Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 14 (16.2.1891)
- Date
- 1891-02-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Beilage zu M14 Srs .Israelit & Irschurun" Leitender Artikel. Des Propheten HabaKnK WeissaWg. Von Isaak Hirsch. (Schluß.) Das Heil des Menschenkreises, der in allen seinen Beziehungen Gott als den einzigen Herrn und Meister begreift und sich Seinem Willen bedingungslos beugt, der sich in des Wortes ausgedehntestem Begriffe als "1 Dy, als „Gottes- Volk" fühlt und bewährt — und zu der Höhe dieses Sichselbst-Begreifens wird dereinst die Menschheit sich erheben und dann in Wahrheit das ny bilden, als dessen Vorbild Israel ihr voranzuleuchten den hehren Beruf erhalten hat — das "joy PL" ist das einzige Ziel der Gotteswaltung, welche die Geschicke der Völker lenkt. Die Hohlheit und Nichtigkeit der Gewalt, der Barbarei, der Tyrannei muß erst zur allgemeinsten Erkenntnis gebracht werden, bevor der einzigen Wahrheit von Gottes Allmacht und Allgüte sich die Gemüther erschließen. Die Bosheit und Tücke geht an eben der Bosheit und Tücke zu Grunde, der Mißbrauch der Macht zertrümmert die festesten Burgen der Gewalt; — das ist die Lehre der Geschichte aller Größen, die nacheinander auf der Weltbühne erscheinen. TDD tPN") vddd rüpJ. Gott trifft zerschmetternd das Haupt der in ihrer Macht als die einzigen Freien unter den von ihnen Geknechteten sich fühlenden Tyrannen, die unumschränkt, kein anderes Gesetz als ihren Willen kennend, — über Völker und Staaten Gebietenden, trifft sie mit ihren eigenen Stäben. Mögen sie auch noch so gewaltig in ihrem Siegerfluge, dem Sturmwinde gleich, dahinschreiten und Alles schonungslos darniederwerfen, was sich ihnen entgegenstellt; mag auch noch so laut von ihrem Triumphgeschrei die Welt widerhallen, des Sieges, deffen sie sich freuen, ob der Ausbeutung der Armen, Wehrlosen und Schwachen. Gott ist es, der durch die Fluthen des VLlkergewoges schreitet. Die Menschheit geht in ihnen nicht unter. Die Wogen sind nicht das Grab des Adels der Menschheit, sie bilden den Stoff für die Zukunft, die das *]Dy yisr, das “jirtPQ ytsr in ihrem Schooße trägt: D’D ")Dn 7’DID ü'2 rDTi. Nach einem solchen Einblick in die Gänge der Zeiten, die Gott allein lenkt, mit einem solchen Bewußtsein von der Entwickelung der Geschichte, schwindet jeder Zweifel an dem endlichen Siege des Rechts und der Liebe, weicht jede Furcht vor der Trübung der Gotteserkenntniß durch den zeitweiligen Triumph der Gewalt und der Bosheit. Der Prophet spricht es aus; rnm TiyDP, „Als ich es zuerst vernahm, da ergriff Zittern mein Inneres, schon bei der Kunde verstummten meine Lippen, Moder kam in mein Gebein, da, wo ich stand, erfaßte mich Beben; — und ich sollte doch ruhig dem Tage der Roth entgegenblicken, sollte doch mit hinziehen zu dem Volke, das feine Heeresschaaren über Israel ergoß." Der Bedanke an das lange vorherverkündete Berhängnitz des Unterganges des jüdischen Staates, der trotzdem nicht die Vernichtung 'Israels zur Folge haben sollte, der auch nicht den kleinsten Theil der Aufgabe aufhebt, für welchen Israel bestimmt worden, der auch nicht im mindesten das Band lockert, welches Israel unaufhörlich mit Gott verknüpft — wie es ja noch vor dem Eintritte Israels in das gelobte Land durch Moses klar und unzweideutig ausgesprochen worden — dieser Gedanke hätte weder einen Zweifel noch eine Furcht aufkommen lasten, hätte vielmehr mich mit zuversichtlicher Ruhe erfüllen sollen. Ich habe ihn wiedergefunden, und grschWundenIst jeder Zweifel, jede Unruhe. Ich bin gefeit gegen Alles, Nichts kann mir die Klarheit des BlickeS trüben, nicht die Ruhe und Zuversicht der Seele mir rauben, men nJNft O Selbst wenn das ganze Weltall in Empörung schiene, wenn nicht nur die Gewaltigen der Erde sich gegen Gotttes Gesetz auflehnen, wenn auch die Natur sich wider es kehren sollte: „wenn der Feigenbaum seine Frucht verweigerte, der Weinstock keinen Ertrag böte, des OelbaumeS Wachsthum versagte, die Fluren keine Nahrung hervorbrächten, so daß der Hürde jedes Lamm entrissen würde und in den Ställen kein Rind mehr zu finden wäre" — wenn so jegliche Bedingung der Erhaltung vernichtet erscheinen und Verzweiflung die Menschheit ergreisen würde - „ich bliebe dennoch froh in Gott, fände die Heiterkeit in dem Gotte meines Heils!" NI UM ’ytt” nb’jN rmPyN. Der Prophet hat Gott begriffen als den Herrn und Richter der Menschheit, der aber nicht die Vernichtung will, sondern das Heil aus dem Trübsal reifen läßt, der Liebe und Barmherzigkeit walten läßt, wo er äußerlich als strafender, richtender König einschrertet*). Und er hat sich begriffen als im Dienste Gottes stehend, als Werkzeug des göttlichen Weltplanes**). Dieses Bewußtsein hebt ihn hoch empor über jede Sorge und jeden Schrecken, hebt ihn hoch empor über die Ereigniffe, stellt ihn auf jene Höhe, von welcher aus sein Blick, unbeengt durch die Berge und Wolken, entzückt hinausschaut auf dar blumengeschmückte Thal der zukünftigen Gottesreiches. Darum Preis und Dank Ihm ewiglich, der niJ’^3 P!!»D, der den Ihn suchenden Sterblichen den Sieg verleiht über alle Gefahr, über jede Trübung des Gemüths, der ihn zum Gott preisenden Liede begeistert und in dieser reinen Gottesbegeisterung und wahrhaften Gotteserkenntniß die Kraft gewährt, ruhig zu bleiben, wenn auch eine Welt gegen ihn in die Schranken tritt, wenn auch des Gewaltigsten Macht ihn zu erdrücken droht. ’mj’JJD nyjDP — — — *) Das ist die Bedeutung des als pn n"D interpunktirten Gottes-Namens. **) mm Dt?.