Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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24# sei bei dieser Gelegenheit nur constaiirt, daß unter Einwirkung des „Fachmannes" die bekannten orthodoxenfeindlichen oder besser gesagt judenfeindlichen Verfügungen erfolgten. Es war wohl noch nicht an der Zeit, das Kind bei dessen wahren Namen zu nennen und benutzte mau daher eine Unmasse falscher Anschuldigungen und Schlagworte als „Regelung der jüdischen Matrikel", „Organisation des jüdischen Gemeindewesens" u. s. w. u. s. w., um in dieser Weise das von langer Hand vorbereitete, sehnlichst angestrebte Ziel: die Unterdrückung der Orthodoxie herbeizuführen. Es waren das bitterböse Zeiten für die o’nt im Lande. Altehrwürdige Rabbiner, im Dienste des Herrn ergraute Männer der Wissenschaft wurden in ihrem Ansehen erniedrigt, in ihrer Existenz vernichtet, uralte Rabbinatsbezirke wurden zerstückelt, das ganze jüdische Gemeindeleben wurde seines traditionellen Charakters entkleidet. Die Bestätigung von Gemeindestatuten, bislang das autononome, durch die Durchführungscommission ausgeübte Recht der Confession wurde dieser entzogen, das Schiedsgericht wurde seines obligatorischen Charakters entkleidet und an dessen Stelle die Competenz des Stuhlrichters gesetzt, der dann auch Gemeindevorsteher ein- und abzusetzen, Rabbiner vor sich citiren und überhaupt in jüdischen Religions- und Gemeindeangelegenheiten Recht zu sprechen berufen war; mit einem Worte: ein jammervoller, unerträglicher Zustand. Die Neologen frohlockten bereits und wähnten sich ihrem Endziele so nahe, daß sie nunmehr unumwunden vom Cultusminister die Unifizirung des Judenthums, mittelst behördlichen Zwanges, verlangten. Inzwischen wurde Graf CMy Cultusminister, ein edler, gerechter, wahrhaft liberaler Mann. Die Orthodoxen wandten sich an ihn wegen Sanirung der oben bezetchneten Gravamina und unterbreiteten ihm das bekannte Manifest von 240 hierländischen Rabbinen. Namentlich diese feierliche Manifestation der 240 orthodoxen Rabbiner des Landes war von imposanter Wirkung, und unter dem Eindrücke derselben wurde vor Allem der „unparteiische Fachmann" vom neuen Minister bei Seite geschoben, das Gesuch der Neologen wegen Unifizirung abgewiesen, das Bestätigungsrecht von Gemeindestatuten der Confession zurückgegeben und das Schiedsgericht wieder mit obligatorischer Kraft versehen. Den Neologen aber wurde von Regierungswegen angedeutet, daß eine zwangsweise Unifizirung Seitens der Staatsgewalt absolut perhorreszirt wird und auf Unifizirung überhaupt nur dann zu rechnen sei, wenn beide Parteien einmüthig dies verlangen sollten. Der Brief der Neologen-Canzlei an den Oberrabbiner Schreiber hatte also Men Doppelzweck. Erstens: um eine, wenn auch nur scheinbare Einheitlichkeit der Regierung gegenüber zu demonstriren; zweitens und hauptsächlich: um denWerth der oberwähnten Manifestation der Gesa mmtheitderhi er ländisch enorthodoxen Rabbiner— wonach jede religiöse Gemeinschaftlichkeit mit Neologen religionsgesetzlich verboten ist — zu devol- Viren, indem der Beweis erbracht wird, daß man in jüdischen Angelegenheiten gemeinschaftlich Vorgehen kann, oder daß man hierüber verhandelt, und erscheint hiedurch obige Manifestation wesentlich abgeschwächt. Da mußte also, nicht so sehr aus Rücksicht auf die d'n*v (denn diese haben das vorkongreßliche und allerjüngste jüdische m^.i durchaus nicht vergessen) als vielmehr, damit man es im Palais des Cultus- Ministers höre und verstehe, so scharf und so energisch gesprochen werden, wie dies der pw in Preßburg gethan hat. Dr. Voßi. Rumänien. Di-. C. Bukarest, 6. Februar. Wie wenig wir hier auf die wirkliche und aufrichtige Zugeneigtheit, sowie auf die schön klingenden Versicherungen irgend eines unserer Politiker rechnen können, zeigt Nachstehendes. Das ganze Rumänien zählt nur einen einzigen ebenso ernsten wie gründlichen und ehrlichen Volksmann, eine Art Eugen Richter mit Namen Georg Panu, dem es, wie es wenigstens bis jetzt den Anschein hatte, in uniuteressirter Weise in der That um das Wohl des ganzen Landes zu thun ist. In dieser seiner edlen Gesinnung ist er sich auch uns Israeliten gegenüber gleich, er ist schon öfter in seiner Zeitung „Lupta" (Der Kampf) für unsere wirkliche Gleichberechtigung eingetreten, die ja bis äato nur auf dem Papiere steht, und hat uns öfters Vertröstungen und Versprechungen gegeben für die Zeit, in welcher die Ideen, die er verficht, zum Siege gelangen werden. Um letzteren herbeizuführen, ist er seit ein paar Jahren bestrebt sich eine politische Partei für seine Anschauungen („Radikalismus") zu bilden und es ist ihm auch gelungen, sich schon einen gewissen Anhang zu verschaffen. Aber daniit bricht auch das Kartenhaus seiner guten Gesinnungen für die Israeliten zusammen: der Panu als Parteichef ist ein anderer, als Panu der Einzelmann. In seiner Zeitung kommen schon von Zeit zu Zeit, allerdings nicht von seiner Hand, aber doch wohl unter seiner Verantwortlichkeit, auch antisemitische Aeußerungen vor, einige bekannt-enragirte Antisemiten, wie die Univers.-