen aber sind nach jüdischer Lehre alle Menschen, ohne Ausnahme, berufen und befähigt. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wericht. Akten und Gutachten in dem Prozesse Rohling contra Bloch. Erster Band. Wien 1890 M. Breitenftein. Unter allen Männern, welche gegen Judenthum und Juden gewüthet, wird dem Professor Dr. August Rohling gewiß einer der ersten Plätze allezeit eingeräumt werden niüssen. Er hatte sich in Wirklichkeit die gänzliche Vernichtung des Judenthums und der Juden zur Lebensaufgabe erwählt und war nichts weniger als wählerisch in der Verwirklichung dieses erhabenen Ziels. Alles was während der ganzen Vergangenheit Lug, Trug, Bosheit, Dummheit, Fanatismus, Aberglaube, Neid, Haß und alle übrigen höllischen Mächte gegen Judenthum und Juden geschmiedet, ward von ihm aufs Neue hervorgesucht und durch neue aberwitzige Anklagen und Verleumdungen vermehrt. In seinem „Talmudjuden" zeiht er das Judenthum der gänzlichen Vernichtung des Sittengesetzes. Vergebens war der von jüdischer Seite dagegen gesuchte Nachweis der Lüge und Falschheit, vergebens das niederschmetternde Wort des gelehrten Franz Delitzsch. Rohling wagte es, den ehrwürdigen Nestor christlicher Bibelforschung einen „Fälscher und „Judengenossen" zu schimpfen und ihn fälschlich als einen Abkömmling von Juden zu bezeichnen, und sein Zeugnitz zu Gunsten des Judenthums zu discretiren. In einer Tageszeitung behauptet er, die Juden übten durch ihre Religionssatzungen gebotenen Chriftenmord. Er behauptet, der rituelle Mord gehöre zu der jüdischen Geheimlehre und erlaubt sich diese Behauptung auf Verlangen amtseidlich zu erhärten. In der That erstattet er in zwei Fällen gerichtliche Gutachten, in welchen er die scheußlichsten Absurditäten über das Judenthum erhärtet. In dem Tisza- Eßlarer Prozesse erbietet er sich in einem in der ungarischen Zeitung „Hüggetlenfeg" veröffentlichten an den berüchtigten Abgeordneten Geza Onody gerichteten Schreiben zur Ableistung eines Eides vor Gericht dahin, daß er in dem Besitze „eines durch die Jerusalemer Unternehmung des Moses Montefiore noch im Jahre 1868 herausgegebenen solchen hebräischen Werkes gelangt ist, auf dessen Seite 156 a geschrieben ist, daß das Vergießen des Blutes einer nichtjüdischen Jungfrau für die Juden eine überaus heilige Handlung, daß das so vergossene Blut dem Himmel sehr angenehm und den Juden Gottes Erbarmen verschaffe." Ebenso erbot er sich aus freien Stücken dem Oberlandesgerichte in Lemberg bereit auf seinen Amtseid Zeugniß gegen die Angeklagten Ritter und Frau dahin abzulegen, daß die Juden eine Nicht-