Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448136--31602-2479410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXII. Jahrgang. Beilage ju M13 des „Israelit & Ieschurun" Literarischer Bericht. Von dem Antisemiten-Spiegel (Verlag Kafemann-Dauzig) ist bereits die zweite Lieferung erschienen. Das Unternehmen, der maßlosen Antisemiten - Agitation durch eine anständige literarische Gegenbestrebung einen Damm entgegenzusetzen, verdient die vollste Anerkennung. Wer selbst unter den Antisemiten nur noch ein Restchen objektiver Denkweise sich bewahrt hat, dem müssen schließlich doch die Augen über die wahren Ziele jener schmählichen Hetze aufgehen. Denn darüber kann doch wohl kaum irgend ein Zweifel obwalten, daß es unter den Antisemiten genau wie unter den Sozialdemokraten eine große Anzahl Vethörter, Irregeleiteter giebt, die wirklich oft nicht wissen, was sie thun. Diesen vor Allen sei der Antisemiten- Spiegel vor Augen gehalten, nicht damit sie sich selber darin in ihrer" wahren Gestalt erblicken, sondern damit sie aus dem Spiegelbilde das naturwahre Antlitz ihrer Verführer und Verwirrer herauserkennen mögen. Sehr wichtig ist es, die Auffassung von der Gefährlichkeit der Autisemitenbeweguug gerade in den sogenannten gebildeten Kreisen, unter den Studenten zu verbreiten. Hier vornehmlich gilt es die Hebel anzusetzen, um den Anstrengungen der berufsmäßigen Hetzer entgegen zu wirken. Das ist das Ziel derjenigen Männer, die sich an der Herausgabe des Antisemiten- Spiegels betheiligen. Die Wanderprediger des Antisemitismus stellen die Sache so dar, als ob diese Bestrebungen, den Hetzereien entgegen zu wirken, durch die Juden selber ins Leben gerufen worden seien, und daß es sich dabei um nichts Anderes als um literarische Söldner im Dienste der Juden handele. Hierauf antwortet der Herausgeber des Antisemiten-Spiegels: Daß die antisemitische Presse den Antisemiten-Spiegel als ein bezahltes Organ des Judenthums darstellt, dazu bestimmt, Alles zu beschönigen, was ein Jude thut, und zu vertheidigen, was der Verteidigung nicht werth ist, berührt und beirrt uns nicht. Was wir in Wirklichkeit wollen und vertreten, wissen unsere Leser aus der Vorrede zum ersten Heft. Den schlechten Juden tadeln wir ebenso wie den schlechten Christen. Was wir zurückweisen, ist, daß man die staatsbürgerliche Gleichberechtigung antastet, und daß man die Juden nur deshalb verfolgt und schonungslos der Verachtung preisgiebt, weil sie Juden sind. Wir denken in dieser Beziehung genau so wie der.Abgeordnete Windthorst, der Führer des Centrums, welcher am 20. November 1880 im preußischen Abgeordnetenhause erklärte: „Einer der Hauptpunkte, worüber die Juden bei der Verhandlung ihrer Angelegenheiten sich beklagen und beklagen können, ist nach meinem Dafürhalten der, daß man, wenn ein einzelner Jude oder eine Mehrzahl von Juden, ein Theil derselben etwas gethan hat, was mit Recht gerügt werden muß, daß man dies verallgemeinert und generell hinstellt, als ob es die ganze Judenschaft träfe. Das ist grundverkehrt und grundverleyend. Wenn man Klagen über einzelne oder über einen Theil hat, so soll man die Einzelnen und diesen Theil konkret fassen, aber niemals die Sache generell hinstellen und die ganze Jndenschast verletzen, unter der es die allerehrenwerthesten Menschen giebt." In der That hat der alte Windthorst mit diesen Worten den Kern der sogenannten Judenfrage getroffen. Und es kommt allerdings darauf an, daß man diese „grundverkehrte und grundverletzende" Verallgemeinerung, indem man gewisse üble Eigenschaften Einzelner auf die Gesammtheit überträgt, endlich aufzugeben lerne. Allerdings, lerne; denn diese Art Schlußfolgerungen zu ziehen, ist falsch und muß allmählich durch richtigere ersetzt werden. Ueberall, nicht blos bei der Veurtheilung der Judenfrage, ist cs nämlich falsch, von Einzel- Helten auf das Allgemeine zu schließen. In der Judenfrage will nun der Antisemiten - Spiegel gewissermaßen ein gut gesichtetes Lehrmaterial seinen Lesern zur Verfügung stellen, damit sie sich selber in die Lage bringen mögen, ihr Urtheil auf Grund gut beglaubigter Thatsachen zu berichtigen. Mit andernWorten, daßdieLeserVorurtheilegegenUrtheile eintauschen! Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Reformgenoffenschaft trat an die Gemeindebehörde heran, um dieselben zu einer Erhöhung der Subvention zu veranlassen. Die Neformgenoffenschaft, in deren Bethaus allsonntäglich gepredigt wird, zählt ca. 500 beitragende Mitglieder. Dieselben tragen zur Gemeinde die allerdings nicht unerhebliche Summe von 85,000 Mk. bei. Eine Erhöhung der jährlichen Unterstützung wäre demnach keine ungerechtfertigte Forderung. Dagegen hörten wir zu unserer nicht geringen Verwunderung die Drohung eines Austrittes aus der Muttergememde fallen. Der Austritt ist ja nur „aus religiösen Bedenken" gestattet. Welche religiöse Bedenken dürften die Herren Sonntagsreformer zum Austritt veranlassen?" Wird ihnen die Beaufsichtigung der Schechitah nicht streng genug gehandhabt? Verursacht ihnen das Beerdigen ch r i st l i ch e r Männer und Frauen ans dem jüdischen Friedhose religiöse