Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-02-16 · Heft 14 (16.2.1891) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 14 (16.2.1891)
Date
1891-02-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448137--31617-2479426
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

269 ließen sich wohl aus einer gewissen Zwangslage heraus erklären, insofern es die jüdische Geldherrschaft vielen schwer mache, die Hergabe des Namens abzulehnen. Nach einer Pause erhielt der Stadtrath Hildenhag e n das Wort und machte in tiefer Bewegung und Erregung besonders auf den Fehler und die Verkündigung gegen göttliches und menschliches Recht aufmerksam, ein ganzes Volk nach den Thaten Einzelner beurthcilen und verurtheilen zn wollen. Und zwar geschehe dies in einer Weise, so gehässig, „daß keiner mehr ein Stück Brod vom Juden annehmen könne." Wenn die Staatsbehörden in einzelnen Fällen, die sich unserer Beurtheilung entzögen, entscheidend eingegriffen hätten, so müsse man ihnen dafür Dank wissen, sie aber nicht in so maßloser Weise angreifen. Zur Rettung der Ehre der alten Salzstadt Halle müsse er gegen diese Agitation auftreten. Wenn die Antisemiten, wenn wir alle die gleiche Beurtheilungsweise aus einzelnen Fällen auf die Gesammtheit anwenden wollten, so würde auch bet uns Null herauskommen, und dies der Beweis sein, daß man keine Veranlassung habe, die Tiraden des Vorredners mit Jubel aufzunehmen. Weiter hatte sich Hr. Kaufmann Richter zum Wort gemeldet. Derselbe, selbst Unterzeichner des Aufrufes, weist im Namen der halleschen Unterzeichner die von Hrn. Zimmermann unterschobenen unlauteren Motive als Verdächtigungen entschieden zurück, ebenso wie er die persönlichen Angriffe des Redners auf abwesende Kollegen als unedle Kampfeswcise kennzeichnet. Der angebliche Erfolg der Antisemiten in Berlin durch den Aufruf sei in Wahrheit nur ein Armuthszeugniß für sie. Die ganze antisemitische Agitation sei im höchsten Grade gehässig, das beweise auch die heutige Versammlung, in welcher Angriffe gegen die Regierung geschleudert worden seien, wie sie Redner in den erregtesten sozialdemokrattschen Versammlungen nicht gehört habe. Indem er noch die Phrase „Judengenossen" zurückweist, sowie der Statistik des Herrn Zimmermann andere statistische Nachrichten entgegenhält, macht er auf die unsaubern Sachen im Anttsemitenlager und ihre eigene Uneinigkeit aufmerksam und schließt mit dem Hinweis auf Kaiser Friedrichs ausgesprochene Ansicht über die jndenfeindliche Bewegung. (Der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" scheint die Herren Antisemitenhänptlinge sehr zu beunruhigen. Auch in Leipzig befaßten sich in einer Antisemitenversammlung die Herren Fritsch und Liebcrmann von Sonnenberg mit diesem Thema, das sie in ähnlichen Schimpfereien behandelten.) Stadtlengsfeld, row D’^onn rw n« onanpi Mittwoch am 11. d. M. (ttn 'j) begingen der Kaufmann Sande! Rosen bl att n und feine Gattin Minka, geb. Huhn umgeben von einer zahlreichen Schaar von Kindern und Enkeln, unter allgemeiner inniger Theilnahme der jüdischen wie christlichen Bevölkerung unserer Stadt ihr goldenes Ehejubiläum. Von den vielen Deputationen, welche dem Jubelpaare ihre Glückwünsche darbrachten, erwähnen wir die Deputation des städt. Gemeinderaths, welcher Körperschaft Herr Rosenblatt seit dem,Jahre 1850 mit einer nur dreijährigen Unterbrechung angehört, die Deputationen des israel. Kultusvorstands und des Gewerbvereins. Der Bikur-Cholim-Verein, in welchem der Jubilar schon seit Jahren allsabbatlich Schiur-Vorträge hält, ließ durch seinen Vorstand ein passendes Geschenk überreichen. Bei dem Nachmittags veranstalteten Festmahle übergab der Schwiegersohn des Jubelpaares, Herr Landrabbiner Dr. Salzer '"2 im Aufträge Ihrer Kgl. Hoheiten des Großherzogs und der Frau Großherzogin unter einer höchst ergreifenden Ansprache das von dem erhabenen Fürstenhause verehrte kostbare Geschenk. Nicht weniger rührend waren die herzlichen Dankesworte des greisen Jubilars, der sowohl als po^> und eifriger rmn p in unserer Gegend vereinzelt dasteht, wie er auch stets miay und nvn in reichem Maße ausübt und jederzeit eine offene Hand für die Werke der npns zeigt. Jetzt noch, als Greis, versieht der Jubilar die Stelle eines byz an a"’; ebenso fungirt er noch als brxm, nachdem er bereits vor mehreren Jahren schon sein 50jähriges Jubiläum als solcher feierte. Daß er sich allen diesen Bemühungen in uneigennütziger Weise unterzieht, muß besonders hervorgehoben werden. Der Jnbeltag lieferte den besten Beweis dafür, welch' hoher Achtung sich das Jubelpaar in allen Kreisen zu erfreuen hat. Möge »tapn noch lange Jahre die beiden Ehegatten in Rüstigkeit sich ihres frommen n. segensreichen Wirkens erfreuen lassen! I. Baumgart, Lehrer an der städt. Bürgerschule. Fürth. Die Gabriel Riessersche Stipendienstiftung in Fürth hatte im Jahre 1890 eine Einnahme von 5833 Mk., von denen 5689 Mk. verausgabt wurden. Für die Vertheilung standen 3300 M. (200 Mk. welliger als im Vorjahr) zur Verfügung. Eingelaufen waren 25 Bewerbungen; davon eigneten sich 4 nicht zur Berücksichtigung. Den Fächern nach vertheilen sich die Bewerbungen also: 2 Theologen, 5 Juristen, 3 Mediziner, 2 Studierende der technischen Hochschule, 2 Schullehrerseminaristen, 1 Zögling einer Lehrerinnenbildungsanftalt. Bis jetzt sind inl ganzen etngekommen 420 Bewerbungen; hievon sind 98 unberücksichtigt ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.