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Der Israelit · 1891-02-09 · Heft 12 (9.2.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 12 (9.2.1891)
Date
1891-02-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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228 nämlich sagen, daß der Commis doch nicht so leicht eine ander« »Existenz findet, bei der er religiös leben kann, suchen sie diesen mit einem Salair abzuspeisen, daS im Entferntesten nicht ausreicht, um das Leben in einer größeren Stadt möglich zu machen, abgesehen davon, daß hier der Unterhalt ohnedies bedeutend kostspieliger ist, als an einem kleinen Orte. Eine charakteristische Eigenthümlichkeit mancher Geschäfte ist eferner, daß hier mit großer Vorliebe — Lehrlinge angestellt werden, die den Chef so gut wie gar nichts kosten, aber doch Nutzen gewähren. Hier blüht geradezu die LehrlingSzüchterei und die Bezeichnung „Commis-Fabrik" für derartige Geschäfte ist leider eine mit Recht verdiente. — Ist doch das Wort: „Von heute ab sind Sie Commis, aber nicht bei mir", unter den Kaufleuten zur traurigen Berühmtheit gelangt. — Sobald eben der Lehrling seine Lehrzeit, wenn auch zur größten Zufriedenheit seines Chefs absolvirt hat, so wird ihm bedeutet, daß nunmehr hier nicht seiner Bleibens ist, und der Chef glaubt durch das Ausstellen eines guten Zeugnisses (oder bester Laufpasses) am Besten für sein — „Fortkommen" gesorgt zu haben. Denn in der That ist doch das Verhältnis, daß das Personal eines Geschäftes zu zwei Dritttheilen aus Lehrlingen besteht und nur zu einem Drittel aus Commis, nicht nur für die jüdischen jungen Leute ein großer Mißstand, sondern wirft auch auf die Liberalität des Chefs nicht eben das beste Licht. Ist es aber einmal für den Chef unvermeidlich, einen Commis zu engagiren — denn in gewissem Grade sind doch auch solche nothwendig — dann sucht man diesem noch den Eintritt in das Geschäft so sauer als möglich zu machen und namentlich seine spätere Existenz in unverantwortlicher Weise durch gewisse Schranken und Beschränkungen zu erschweren. Da werden den Reflectanten meist Contracte und Verträge aufgedrungen, die mit der oft gerühmten Culanz des Hauses in direktem Widerspruche stehen und aller Humanität Hohn sprechen. Da muß sich der Commis beispielsweise verpflichten, innerhalb einer Reihe von Jahren nicht in ein Geschäft Deutschlands (und manchesmal noch darüber hinaus) einzutreten, das in ähnlichen Zweigen arbeitet — andernfalls ist er genöthigt, eine Conventionalstrafe zu zahlen, die er in Anbetracht seiner Salairs nicht so bald zu erschwingen im Stande sein dürfte. So häufen sich alle möglichen Schwierigkeiten, um einem jungen Manne, der noch fest am Glauben seiner Väter hängt und getreu seinen Religionsgesetzen leben will, die Existenz fast unmöglich zu machen und ihm den Kampf ums Dasein täglich und stündlich in beängstigender Weise vor Augen zu führen. Ist es da noch ein Wunder, wenn viele, viele junge Leute ihrem Gotte untreu werden und im Hinblick auf ihre andersgläubigen oder „andersdenkenden" Standesgenosten mit der Zeit ihren festen Halt verlieren und in das Lager derer übergehen, die von einer Heilighaltung des Sabbats nichts mehr wissen und wissen wollen? Darf man dann die Schuld allein auf die junge Generation schieben, oder tragen nicht auch^die Verhältnisse, wie sie sich in diesen Geschäften allmählich herausgebildet haben, zu jener betrübenden Erscheinung wesentlich bei? Daß wir aber in diesen Zeilen die Mtßstände im Geschäftsleben nicht zu schwarz und pessimistisch geschildert haben, wird jeder Eingeweihte, der Muth besitzt, die Wahrheit einzugestehen, gern bezeugen und können wir überdies dieselben noch durch Zahlen und Acten reichlich belegen. Wir brauchen nach dem Gesagten nicht erst die Mittel und Wege anzugeben, wie diesem Mißstande abgeholfen werden kann. Ein Jeder, dem das Wohl seiner Kinder und die Heiligkeit der Thora noch am Herzen liegt, wird bei einigem guten Willen leicht im Stande sein, zur Beseitigung jener gerügten Nebel beizutragen. Und auch unS würde es sehr freuen, wenn diese Zeilen, die nur ans reinem Interesse für die Sache geschrieben sind, die Anregung hierzu gegeben haben, mao “Dtyi. Kmtnngsrrttchrichten und Correfponderrzen. Deutschland. Berlin. Im Saal der „Gesellschaft der Freunde" hielt Herr Prof. Dr. M. Lazarus einen im Allgemeinen recht schönen Vortrag. Doch die witzigen Bemerkungen über den wp' ip-©, der selbst in Sachs Siddur noch Eingang gefunden, und die Verwunderung, daß die Israeliten trotz Synode noch immer nicht am Sabbat fahren wollen, hätten füglich unterbleiben können. Ein Jugendfreund erlaubte sich den Herrll Professor zu fragen, ob derselbe denn nicht vor der von der Synode ausgesprochenen Licenz, das biblische Gebot, „auf daß ruhe dein Rind und dein Esel..übertreten habe. Der Vortrag war betitelt: „Ein vergessener Held." Ein Geislesheld war allerdings R. Josua b. Chananjah, dem Lazarus durch seinen geistvollen Vortrag einen würdigen Denkstein errichtete; aber vergessen hat ihn die jüdische Welt nicht, und sie wird seiner eingedenk bleiben, so lange die Weisen des Talmud Führer und Leiter unseres religiösen Lebens sein werden. — Und das, das wird bleiben immer und ewig. A. Frankfurt a. M. Der Rabbiner der hiesigen Hauptsynagoge Herr Dr. N. Brüll erlitt am Mittwoch einen Schlagaufall, dessen Folgen er gestern Abend erlegen ist. Er war geboren im Jahre 1842 in Kojetein in Mähren, wo sein Vater ebenfalls Rabbiner war, promovirte an der Universität Wien und wurde bald darauf Rabbiner in Bisenz, von wo aus seine Berufung an die hiesige Hauptsynagoge erfolgte, an der er zwanzig Jahre lang thätig war. Der freisinnigen Richtung im Judenthum angehörend, hat er sich doch weder politisch noch religiös an den Reformbestrebungen betheiligt. Er hat gelehrte Arbeiten in verschiedene Fachzeitschriften geliefert.

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