Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 15 (19.2.1891)
- Date
- 1891-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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279 Die Zuschrift enthielt schließlich noch den wohlczcweZuen Rath, daß die Inhaber der Geschäfte nur fromme Lehrlinge engacziren, dann aber auch das religiöse Leben derselben nach Kräften überwachen sollten. Auch wir sind gewiß der Änsicht, daß dies eine heilige Pflicht des Chefs ist und es lväre nur zu wünschen, daß recht viele dieser Pflicht eingedenk seien', es würde sich dann Manches in unserem Ge schäfisleben ändern und bester». Indessen ist die Schwierigkeit nicht zu übersehen, diesen Vorschlag zur Änsführnng zu bringen. — Wie soll z. B. ein Chef in einer großen oder auch nur mittelgroßen Stadt das Leben des Lehrlings beaufsichtigen, den er meist nur in den Geschäftsräumen und Geschäftsstunden zu sehen Gelegenheit hat? Und wie wäre das gar einem Chef möglich, der 3 oder 4, oft sogar 3 lo Lehrlinge beschäftigt? Gewiß ist der Gedanke, der jenem Vorschläge zu Grunde liegt, ein sehr guter und verdiente wohl beherzigt zu werden. — Rllein dies ist erst dann möglich, nachdem die von uns gerügten Mißstände, insbesondere das Lehrlingsunwesen, beseitigt sein werden. Die Mittel nun, wie man jenem Nebel abhelfen kann, glauben wir vielmehr klar und deutlich genug angegeben zu haben und wir geben uns der Hoffnung hin, daß diese auch zum Ziele führen Zverden. Vor allem also ist es zu einpfehlcn, daß die Inhaber der am Sabbat geschlossenen Geschäfte jede Vaeanz durch Ausschreibung in den Blätterit gesetzcstreuer Richtung oder durch Anmeldung bei den eigens zit diesem Zwecke gegründeten Vereinen, als mr in Breslau, Ireie orthodore Vereinigung in Frankfurt a. M. bekannt geben. Cs sind ja hier treffliche Centren geschaffen, wo leicht den Wünschen des Chefs, sowie der Stellungsuchenden Rechnung getragen werden kann. — ferner in es dringend zu wünschen, Ri gleicher Leistungsfähigkeit durchaus solchen jungen Lctlten deit Vor zug zu geben, die sich noch ein warmes Herz für die Religion ihrer. Väter betvahrt haben und für die es Gewisfensfache ist, den Sabbat und die Feiertage der heiligen Sbora gemäß zu feiern, nicht minder aber auch, dem Personale diese Hcilighaltung des Sabbats durch Reducirung des Gehaltes nicht noch zu erschweren, zu verbittern. Wird doch ohnedies schon einem frommen jungen Manne das Leben, namentlich iu einer größeren Stadt, schwer genug gemacht. Dann aber auch kann nicht oft genug monirt werden, daß die Geschäfte durch fortwährendes Cngagiren von Lehrlingen sich gleichsam zu Coinmisfabriken gestalten, wie ja erst jüugn im deutschen Reichstage dieser Mißnand gerügt worden iü. Schließlich ist den Inhabern zu rathcn, den jungen Leuten bei ihrem Eintritte in das Geschäft nicht Contraetc anfzuzwingetl, die durch ihre weitgehenden folgen geeignet sind, ihnen die spätere Cristenz, die ohnedies schon eine beschränkte ist, in unverantwortlicher Weise zu erschweren. Es soll ja keineswegs bestritten werden, daß den Chefs durch das Schließen der Geschäfte am Sabbat lind Feiertagen sehr, sehr große Opfer auferlegt werden: Wenn aber jene Oie Kosten, die ihnen die Hcilighaltung des Sabbats vernrsacht, auf die Schultern der jungen Leuten wälzen, so hört es aber sofort auf, ein Opfer für sie zu sein, und sie sind weit entfernt, das Wort des Psalmisten zu erfüllen, das da sagt: nny, dienet dem Ewigen mit Freude k" P. O e st c r r. - u tt g a r. Monarchie. Wie», 13. Febr. Ein von sämmtlichen Erzbischöfen und Bischöfen Unterzeichneter gemeinsamer Wahl-Hirtenbrief empfiehlt die Wahl überzeugungstreuer katholischer Männer, enthält die Forderung der konfessionellen Schule, verweist auf die Gefahren des Sozialismus, ist dagegen ceutraliftisch gefärbt und nimmt Stellung gegen den Antisemitismus. Der Hirtenbrief sagt, der Anspruch auf den Schutz und die Schonung der Bolkseigenthümlichkeiten sei völlig gerechtfertigt. Dieser Anspruch müsse aber die Reichseinheit zur Voraussetzung haben und die Lebensbedingnngen des gemeinsamen Vaterlandes. „Wir sind weit davon entfernt, eine andersgläubige Minderheit zurücksetzen oder kränken zu wollen, wir wünschen auch ihre Vertreter mit uns im Reichsrathe vereinigt zu sehen zur gemeinsamen Arbeit für des Reiches Wohlfahrt und Größe. Nach katholischen Grundsätzen darf die Liebe zur eigenen Natron nicht wider das Gesetz, die Nächsten-und Bruderliebe sich wenden und zum heidnischen Rossenhasse herabsinken." Die Gläubigen werden ermahnt, Alles zu vern'.eiden, was den gesellschaftlichen, bürgerlichen, nationalen wie religiösen Frieden stören könnte. Wien, 13. Febr. Der Finanzminister Steinb a ch hatte gestern mit den ihn begrüßenden Leitern der Unionbank, Präsident Graf Dubsky und Director W i e d m a n n, eine längere Unterredung. Steinbach sagte nach der „Neuen Fr. Presse": Das Gedeihen' aller einzelnen Unternehmungen liege ini Interesse der Staatsverwaltung, und deshalb wünsche er ein Prosperiren der Banken. Der Finanzminister wunderte sich, daß die Banken so wenig mit industriellen Unternehmungen sich befassen. Die Vertreter der Unionbank erwiderten, jedes große Unternehmen werde in Wien mit einer gewissen Feindseligkeit behandelt; diese Tendenz trete besonders in dem Gemeinderathe hervor. Der Antisemitismus lähme den Unternehmungsgeist. Steinbach entgegnere, auch er bedauere den Antisemitismus und glaube, daß diese Richtung bald verschwinden werde. Der Antisemitismus sei eine Folge des schlechten Geschäftsganges in vielen Gewerbzwcigen. Man habe den Leuten oft gesagt, daß nur die Juden an der Roth schuld seien, bis sie es schließlich glaubten. Sic brauchten eine persönliche Erklärung für die Roth. Man dürfe nicht vergessen, daß die antisemitische Bewegung zum Theil mit der politischen