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Der Israelit · 1891-02-12 · Heft 13 (12.2.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 13 (12.2.1891)
Date
1891-02-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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244 eines längeren Nierenleidens schwanden ihre physischen Kräfte allmählich, insbesondere nahmen dieselben seit dem Tode ihres Gatten merklich ab, so daß sie nach einer kurzen Krankheit gestorben ist. Was diese edle Frau ihrem Manne, den sie mit Aufopferung ihrer eigenen Gesundheit pflegte, was sie ihren Kindern, was sie den Armen, was sie überhaupt den Mitmenschen war, kann unmöglich in wenigen Schriftzügen geschildert werden. Ihr hoher Bildungsgrad gepaart mit Lebhaftigkeit, Geistesfrische, Liebenswürdigkeit und Leutseligkeit gewannen ihr die Herzen Aller. Als Vorsteherin vieler unserer großen Wohlthätigkeitsanstalten übte sie die edle Pflicht der Menschenliebe mit Hingebung in liebevollster Weise. Unerlöschlich bleibt das Andenken dieser edlen, frommen Frau im Herzen Aller, die sie kannten — ruv-oi. Londorr. Die Wahl eines neuen Chief-Rabbi wird demnächst stattfinden und wird zweifellos auf Herrn Rabbiner Dr. H. Adler fallen. Der neue Chief-Rabbi wird einen Gehalt von 2000 Pfd. St. erhalten. Wenn erwünscht, soll er Prediger an den Synagogen autortsiren können, Trauungen vorzunehmen; diese Autorisation, sowie die Ausstellung von nfop für Schächter muß unentgeltlich geschehen; bei Synagogengemeinden, die zum Gehalt des Chief-Rabbi nichts beitragen, darf in diesen Fällen eine Taxe von wenigstens einer Guinea erhoben werden. Der Chief-Rabbi darf gegen Niemand einen mn aussprechen. Will eine Synagogengemeinde irgend eine gottesdienstliche Aenderung einführen, muß sie zuvor die Genehmigung des Chief- Rabbi, der sich mit den betreffenden Predigern zu berathen hat, einholen. Der Chief-Rabbi hat dafür zu sorgen, daß auch die Provinzialgemeinden von ihm oder von einem Delegirten regelmäßig besucht werden. Die „United Synagogue" beabsichtigt auch noch einen zweiten n mit einem Gehalt von 400 Pfd. St. zu engagircn. Italien. Rom, 8. Februar. Im neugebildeten Ministerium wurde unserem Glaubensgenossen Luzzatti das Schatzamt übertragen. Rumänien. Bukarest. Dem „Corriere Jsraelitico" in Triest wird von hier geschrieben: „Zur Zeit wohnen in hiesiger Stadt ungefähr 33,000 Juden. Die Gemeinden, die hier bestehen, sind folgende: Die deutsche mit etwa 14,000, die polnische mit etwa 9000, die orthodoxe mit 6000 und die spaniolische mit ungefähr 4000 Mitgliedern. Letztere, obwohl die kleinste an Zahl, nimmt, Dank der Elemente, aus denen sie zusammengesetzt ist und der Mittel, über die sie verfügt, den ersten Rang ein. Bethäuser und Tempel gibt es hier 29. Die Deutschen haben nämlich einen Tempel und drei Bethäuser, die Orthodoxen eine große und fünf kleine Synagogen, die Spaniolen wieder einen Haupt- und einen Nebentempel und dann folgen die Privatbethäuser. Die spaniolische Gemeinde erhält auf ihre Kosten eine Talmud-Thoraschule, die von 300 Schülern, darunter auch viele Söhne wohlhabender Familien , besucht wird. Viele Reiche schicken schon deßhalb ihre Sprößlinge in diese Schule, damit sie dort auch eine religiöse Erziehung erhalten sollen. In dieser Schule, die, Dank der Bemühungen unseres wackern Mitbürgers Moses Ascher, eine staatlich anerkannte ist, wird der Unterricht ausschließlich nur von solchen Lehrern ertheilt, welche einen akademischen Grad besitzen. Die Leitung der Schule und zugleich auch der Unterricht in den oberen Klassen sind dem wohlbekannten Hebräisten, Talmudisten und Mitglied mehrerer wissenschaftlicher französischer und italienischer Akademien, Rabbiner Professor Hajim Bidjarano, anvertraut, der sich überhaupt allgemeiner Achtung hier erfreuet. Außer der Talmud-Thora haben wir auch eine weibliche Arbeitsschule, die gleichfalls vom Staate anerkannt ist. In derselben werden alle weiblichen Handarbeiten gratis gelehrt, weßhalb sie auch sehr gut besucht ist. Die austretenden Schülerinnen werden dann in den verschiedenen Geschäften untergebracht. Auch besitzen wir eine von Herrn Ni'sstm Halfon, dem Vater des Präses unseres Cultusvorstandes, gegründete Mädchenschule, und daun auch zwei von der Gemeinde erhaltene Kknderbewahranstalten. Die armen Zöglinge aller dieser Schulen werden von der Chewra Malbisch Arumim, deren Präses Herr Moscu Ascher ist, mit Winterkleidern versehen. Auch die deutsche Gemeinde besitzt außer der Talmud-Thora, die von ihrem Rabbiner Dr. Beck geleitet wird, eine Arbeitsschule und auch einige Privatschulen. Die Gotteshäuser hier werden im Allgemeinen sehr gut besucht und im spaniolischen Tempel kann man Freitag Abends nicht einmal ein Plätzchen finden, da Alles sich hineindrängt, um den vortrefflichen Hasan und seinen wohlgeschulten Chor zu hören. Der Rabbiner der hiesigen spaniolischen Gemeinde, der schon im Greisenalter steht und seit zwanzig Jahren hier amtirt, will nun zurücktreten und verlangt er seine Pensionirung. Binnen wenigen Tagen wird hier das neuerbaute spaniolische Spital, das zumeist aus dem Nachlasse des verstorbenen Herrn Merkusch erbaut wurde, eingeweiht werden. Dasselbe wird eigene Apotheke haben und nur kranke Spaniolen aufnehmen. Die Leitung dieses Spitals haben aus Pietät für ihren verstorbenen Vater die beiden Söhne des Herrn Merkufch selbst übernommen. Wie man sieht, ist

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