Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-02-09 · Heft 12 (9.2.1891) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 12 (9.2.1891)
Date
1891-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448135--31570-2479377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

den Titel: „ll'ds lle^s, Germans and other Foreigners amongst us. A Warning and an appeal to the electors of Great Britain“ führt und die Gefahren, welche den Engländern von dieser fremden Einwanderung drohen, in sehr düsteren Farben schildert. Die Zahl der in London lebenden Deutschen wird auf 80,000, in ganz England auf 250,000 geschätzt, während die Zahl aller Juden und Fremden zusammen kaum weniger als eine halbe Million betrage, an einer anderen Stelle ist freilich von 150,000 oder 200,000 Deutschen die Rede, welche in London leben sollen. Das sind offenbar Nebertreibungen, doch kann unbemittelten Deutschen und Juden nicht genug von der Auswanderung nach England abgerathen werden. Von maßgebender deutscher und jüdischer Seite in London werden in dieser Beziehung immer wieder Kundgebungen laut, allein dieselben scheinen leider noch immer nicht genügend berücksichtigt zn werden. Griechenland. Korfu. Drei Jahre sind soeben vergangen, seitdem unser verehrter Oberrabbiner A. de Fano sein Vaterland Italien verlassen hat, um das hiesige Rabbinat, welches das erste und reichste Griechenlands ist, zu übernehmen. Derselbe wurde damals jedoch blos für ein Triennium ausgenommen und hätte er somit jetzt, wenigstens der Form nach, aus seinem Amte scheiden sollen. In einer vor wenigen Tagen stattgefundenen Sitzung unseres Cultusvorftandes wurde indeß beschlossen, den Oberrabbiner auch für ein zweites Triennium im Amte zu bestätigen und unterdessen die Finanzlage unserer Gemeinde, die in Folge der großen Auslagen, die sie zu bestreiten hat, nicht die allerbeste ist, so zu gestalten, daß man den Rabbiner für lebenslänglich wird engagiren können. Auch sollen dem Rabbiner, der sich auch mit mehreren administrativen Angelegenheiten der Gemeinde zu beschäftigen hat, dieselben gänzlich abgenommen werden. Derselbe soll aber dafür mehr Zeit dem hebräischen Unterrichte in unserer Gemeindeschule widmen, um so den Ausgabenetat vermindern zu helfen. Der von einigen Gemeindemitgltedern gestellte Antrag, die Auslagen für die Armen und Dürftigen zu beschränken, um dafür die materielle Lage des Rabbiners verbessern zu können, ist jedoch entschieden abgelehnt worden. Asiatische Türkei. Smyrna. Um unter den Israeliten Kleinasiens u. besonders Anatoliens die Freude am Ackerbau zu erwecken, hat das Central-Comiteder„All. isr." Herrn Pariente, Director der Allianceschule zu Smyrna beauftragt, den Ankauf eines Bauerngutes in Bournabat bei Smyrna zn bewerkstelligen, um daselbst m_ zwei junge Leute einzuftellen, die ihre Lehrzeit in der Ackerbauschule zu Jaffa beendet haben. es sind dies die Herren Mizri und Mizrachi. Herr Pariente hat ihnen fünf Knaben anvertraut aus der Allianceschule zu Smyrna, welche unter ihrer Anleitung den Ackerbau erlernen sollen. Die Kinder werden auf dem Gütchen selbst erhalten. Am 7. Dezember hat Herr Pariente diese sog. kleine Ackerbauschule etngeweiht. Der Ober-Rabbiner Palatchö hielt die Feier ab, der alle iörael. Notablen von Smyrna beiwohnten. Das Anwesen wird nicht auf Kosten der Alliance bewirtschaftet, sondern von den Herren Mizri und Mizrachi, die der Alliance eine jährliche Pacht zahlen, welche sie nach einer gewissen Zeit in den Besitz des Gütchens setzen wird. Dieser Versuch ist sehr interessant und das Central-Comitö verfolgt denselben mit viel Aufmerksamkeit und Sympathie. Herrn Pariente kommt das Verdienst der Initiative zu, er bewahrt das Werk mit viel Sorgfalt, und falls cs von Erfolg gekrönt ist, so wird dasselbe zum großen Theil seiner Hingabe zuzuschreiben sein. Palästina. Jerusalem, 14. Jan. Ihr geschätztes Blatt war stets bestrebt rfcu.i nnsa maato mögen auch diese Zeilen einem solchen heiligen Zweck den Dienst nicht versagen. Vor mehreren Jahren ließ sich in der heiligen Stadt der betagte Rabbiner, Rabbi David L., der in mehreren Gemeinden seiner Heimath als Rabbino Maggiore fungirte, nieder. Der Mann, der in günstigen Vermögensverhältniffen ankam, hat, so lange seine Mittel es gestatteten, viel np*ni geübt, ist aber jetzt derart verarmt, daß er und seine Frau faktisch am Hungertuche nagen müssen, und um in letzter Zeit nur das Leben erhalten zu können, nacheinander die letzten Habseligkeiten veräußerten. Schamgefühl und Bescheidenheit hielten den der äußersten Roth preisgegebenen würdigen Mann davon ab, seine traurige Lage zu entdecken. Der Gefertigte hatte nach Erfahrung dieses traurigen Falles sich an einen bedeutenden deutschen Gelehrten gewendet, daß er durch seine ausgebrettete Bekanntschaft in Italien sein Möglichstes zur Hebung der Roth der verarmten Familie thun möchte. Der Genannte gab auch feine freundliche Zusage, leider, wie cs scheint, aber ohne Erfolg, da sich die unglückliche Lage des Herrn Rabbiner L. nicht geändert. Mögen unsere Brüder in Italien, deren Wohlthätigkeit oft in diesen gesch. Blättern gerühmt wird, sich auch ihres jüdischen Landesgenossen hier in einer Weise annehmen, daß er nicht in Roth verkümmern muß. C.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.