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Der Israelit · 1891-02-16 · Heft 14 (16.2.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 14 (16.2.1891)
Date
1891-02-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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268 Jahrtausende sind dahingerauscht, seitdem Habakuk diese r6£n gesprochen. Die babylonische Weltherrschaft, deren Aufgang sein von Gottes Geist gehobener Blick schaute, ist spurlos verschwunden. Die weites sich ausbreitende Hauptstadt dieses mächtigen Reichs mit ihren 200 Ellen hohen und 50 Ellen starken Mauern, ihren hundert eisernen Thoren und unzähligen Thürmen, ihren angestaunten Palästen und Gärten, weist kaum noch Ruinen auf. Und die dieser gewaltigen Weltmonarchie folgenden Reiche: Persien, Mace- -onien, Rom u. s. w. u. s. w. theilen das gleiche Schicksal. Israel, — das kleine, ohnmächtige Israel — aber lebt noch und verkündet der Menschheit noch immer das Gesetz und die Lehre Gottes und die herrliche Zukunft des Gottesreichs. — — Sollte es da beben, wenn auch in unseren Tagen sich Gewalt und Unrecht, Fanatismus jund Barbarei vereinigen, um es zu unterdrücken und zu vernichten? Die Gewalt, die ihre Macht mißbraucht, die den Ohnmächtigen quält, die den Wehrlosen beraubt und mordet, die den Mitmenschen das natürlichste Recht versagt, an der Stätte, wo Gott ihn ins Dasein treten ließ, zu athmen und seine Kräfte in redlichem Streben zu bewähren, sie gräbt sich selbst das Grab. Gott aber gibt dem Ohnmächtigen, Wehrlosen die Kraft auch das Schrecklichste zu überdauern. Er wird auch unseren unglücklichen Brüdern im Osten Schirm und Stab sein, Ihm vertrauen wir in unerschütterlicher Zuversicht. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. D e u t s ch^ l a n d. Leipzig, am 8. Febr. In der Tonhalle kamen Freitag Abend die Leipziger Antisemiten zusammen, um sich von Herrn Fritsch über den neu gegründeten Verein zur Abwehr des Antisemitismus Vortrag halten zu lassen. Gegen 2000 Personen hatten sich eingefunden, darunter al? Studenten. Wie viele unparteiische Vertrauensmänner berichten, war der Vortrag des Herrn Fritsch diesmal weniger inhaltreich. Von seinen Ausführungen kann das Wort des Dichters gelten: „Das feine Saitenspiel zerbrach in der metall'nen Hand; er konnte weiter nichts als sie ermorden!" Herr Fritsch kritisirte die Herren, welche der Vereinigung beigetreten, wies aus die jüdischen Lehrbücher hin und behauptete, daß der Talmud den Juden verbiete, sich als Deutsche zu fühlen! Die Juden, so soll der Redner vornehmlich betont haben, werden darum niemals Anspruch erheben können Deutsche zu sein! Dann brachte der gebildete Herr Mühlentechniker, Buchhändler und Eigenthümer von fünf Journalen einige Sätze aus dem Schulchan aruch recht possirlich zur Vorlesung. Viele in der Versammlung anwesende Theologen sollen Leibschmerzen von den hebräischen Kenntnissen des Herrn Fritsch, die er zum Besten gab — bekommen haben!? Wie man mir erzählt, hat Herr Fritsch viel Beifall geerntet. Kein Wunder! Unsere Jugend schreit sehr gern — und in antisemitischen Versammlungen mitzuschreien, kann man keiner durstigen Seele verübeln. Nach einer launigen Debatte wurde die Versammlung gegen 11 Uhr geschlossen. Demnächst spricht auch in Leipzig Herr Hofprediger Stöcker und in Bälde feiert der Verein deutscher Studenten sein zehnjähriges Stiftungsfest. Die Antisemiten sind die einzige Partei, die nimmer rasten. Dies erhellt, daß das Studententhum die antisemitische Fahne trägt und in der Tonhalle das Bier gut ist. K. W. $aUe, 8. Februar. Von denk hiesigen Deutsch- Sozialen (Antisemitischen) Verein war auf gestern Abend eine Versammlung nach dem „Prinz Karl" berufen worden, um einem Redner der Partei, dem Abg. Zimmermann, Gelegenheit zu einem Vortrage zu geben. Der Vorsitzende Hr. Buchdrucker G. Schröter theilte einleitend mit, daß ein von 469, darunter 25 hallenschen Herren Unterzeichneter Aufruf in Nr. 24 der Saale-Zig., der die Gründung eines Vereins zur Abwehr des Antisemitismus bekannt gibt und zum Eintritt in denselben auffordert, Veranlassung zur Einberufung der Versammlung gewesen sei. Sodann ergriff Herr Zimmermann das Wort. Seine Ausführungen suchten zu beweisen, daß zur Gründung eines Vereins zur Abwehr des Antisemitismus keine Veranlassung sei. Der Antisemitismus, eine national-wirthschaftliche politische Parteirichtung, die ihre Wurzeln mitten im Volke, im praktischen Leben habe, könne für die in jüdischen und judenfreundlichen Blättern erlassenen spaltenlangeu Inserate als eine tüchtige Reklame für seine Sache nur danken, dieselbe habe schon Früchte getragen, insofern sich in Berlin 40 (!) Männer zur Aufnahme in den Antisemitenbund gemeldet hätten. Redner sucht nun die einzelnen Sätze des Aufrufes als unwahr zu widerlegen und bestreitet namentlich, daß der Antisemitismus einen gehässigen Kampf besonders gegen die einzelne Person und gegen die jüdische Religion an sich führe. Die Unterzeichner des Aufrufes setzten sich zusammen aus Leuten, welche die Dinge vom grünen Tisch aus beurtheilten und nicht ins Leben hinausgingen, ferner aus 36 Geheimen Räthen, 22 Kommerzienräthen, 43 Justizräthen und Rechtsanwälten und 23 Pastoren. Besonders das Letztere sei sehr bedauerlich, doch seien darunter solche, neben denen zu stehen für andere Geistliche keine Ehre sei, u. a. auch die bekannten Herren Knörcke und Schwalbe-Bremen, der sich nicht schäme, Mitarbeiter des Berliner Tageblattes zu sein. Die zahlreichen Unterschriften von Professoren ***) Etwa 500 Quadratkilometer umfassend.

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