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Der Israelit · 1891-02-16 · Heft 14 (16.2.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 14 (16.2.1891)
Date
1891-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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265 der Handelskammer, mehrere Mitglieder der Konsulate und eine große Anzahl hoher Beamten und Notablen. Herr Machucl hat eine vorzügliche Rede gehalten, in welcher er die Alliance beglückwünschte wegen der Opfer, welche sie für die Bildung der Israeliten im allgemeinen und die Frauen insbesondere bringt. Er brachte alsdann der Hingabe und dem Wissen des Personals der Allianceschulen eine wohlverdiente Huldigung dar. Herr Massicault schloß die Feier, indem er die Vertreter der Alliance in Tunesien beglückwünschte und ihnen dankte. „Es ist interessant zu beachten", fügte der General-Präsident hinzu, „vor welcher Versammlung Sie Ihre neue Mädchenschule einweihen. Auf Ihre Aufforderung haben sich die Vertreter Frankreichs und Griechenlands, die Minister S. H. des Beys, der englische Geistliche S. Reverenz der Archimandrit, die Notablen der Stadt und des Handels beeilt zu erscheinen. Ohne Unterschied der Nationalität oder des Glaubens, sind wir gekommen, Mohamedaner und Christen, Europäer und Afrikaner, Ihr Streben anzusporen. Eine derartige Feier charaktecisirt die duldsame Cultur dieses Landes, wie sie von den Regierungen S. H. des Beys und denen des Protectorats gewünscht wird. Sie werden darin auch den Beweis von dem Ansehen und der Hochachtung finden, welche sich die jüdische Bevölkerung des Reiches zu verschaffen wußte." F e u xl l e t o n. %t Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben in Galizien vor fünfzig Jahren von Natha« Sarnriely. (Fortsetzung.) Viertes Kapitel. „Recrutirung!" Dieses Wort verbreitete Angst und Schrecken um sich und machte den armen Elten?, welche militairpflichtige Kinder hatten, das „Haar sträuben", fuhr der Blinde in seiner Erzählung fort. „Wer von Euch hat nicht Vieles von der spanischen Inquisition gehört? Wie die Häscher unheimlich im Dunkelrl herumschlichen, auf der Lauer lagen, dann in friedliche Häuser einbracheu und die Bewohner aus den Betten vor das Tribunal der Inquisition schleppten? Wer hat nicht von jenen Schrcckensszenen gehört, von den bleichen, irren Schatten, von jenen Unglücklichen, die man gequält, gemartert und zu Tode gefoltert hat? Wer hat nicht von dem Großinquisitor gehört, wie sich dieser, um die Lüsternheit seiner Nimmersatten Seele zu befriedigen, ans eine arme, harmlose Familie gestürzt und die Gluth seiner Leidenschaft in ihrem Blute abgekühlt? Solche Schreckenszeiten wiederholten sich bei der Recrutirung. Auch bei dieser schlichen die Häscher herum und lauerten auf ihre Opfer. Diese Häscher waren mehrere Polizcileute mit aufgepflanzten Gewehren, geführt von einem sogenannten „Viertelmeister". Ganze Gaffen wurden abgesperrt, damit die Opfer nicht entwischen können. Man brach in die Häuser ein und schleifte Kinder aus den Betten. Nicht selten geschah es, daß man das Bethaus mit Soldaten umringte, während der „Viertelmeister" mit einigen bewaffneten Polizeileuten sich in dasselbe stürzten und halberwachsene Jünglinge, ja auch ältere Männer fortschleppten, die sie mit Dieben und Gaunern in einem Kerker znsammenwarfen. Das alles war das Teufelswerk des Regierers, der ein wahrer Großinquisitor war. Jeder, der sich vor seiner Verfolgung schützen wollte, mußte weit den Beutel öffnen und den Regierer darin tief hineingreifen lassen. Das Affentiren blieb damals ausschließlich den Regierern anheimgestellt, die in der Regel mit der Affentirungscommission gemeinsame Sache machten. Ein einziger Wink des Regierers genügte, um Einen, mochte er noch so sehr mit körperlichen Gebrechen behaftet sein, für den Militairdienst zu bestimmen. Damals natürlich hatte jede jüdische Gemeinde die Pflicht, ein gewisses Kontingent für den Affentplatz abznliefern; die Wahl Warden Regierern überlassen. Gewöhnlich wurden die Niedrigen und die Gemeinen auserwählt, um, wie es in der damaligen Ausdrucksweise hieß, „für die Stadt zu gehen." Welche jedoch hießen Niedrige und Gemeine? Blutarme Leute, die ihrer? Beutel nicht öffnen konnten, zumeist ehrliche, arme Handwerker. — Wer zählt die Thränen, die damals vergossen, die Herzen, die damals gebrochen wurden? Das Thier im Walde wird nicht so grausam gehetzt, wie damals jene Armen und Unglücklichen. Fast jedes Haus hatte ein heimliches Versteck, wohin die Verfolgten sich flüchteten. Mit klappernden Zähnen lagen sie in einem Kellerloch, in einem geheimen, geschlossenen Schrank, in einer Wandhöhlung, die mit Brettern bedeckt war und entbehrten oft wochenlang die Sonne, die freie Luft. Viele gingen so weit, daß sie sich förmlich zu Skeleteu aushungerten, manche verstümmelten sich grausam — und alles, um dem schrecklichen Molochdienste zu entgehen. „Es muß allerdings heutzutage befremdend erklingen, daß Menschen so grauenhafte Mittel angewendet haben, um sich einer ehrenhaften Bürgerpflicht zu entziehen. Allein man bedenke, daß zu damaliger Zeit Soldat sein viel schrecklicher war, als hingerichtet zu werden. Die Soldaten wurden damals nicht so menschlich behandelt, wie in un-

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