Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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256 Bedenken? Erheben sie gegen die Vorsteher des rituellen Tauchbades den Vorwurf ungenügender Instandhaltung? Wir wollen hoffen, daß den in die Commission gewählten Herren Julius Jacoby, Makower und Gustav Löwenberg gelingen wird, alle religiösen Bedenken zu zerstreuen und das drohende Ungewitter abzuwenden. Von Seite der Reformgenossenschaft wurde Herr Pinkussohn deligirt. — Der Charlottenburger Ftlialgemeinde, die den Orgeldienst eingeführt, wurden 6500 M. jährlicher Subvention bewilligt. Berlin. Ihr jüngster Artikel: „Ein Uebelstand im eigenen Lager", war gewiß vielen unserer frommen jungen Leute aus der Seele gesprochen und es ist anzuerkennen, daß dieser Mißstand endlich einmal gerügt wird. Es darf indeß nicht übersehen werden, daß den Prinzipalen strenggläubiger Richtung nicht alle Schuld an diesem Uebelstande beizumessen ist. In sehr vielen Fällen waren junge Leute, welche sich heute kein Gewissen daraus machen, die heiligsten Gebote unseres Gottes zu überrreten, bei ihrem Eintritt in die betreffenden Oleschäfte noch ganz unverdorben und, es ist den Herren Chefs nicht zuzumuthen, daß nachdem sich diese Beamten durch jahrelange Erfahrung und Kenntniß des Kundenkreises in vielen Fällen fast unentbehrlich gemacht haben, solche plötzlich zu entlassen. Auch hört man oft den Einwand, daß unter den frommen Gehilfen geeignete Kräfte nicht zu finden waren und sind auch in dieser Beziehung die Geschäftsinhaber oft zu entschuldigen. Wir glauben daher, daß das Uebel nicht an der Wurzel angefaßt wird, wenn die Prinzipale einfach erklären, neologe Gehilfen nicht zu engagiren oder wenn sie solche in Diensten haben, sie entlassen. Unsere Ansicht ist vielmehr die, daß es heilige Pflichte derjenigen Kaufherren, denen das echte Judenthnm keine hohle Phrase ist, nicht nur für die geschäftliche, sondern auch für die religiöse Ueberwachung der von frommen Eltern ihrer Obhut anvertrauten Lehrlinge besorgt zu sein und von vornherein nur fromme Lehrlinge zu engagiren. Kein Lebensalter ist so vielen Gefahren ausgefetzt, wie dasjenige, in welchem der Heranwachsende Jüngling aus der Schule in das praktische Leben eintritt. In dieser Zeit beginnt erst recht die Schwierigkeit der Erziehung, und wenn man dafür sorgt, daß die jungen Leute der Religion ihrer Väter treu bleiben, dann wird sich in jedem Geschäfte mit gesetzestreuen Inhabern nach und nach auch ein Personal heranbilden, das in den rechten Wegen wandelt. Unsere Kanfleute haben dann das hohe Bewußtsein, zur Erhaltung des echten Judenthums Wesentliches beizutragen. Wiesbaden, 9. Fcbr. Ihr Berichterstatter hatte jüngst Gelegenheit Gustav Freitag zu sprechen und erwähnte dabei dessen Unterzeichnung des Aufrufes zur Abwehr des Antisemitismus. Der Dichter sagte, daß er durchaus Judenfreund sei, er habe indessen in „Soll und Haben" Juden Schlesiens so geschildert, wie er sie in der Zeit, in welcher der Roman spielt, kennen gelernt habe. Der Dichter müsse eben die Personen darstellen, wie sie seien; habe er doch auch eine ganz ideal schöne jüdische Gestalt, den Bernhard, in dem genannten Romane gezeichnet. Jedenfalls seien die Juden Schlesiens seit jener Zeit in sittlicher Beziehung bedeutend fortgeschritten. O ester r.-U n gar. Monarchie. 8. 8. Wie«, 23. Januar. Eine neue Spielart der russischen Versolgungssucht ist der jüngst erffoffene Erlaß der Warschauer General-Gouverneur Gurko, welcher lautet: „Die jüdischen Stellungspflichtigen, welche vorgeladen werden ihrer Militärpflicht Genüge zu leisten, werden oft infolge ihrer ungenügenden physischen Entwicklung zeitweise zurückgestellt, wobei es den Assentirungsämtern unbenommen bleibt, ohne Rücksicht auf die bewilligte Frist, eine Ucberprüfung solch' eines jüdischen Conskribirten unverhofft und zu jederzeit zu veranlassen. Im Falle also einStellungspflüchtiger dieser Kategorie von einer Ortschaft nach der andern geschickt wird, kann er, wenn er den Weg ohne jede Bewachung zurückleg;, sich entweder verstimmeln oder auch eine andere Person unterschieben, um sich dem Militärdienste zu entziehen. Um solch eventuellen Mißbräuchen vorzubeugen, ist es geboten, daß die jüdischen Stellungspflüchtigen den Weg von ihrem Wohnorte nach dem Amtssitze der Assentirungseommission unter Escorte zurücklegen, das heißt per Etappe." Das Ministerium des Innern hat mit Einverständniß des Kriegsministers dieser Verordnung ihr „Placet" verliehen und von nun an werden israelitische Stellungspflüchtige den Weg nach den Städten, in welchen die Ueberprüsungsämter ihren Sitz aufschlagen, unter polizeilicher Bewachung und per Etappe, wie Landstreicher zurücklegen müssen. — Herr Ignaz Wermuth, erster Tenor an der Oper in Lemberg, hat von der Direction des „Großen Theaters" in Warschau, um in überaus warmen Worten abgesaßtes Schreiben erhalten, in welchem ihm unter sehr günstigen Bedingungen ein stetes Engagement angeboten wird. Herr Wermuth, einer frommen jüdischen Familie in Krakau entstammend, ist ein noch junger Mann und war durch eine Zeit in Stockholm an der Hofoper engagirt. B»r-Palota, 25. Januar. Der Bericht des Herrn Dr. Berliner in Nr. 7 d. gesch. Bl. über die zunächst erscheinenden Schriften des hebräi-