Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1891)
- Date
- 1891-02-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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229 Ratibor, 1. Februar. Der Vorstand der israelitischen Gemeinde gab gestern Abend der „Chewra kadischa" ein glanzendes Fest. Im Namen des Vorstandes brachte Herr Fabrikbesitzer Max Sa moje den Toast auf den Kaiser aus, den der Redner als den Hort des Friedens, als das Muster strengster Pflichterfüllung, als den Beschützer aller Bekenntnisse pries. Die König streue sei den Israeliten nicht allein Herzenssache, sondern auch Religio ns gesetz; die Gemeinde, die er vertrete, sei glücklich, jederzeit treu zu Kaiser und Reich zu stehen. Der Toast wurde mit begeistertem Jubel ausgenommen und stehend sang die Fcstversammlung die Nationalhymne. Hierauf feierte Herr Rabbiner Dr. Blumenthal in längerer Rede die von der Religion vorgeschriebene echte Menschenliebe, die nicht frage, ob jüdische Herzen weinen oder christliche Thränen fließen, die überall helfe, wo Menschenleid webt und Menschenmühsal waltet; diese einzige wahre Humanität, welche an keine Schranke gebunden ist, sei das Bindeglied aller Bekenntnisse, die goldene Brücke zu einer schöneren Zukunft, das nahende Frühroth einer besseren Zeit. Der Redner schilderte dann die selbstlose Hingebung und das opfervolle Mühen der Männer, die freudig an den Pforten des Todes und der Menschenliebe wachen, und schloß mit einem Hoch auf die „Chewra kadischa" und ihren wackeren unermüdlichen Vorsitzenden Herrn Fabrikbesitzer Hugo Schück. Herr S ch ü ck dankte anknüpfend an einen Trinkspruch des Herrn Fabrikbesitzers Fjröhlich, in warmbewegten Worten; er wies bescheiden jedes Verdienst zurück; was er und der Bund gethan, sei heilige Menschcnpflicht, um so preisenswerther sei das Verdienst der wacker helfenden Frauenabtheilung; sein Hoch gelte derselben, ihrer Vorsitzenden Frau Regina Wachsner und der 87jährigen unermüdlichen Veteranin der Menschenliebe, Frau Leopold. Herr Pinczower gedachte in beredten Worten der Verdienste des Herrn Dr. Blumenthal, dem er unter stürmischem Beifall sein Glas weihte. Es war ein herrliches Fest, das die Ratiborer jüdische Gemeinde beging, um so herrlicher, da es der Menschenliebe galt. Colberg. Der 17. Jahresbericht über die Verwaltung des hiesigen jüdischen Kurhospitals weift eine Einnahme von 14481 M. und eine Ausgabe von 10584 M. auf. Die Liste der ordentlichen Mitglieder zählt beim Schluffe des Berichtes 655 Personen mit Beiträgen von im Ganzen 5754 M. 50 Pf. und hat darnach im Verhältnisse zu den Vorjahren nur einen geringen Fortschritt zu verzeichnen, indem die Anzahl der Mitglieder nur um 20 Personen und die Höhe der Jahresbeiträge nur um 236 M. 50 Pf. gestiegen ist. Es wäre jedoch durchaus falsch, aus dieser Erscheinung etwa zu schließen, daß der Gewinn an neuen Mitgliedern in diesem Jahre überhaupt spärlicher gewesen wäre; vielmehr rnuß dankbar anerkannt werden, daß das Hospital wiederum eine ganz ansehnliche Reihe von neuen Mitgliedern zu verzeichnen Gelegenheit hatte. Allein gerade in diesem Jahre mußte aus verschiedenen Anlässen eine so große Zahl von alten Mitgliedern aus der Lifte gestrichen werden, daß der Zugalig zum größten Theil wieder verschlungen wurde. Dagegen sind die Einnahmen mährend der Ladezeit wiederum etwas gegen das Vorjahr znrückeblieben. Diese Erscheinung beweist aufs Neue, wie berechtigt die Klage ist, daß die Anstalt noch immer nicht derjenigen vollen allseitigen Theilnahme seitens der Badegäste sich erfreut, die sie eigentlich verdient. Immer mächtiger wächst die Zahl derer an, die alljährlich zu dem durch Natur und Kunst so herrlich geschmückten Strand eilen, um hier an dem kräftigen Athem der schönen Ostsee Erfrischung und Verjüngung und an den heilkräftigen Soolquellen Heilung und Genesung zu suchen und zu finden. Allein ein sehr großer Theil der Badegäste steht den Bestrebungen der Verwaltung diese Segensquellen auch den Armen und Dürftigen zu erschließen, noch immer kalt und theilnahmslos gegenüber, und so kommt es, daß trotz des jährlich wachsenden Besuches dieses herrlichen Sool- und Seebades die Einnahmen aus den Spenden der Badegäste sich noch immer auf derselben niedrigen Höhe wie vor Jahren erhalten und weder mit dem inzwischen so bedeutend erweiterten Kreise der Wirksamkeit der Anstalt noch mit dem noch immer lebendiger wachsenden Interesse, das aus weiter Ferne den Bestrebungen der Verwaltung entgegengebracht wird, gleichen Schritt halten. Das noch immer nicht bedeutende Grundvermögen der Anstalt ist auf 102,817 M. 91 Pf. also um 4871 M. 02 Pf. gestiegen. Zwischen dem 1. Juni und l.October wurden 110 würdigen, armen und zugleich kranken Personen an 3730 Verpflegungstagen eine Sool- und Seebadckur, d. h. die nöthige ärztliche Behandlung, angemessene Verpflegung, Arzneien, Bäder und sonstige Kurmittel ganz unentgeltlich im AnstaltShause gewährt. Jeder Patient gebrauchte für seine Person eine Kurzeit, die sich zwischen 18—46 Tagen bewegte; durchschnittlich jedoch kam auf jeden einzelnen eine Kurperiode von 31,3 Tagen. Zu den Verpflegungstagen für die Pfleglinge deS HauseS kommen noch 655 Verpflegungstage für das besoldete Dienstpersonal, so daß im Ganzen 4385 Verpflegungstage gezählt wurden. In der zu dem Hospital gehörigen Badeanstalt sind 2528 Soolbäder unentgeltlich abgegeben worden und zwar kamen 1882 derselben aus die Pfleglinge des Hauses und 946 auf sonstige unbemittelte Personen, die der Anstalt nicht angehört haben. Dank der Hochherzigkeit der städtischen Behörden haben die Pfleglinge der Anstalt auch noch in der städtischen Badeanstalt 867 Seebäder nehmen dürfen. Hamburg. Zu den zahlreich hier bestehenden israel. Wohlthätigkeitsanstalten und Vereinen ist in letzter Zeit der Verein zur Speisung hilfsbedürftiger israel. Kinder begründet und bereits in Thätigkeit getreten. Ein ungenannt sein wollender Menschenfreund hat mit zur Förderung des Vereins durch