Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1891)
- Date
- 1891-02-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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870 blieben, 4 von den Bewerbern wieder zurückgezogen und 318 mit zusammen Mk. 37770 beschenkt worden. Oesterr. Ungar. Monarchie. Birkovar (Slavonien), 11. Februar. roten wok □ y in. Im Alter von 70 Jahren ist unser allgemein verehrter Rabbiner, DavidLöwy, einem Herzschlage erlegen und hat heute sein Begräbniß unter großer Theilnahme der Bevölkerung stattge funden. Er war ein Schwiegersohn des ehemaligen Dajans von Bonyhad jn der als großer Talmudist bekannt war. bvo nym 'n nnm DOS Vv. Zala-Ggerszeg, 5. Februar. Bor dem hiesigen Gerichtshöfe fand vor Kurzem die Schlußverhandlung in einer Affaire statt, welche von allgemeinem Interesse sein dürfte. Es handelt sich abermals um das mysteriöse Verschwinden einer Person und daS endliche Auffinden ihrer Leiche unter Umständen, welche lebhaft an eine sensationelle Affaire erinnern, die vor wenigen Jahren vor einem ungarischen Forum ihren Abschluß gefunden und die ganze gebildete Welt in Aufregung versetzt hat. Wieder sind wie damals Unverstand, Unbildung und Aberglaube der bäuerlichen Bevölkerung durch gewissenlose Hetzer benützt worden, um jene mittelalterliche Mär von den Blutopfern und rituellen Morden der Juden aufleben zu lassen, und wieder wäre beinahe ein Menschenleben diesem furchtbaren Wahne zum Opfer gefallen! — Der Fall ist folgender: Dem jüdischen Fleischhauer und Wirthe Salamon Moses in Paka, Zalaer Comitat, verschwand im Februar vorigen Jahres sein Kutscher, nachdem derselbe erwiesenermaßen bis 4 Uhr WloxQtn* in einem Wirthshause deS Dorfes gezecht hatte und zum letztenmale um 4'/, Uhr desselben Morgens am Brunnenrande in dem Hofraume des Moses sitzen gesehen worden war, wo er gewartet haben mag, daß ihm die Stallthür geöffnet werde. Sogleich tauchte unter dem Landvolke das Gerücht auf (wahrscheinlich durch die Thäter, die auf falsche Fährte lenken wollten, genährt): der Fleischhauer Moses habe seinen Knecht ermordet; „es kommen die Ostern, die Juden brauchen Blut". Aber erst als nach vier Wochen der Leichnam des Verschwundenen, mit Stricken und Steinen beschwert und mit fünf tätlichen Wunden, in dem Mühlbach aufgefunden worden war, wagte sich die Anklage laut hervor. Es fanden sich sogleich Leute, die gesehen haben wollten, wie MoseS deS Nachts die Leiche des Kutschers inS Waffer versenkt hatte, ebenso wollten Andere am Morgen des Verschwindens auf 400 Schritt Entfernung lautes Streiten aus dem Hofe des Moses gehört haben, in welchem sie genau die Stimme deS Moses, sowie den lauten Wehruf des Kutschers erkannt haben wollten. — Auf Grund dieser Anklage wurde der bis dahin unbescholtene Mann, der in harter Arbeit das Brot für eine zahlreiche Familie erworben hatte, in Untersuchungshaft genommen, die zehn Monate währte. In einer zweiten Schlußverhandlung, in welcher der hiesige junge Advocat Dr. Ignaz Hajos mit rücksichtsloser Energie und scharfer Kennzeichnung der Thatsachen und Zeugenaussagen der Anklage entgegentrat und deren ganze Haltlosigkeit bloßlegte, gelang es ihm, die gänzliche Unschuld des Angeklagte» klar zu erweisen. Das Zeugenverhör hatte die physische Unmöglichkeit des Mordes durch Moses ergeben. An dem betreffenden Tage war Moses von 4 Uhr Früh ab, wo er aufgestanden war, fortwährend von Leuten umgeben, die in seinem Wirthshause übernachtet und sich gleich ihm zur Fahrt in eine Nachbarstadt nach dem Markte vorbereitet hatten. Moses war in den Hof gegangen, seine Knechte zu wecken, und kaum fünf Minuten konnte er allein im Hofe gewesen sein, der einen Flächenraum von nahezu 6 bis 8 Quadratmetern beträgt. Moses hätte also den Mord in diesen wenigen Minuten, in diesem kleinen Raume, an dem kräftigen, gesunden Manne begehen, den Leichnam einstweilen bergen müssen, und dies Alles in der größten Gemüthsruhe, ohne daß die zehn anwesenden Personen verschiedener Confession, die sich fünf Schritte von ihm entfernt befanden und fortwährend ein- und ausgingen, auch nur das Geringste gehört hätten, also auch nicht den Streit und den Wehruf, den die belastenden Zeugen in ihrer vierhundert Schritt weit entfernten Wohnung gehört haben wollen. Es ist sichergestellt, daß einerseits der Ermordete bis 4 Uhr Morgens gezecht und um 4'/i Uhr im Hofe des Moses gesehen worden war, von wo er sich wahrscheinlich in berauschtem Zustande entfernt haben mußte, nachdem ihm der im Stelle schlafende Knecht die Thür nicht geöffnet hatte, und andererseits war Moses um 4Va Uhr mit den Leuten bereits unterwegs zum Markte. Die belastenden Zeugen widersprachen sich, und Einer dementirte die Aussage des Andern. Einer davon, ein löjähriger Knabe, war, wie erklärt wird, zu seiner Aussage durch Gendarmen, die ihn gepeinigt, gezwungen worden und ist seither gestorben; auch trägt dessen Aussage das Gepräge des Erfundenen. Eine andere Zeugin ist notorisch eine dem Irren- Hause entsprungene Wahnsinnige. Aus solchen Elementen bestand das belastende Zeugenmaterial. Die ganze Anklage zeigte sich als ein Gewebe von Bosheit, blindem Haffe und fanatischer Verblendung. Die Kleidungsstücke des Verschwundenen, welche auf dem Dünger des Moses gefunden worden waren, wiesen nicht die geringste Blutspur auf, wie die chemische Analyse ergab.