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Der Israelit · 1891-02-16 · Heft 14 (16.2.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 14 (16.2.1891)
Date
1891-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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264 O, wie idyllisch friedlich war doch die jüdische Schulpraxis als noch der Pastor und Superintendent, Ul.d der „christliche Herr Kreisschulinspector" und kein- Dr. Plato dieses Amtes waltete: Da halte man keinen Gewissenszwang zu erleiden. Den gleichen Gewissenszwang würde ich erleiden, wenn ich der Lehrer und jener katechismusfreundliche, der jüdischen Religionslehre kundige Schulmann oder Gemeinderabbiner, mein Jnspector wäre. — Und das hätte wiederum der eigensinnig fanatische Lehrer Dr. Plato mit seinem Chummesch- Unterricht sich selbst angethan. — „Darum," heißt er in der „Jsr. Wo chens chr ist" weiter: „beschwören wir den Herrn Seminarrector Dr. Plato, die Ein heit nicht zu stören und mit dafür zu wirken, daß das Judenthum die Freiheit erhalte." Die Einheit nicht zu stören. Ich bitte Sie, hochverehrte Herren Kollegen in Köln und sonstwo: Geben Sie mir doch zu zerstören!! — Wo ist denn die Einheit in jüdischer Gesinnung und Lebensführung, daß ich sie zerstören könnte, wenn ich möchte? Ich beschwöre Sie, mit vereinter Kraft diese Einheit herzustellen und meinerZerstörungs-, Verneinungs- und Veruneinigswuth die Möglichkeit zu gewähren und mir die boshafte Freude zu gönnen, diese Einheit wieder zu zerstören. Ich würde Sie höher noch als jetzt schon verehren und Ihnen herzlich dankbar sein. — Was ich Ihnen sonst noch über Einheit und Freiheit und staatliche Anerkennung des Judenthums noch zu sagen habe — davon das nächste Mal. Rabbiner Dr. Plato. O esterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Den Clericalen beginnt nachgerade bereits vor ihrer Allianz mit den Antisemiten etwas bange zu werden. In einer Besprechung der Parteiverhältnisse im aufgelösten Reichsrathe äußert sich das „Grazer Volksblatt" in recht unwirscher Weise über die Thätigkeit des Herrn Lueger. Es schreibt nämlich: „Demokraten und Antisemiten sind schon seit längerer Zeit.als Abgefallene zu betrachten. Kronawetter und Lueger sind die unangenehmsten Personen im parfumirten Salon des Minister-Präsidenten. Elfterer war eine zeitlang erträglicher, weil er, obschon ein mörderischer Demokraten-Bartel, doch die Juden in Ruhe läßt; Lueger aber stört den confessionellen Frieden; treibt die Leute in den Rassenhaß hinein und bringt dadurch neues Unglück über Oesterreich. Das ist in Ewigkeit kein Mann, den man unter die Regierungstreuen aufnehmen könnte. Fatal ist es freilich, daß seine Partei in Wien so großen Anhang hat und daß sie sich verstärken wird, wenn die altliberale Herrschaft von neuem aufgewärmt wird. Sie wird der Hecht im Karpenteiche sein." Wien. Am letzten Sonntag hat im Hause der Herrn David Ritter von Guttmann die Vermählung der Tochter desselben, Frau Baronin Irma von KönigZwarter mit Herrn Baron Sieg wart von Mayer aus Coburg, stattgefuuden. Unter den zahlreichen eingelaufenen Telegrammen ist, zumal in der jetzigen antisemitischen Zeit, dasjenige des regierenden Herzogs von Coburg an den Vater des Bräutigams gerichtete bemerkenswerth. Dasselbe hat den Wortlaut: „Nehme herzlichen Antheil an dem schönen Familienfest, das Sie und die Ihrigen heute feiern. Bitte Sie, dem jungen Paare meine freundlichsten Glückwünsche auszusprechen. Herzog von Coburg." Die Frau Herzogin telegraphirte aus Nizza: „Empfangen Sie meine allerherzlichsten Glückwünsche zum heutigen Tage. Herzogin von Coburg." 31 it m ä n i e n. In Jassy ist zwischen dem Primaradjuncten Joan D. Glfika und den jüdischen Fleischhauern ein scandalöser Konflikt entstanden. Der famose Primaradjunct erließ nämlich ein Verbot, daß das Vieh nach der rituellen Vorschrift der Israeliten geschlachtet werde, worauf die Eigenthümer der Fleischbänke außerhalb der Stadt geschlachtetes Vieh nach Jassy einführten und in der Halle zum Verkauf brachten. Da verfiel Herr Ghika auf den Gedanken, das koscher ansgebotene Fleisch mit Schweinefett bestreichen zu lassen und es auf diese Weise „trefe" zu machen. Die jüdische Gemeinde mußte sich in Folge dessen durch mehrere Tage ohne Fleisch behelfen. — Die jüdischen Fleischhauer haben einen diesbezüglichen Protest an das Ministerium eingereicht. Afrika. Tunis. Bis jetzt war die Mädchenschule, der All. isr. obgleich sie^ nahezu 700 Zöglinge zählte, in einer Annexe der Knabenschule unrergebracht, die ihrerseits beinahe 1,300 Knaben zählt. Die israel. Bevölkerung von Tunis zählt ungefähr 40,000 Seelen, es giebt daher 5—6000 Kinder in dem Alter, wo sie die Schule besuchen mußten. Es sind in Tunis mehrere vorzügliche Schulen, aber mehr als 1,000 Mädchen besuchen gar keine solche. Um einen Teil dieser kleinen Mädchen aufnehmen zu können und der Mädchenschule mehr Raum zu geben, hat das Central- Comitö äer All. isr. vor einigen Monaten ein gut gelegenes großes Gebäude angckanft, das nach einigen kleinen Veränderungen ein prachtvolles Schulhaus geworden ist. Am 19. Dezember hat die Einweihung des neuen Locals unter Vorsitz des franz. Minister- Präsidenten in Tunis, Maßicault, ftaltgefunden, in dessen Begleitung sich die Minister des Bcy befanden. S. Hoheit der Bey selbst hatte sich durch den General Valensi und den Stadtgouverneur vertreten lassen. Es waren außerdem bei dieser Feier zugegen: Die Herren Machuel, Director des öffentlichen Unterrichts; Paul Bourde, Steuer-Director; Regnault, franz. Consul; die General-Secretäre der Regierung, der Civil-Controleur, der erste städtische Vize-Präsident, Vertreter aller Cultusgemeinden, der Präsident

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