Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1891)
- Date
- 1891-02-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Minsk 1× ep/1000754
- Odesa 1× ep/1000834
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223 mit seiner Tochter. Juden und Christen tanzten hier zusammen. Aller Haß war aus dieser Versammlung geschwunden. Die Tochter des Gouverneurs tanzte sogar eine Quadrille mit, die fast nur von Juden getanzt wurde. Der Gouverneur, ein schon alter Mann, unterhielt sich sehr leutselig mit jüdischen Männern und Frauen. Dieser Ball, verbunden mit einem Wohlthätigkeits-Bazar, ergab für die Handwerkerschule einen Reingewinn von 1900 Rubel --- 4500 Mark. Bald darauf folgte in Minsk ein neuer Ball zu Gunsten armer Studenten aller Confessionen. Auf diesem Ball, der sehr stark besucht war, erschienen Russen, Polen und Juden. Auch hier sah man wieder den Gouverneur mit seiner Tochter. Während letztere fleißig tanzte, unterhielt er sich fast durchweg mit Juden. Würden die übrigen Gouverneure sich an diesem liberalen Manne ein Beispiel nehmen und etwas menschlicher mit den Juden verfahren, dann brauchten andere Staaten nicht mit Bittschriften vor dem Throne des Czaren zu erscheinen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Aus dem westlichen Böhmen, im Febr. In der Kreisstadt Pilsen, die ihres vortrefflichen Bieres wegen einen Weltruf genießt und die früher auch durch ihre Jahrmärkte berühmt war. durfte 1848 noch kein Jude wohnen. Rur während des Jahrmarktes war denselben der Aufenthalt dort gestattet. Im genannten Jahre begannen die ersten Inden sich dort anznsiedeln und heute bilden dieselben schon eine ansehnliche Gemeinde. Dieselbe geht nun daran, sich ein neues Gotteshaus im großartigen Style zu erbauen, das bei 200,000 fl. kosten wird. Eine traurige Eigentümlichkeit der Pilsener Jahrmärkte in der „alten guten Zeit" war es auch, daß sich während derselben Lehrer, Vorbeter, Rabbinatsverweser (ps psO und Kantoren in einer bestimmten Gasse zu versammeln pflegten, um sich dort unter Gottes freiem Himmel auf ein halbes Jahr oder länger zu verdingen. Brauchte damals irgend eine Gemeinde z. B. einen Rabbinatsverweser, so begab sich ihr Vorsteher nur nach Pilsen zur Messe, wo er sicher darauf rechnen konnte, das nöthige Synagogenlicht auf der Gasse finden und miethen zu können. Das war „die gute alte Zeit"! Rußland. Petersburg, 25. Jan. Der „Times" wird aus Petersburg berichtet, daß in Folge der Einwanderung einer großen Anzahl Juden in Samarkand die' Einwanderung von Juden dort verboten wird. Es sei unzweifelhaft, daß gegenwärtig keine Anstrengung gemacht werde, um die gegen die Juden gerichteten Gesetze durchzuführen; die Behörden und die Presse wtegelten ab. Der Zar habe die Berichte über die Guildhall-Versammlung gelesen und sei hocherfreut über den ihm persönlich gezollten Tribut. — Odessa. Mit großem Bedauern melden wir den Tod Nikanors, des Erzbischofs von Cherson und Odessa, welcher nach langem, schmerzlichen Leiden in der Nacht vom 7. auf den 8. v. M. in seiner bischöflichen Residenz zu Odessa verschieden ist. Der Verstorbene war ein Mann von großer Gelehrsamkeit, ein ausgezeichneter Redner und ein sehr fleißiger Beamter. Mit ihm erleidet die russische orthodoxe Kirche einen unersetzlichen Verlust, während die russischen Juden an ihm einen aufrichtigen Freund und Befchützer in dieser Zeit der großen Noth verlieren. Vor einigen Wochen ging die Nachricht durch die Blätter, daß die Regierung, unzufrieden mit Nikanors Predigten zu Gunsten der Juden, ihn aufgefordert habe, in den Ruhestand zu treten, und das wäre sicher der Fall gewesen, hätte es dem Allmächtigen nicht gefallen, ihn so unverhofft schnell zu seinen Vätern zu versammeln. Als die Nachricht von der gefährlichen Erkrankung des Erzbischofs bekannt wurde, beteten die Juden von Odessa, wie wir seinerzeit gemeldet haben, in ihren Gotteshäusern für seine baldige Genesung. Nun ist das Schreckliche, ehe wir uns dessen versehen, mit elementarer Gewalt plötzlich eingetroffen. Möge Gott unseren leidenden Brüdern in diesem Lande bald wieder einen ähnlichen Anwalt erstehen lassen, wie es der Erzbischof Nikanor war. England. London, 26. Jan. Lord Salisbury war von einem Herrn in Guilford aufmerksam gemacht worden, daß sich in Odessa eine Gesellschaft gebildet habe, um unbemittelte russische Juden nach England zu befördern und daß eine große Anzahl solcher Personen bereits in England eingetroffen sei. Darauf hat der Unterstaatssekretär, Sir James Ferguffon, im Aufträge Bord Salisburys geantwortet, derfelbe wisse nichts davon, daß hier zahlreiche mittellose Juden eingetroffen seien, obgleich die Regierung von der Einschiffung unbemittelter Personen nach England unterrichtet werde. Die Frage wegen der Einwanderung mittelloser Fremder wurde von den betreffenden Behörden, dem Handelsamte und dem Lokalverwaltungsamte nicht aus den Augen gelassen. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß augenblicklich in London lebhafter als je gegen die Einwanderung von Deutschen und Juden agitirt wird. Es liegt uris ein bei Charles Fieldingku. Co. (29 Poppins Court, Fleet Street, London E. C.) veröffentlichtes, nur einen Penny kostendes Flugblatt vor, welches