Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 13 (12.2.1891)
- Date
- 1891-02-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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249 Professoren Tocilescu und Uröke, der Deputirte Frunsescu u. A. gehören zu seiner Partei und ein Vorkommniß bei den letzten Gemeinderathswahlen giebt uns endgiltig und am klarsten Bescheid, wohin Herr Panu mit seinen radikalen und „prinztpientreuen" Ideen schon gelangt ist. Bei der gedachten Gelegenheit nämlich wurde unser naturalisirter Glaubensgenosse Dr. A. Vianu (früher Weinberg), als Arzt Reserve-Kapitän, vom radikalen Klub auf die Liste der zu wählenden Gemeinderäthe gesetzt. Kaum war dies geschehen, als sich auch die Opposition gegen den „Juden" innerhalb der noch kleinen Partei geltend machte und, wie es heißt, auf Betreiben des Mitgliedes Frunsescu, wurde er als Kandidat gestrichen, nach Angabe „damit die radikale Liste keine Antipathieen Hervorrufe". Glücklicherweise hat dieselbe auch nach der Streichung noch nicht 50 Stimmen erlangt und man kann daher jetzt nicht sagen „der Jud' ist daran schuld"; wir aber haben nun auch den einzigen Freund Panu nicht mehr! Von unseren politischen Zuständen und Parteigruppirungen hat man übrigens im Auslande die seltsamsten Begriffe. So ließ sich die Londoner „Times" vor Kurzem eigens telegraphiren, daß unser berü—hmter ehemaliger Ministerpräsident und jetzige Chef der sogenannten „liberalen" Partei Joan C. BrLtianu „sich in die Arme des Antisemitismus „geworfen" habe" — er, der seit 1866/67 anders als durch antisemitische Verfolgungen gar nicht zu regieren versteht, der als Minister Juden in der Donau ertränken ließ, den früheren und jetzigen Artikel VII. der Verfassung (uns betreffend) versündigt hat, der in den 12 Jahren seiner letzten Regierung 1876—1888 nicht blos in seinem Partei- Klub, sondern auch von der Tribüne des Parlaments herab, antisemitische Reden hielt, der in dieser Zeit die ganze jetzige antisemitische Gesetzgebung geschaffen hat, welche den Israeliten jeden Erwerb weggenommen, der Judentreiben von den Dörfern sowohl, als auch von Bukarest und anderen Städten ansteüte u. s. w. Und das Alles hat die „Times" von 1866 bis 1890 nicht gewußt! Für ein Weltblatt „unsterblich lächerlich", wie Börne irgendwo sagt. — Aus mehreren Städten werden die im Winter bet uns üblichen Wohlthätigkeitsakte gemeldet, unter welchen in den letzten Jahren, nächst Holzvertheilungen, ganz besonders die Beschenkung mit Kleidungsstücken, namentlich für Schulknaben hervortreten, bekannt. Die Roth unter den Unserigen ist eben schon sehr groß. Ferner hat Herr Aron Goldenberg hier mit 10.000 Frcs. einen Mädchen-Verheirathungs-Fond gestiftet. — Wie ich der Ztg. „North-Western-Labor-Union" in Minneapolis (Amerika) entnehme, ist unser Landsmann John Grünberg als Kandidat für das amerikanische Parlament ausgestellt und seine Wahl ist sicher. Herr G. stammt aus Botoschani und ist erst 1882 in Amerika eingewandert. -£» Vermischtes. < Osthofen. Eines unserer angesehensten Gemeindemitglieder, Herrn Simon Hirsch, haben wir heute zur letzten Ruhe begleitet. Ein sehr großer Leichenzug, wie ihn Osthofen noch selten gesehen, legte Zeugnitz ab von der großen Achtung, in welcher der Verstorbene bei Israeliten und Christen stand. Er war ein frommer Jehudi und erzog auch seine Kinder in seinem Sinne. Herr Rabbiner Dr. Stein aus Worms hielt ihm die Grabrede, in welcher dieser das Leben des Verstorbenen als Mensch, als Bürger und als Israelit schilderte. Frankfurt a. M. Nachträglich ist zur Feier des 90sten Geburtstags der Frau Adelheid Kulp zu bemerken, daß auch Herr Rabb. Dr. Horovitz '°i in einer längeren Ansprache die Verdienste der Jubilarin um n"J gebärend hervorgehoben hat. Halle a. S. Ein jüdischer Fleischer, wenn er Betriebsmittel besitzt, und es mit der rituellen Verantwortlichkeit seines Berufes ehrlich meint, dürfte am hiesigen Platze sehr gut seine Rechnung finden. Erkundigungen kann derselbe von dem Gemeindevorstand einziehen. Kiel, 2. Febr. Herr Dr. Moritz Stern, Zögling des Berliner Rabbiner - Seminars, wurde einstimmig zum Prediger der hiesi gen jüdischen Gemeinde gewählt. Wien, 7. Febr. Prinz Alois Liechtenstein trat gestern in Hernals als Reichsrathskandidat der Christlichsozialen auf. Er erörterte die Berechtigung des Antisemitismus als eine gesunde Abwehr gegen das Ueberwuchern des jüdischen Einflufies und sprach sich für Ausnahmegesetze gegen die Juden aus. Prinz Liechtenstein wurde einstimmig als Kandidat proklamirt. Die deutsch - nationalen Antisemiten bekämpfen die Kandidatur Liechtensteins und stellen den Ingenieur Frassl aus. KapoSvär, 23. Jan. Ter erste Wahlbezirk zn Kaposvär (Comitat Somogy, Ungarn) hat den Rabbiner Dr. Emanuel Herzog daselbst am 27. December v. I. nahezu einstimmig in die städtische Repräsentanz auf sechs Jahre gewählt. Für defien Erwählung wirkten besonders Nicht-Juden, unter ihnen der Bürgermeister. Amsterdam, 5. Febr. Der Erzdechant der katholischen Kirche im hiesigen Beguinenhofe, Herr Poppen, sandte an den Ober-Rabbiner dahier 3000 Gulden für das Israelitische Mädchenwaisenhaus und 2000 Gulden für die Gesellschaft zur Unterstützung unbemittelter israelitischer Wöchnerinnen. Diese Summen waren ihm von einem ungenannten Katholiken zur Verfügung gestellt als Zeichen der Anerkennung für das philantropische Bestreben seiner jüdischen Mitbürger, besonders des Oberrabbiners. Rom. Der neuernannte Schatzminister Luigi Luzzatti, 1841 in Venedig geboren, ist der erste Israelit, der in Italien Minister wird. Er ist ordentlicher Professor der Nationalökonomie und des Staatsrechts der Universität Padua und hat sich namentlich durch Gründung von Volksbanken und Hebung des Sparkaffenwesens verdient gemacht. In der Kammer, der er seit 1870 angehört, war^ er stets ein tüchtiger Arbeiter und die Budgetkommission wählte ihn in der Regel zum Vorsitzenden oder Generalberichterstatter, der er auch bis jetzt gewesen ist. Mit Ellena führte er die Verhandlungen mit Frankreich wegen eines neuen Handelsvertrags, die bekanntlich scheiterten. London, 10. Februar. Ende vorigen Jahres hatte der Lord-Mayor die von der Guildhall-Versammlung am 10. Dezember gefaßten Resolutionen in Betreff der Be-