Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 12 (9.2.1891)
- Date
- 1891-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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220 mm noch nicht geschützt und bewahrt, noch nicht damit ein Heiligthum für Gott und Gottes Gesetz geschaffen, wenn es nicht auch Gott gleichsam mit sich genommen hätte, nicht die Gotteserkenntniß, nicht den Geist, der in der mm liegt, nicht den göttlichen Willen und die göttliche Absicht und danach seine Aufgabe als Mensch im Einzelnen und als Volk in der Gesammtheit erfaßt und erfüllt hätte. Wir sehen anfangs unser Volk begeistert, ohne Unterschied, Männer und Frauen, Arme und Reiche, ihrem Gotte eine Wohnstätte in ihrer Mitte zu errichten. Und doch sehen wir im Laufe seiner Wanderung und später im heiligen Lande, trotz des herrlichen heiligen Tempels, daß es seine Aufgabe außer Acht ließ, sich auf Irr- und Abwege begab und sich schließlich unglücklich machte. Nicht das pvv und nicht das anpo konnten ihm Glück und Segen bringen, nicht Friede und Sicherheit bieten, da es selbst den hohen Gedanken vergaß, ein Volk Gottes zu sein, da es nicht immer Gott mit sich nahm, und Genuß und Annehmlichkeit vorzog dem ernsten und wahren Streben, sich sehnte nach dem freieren und, wie es glaubte, schöneren und leichteren Leben der Nachbarvölker, weil es die Warnung seines Gottes nrwi DsaaJ» nrw nmn *6 nyyy: „Ihr sollt nicht wandeln nach Euren Herzen und nach Euren Augen," nicht beherzigt. Aber stets folgte darauf die Ernüchterung, die Einsicht und Einkehr und das Erkennen, sich vergessen zu haben, weil es vergessen, seinen Gott überallhin mit sich zu nehmen. Stets mußte es büßen, wie auch andere Menschen und Völker ihre falsche Lebensauffassung zu büßen haben. Auch heute baut man schöne, herrliche Gotteshäuser, aber nicht für Gott, nicht einmal für sich, sondern für die Welt, um zu zeigen: Seht wir sind religiös, wir sind edle Menschen, wahre Juden, wir nehmen Gott mit uns, errichten Ihm eine würdige Wohnstätte in unserer Mitte, wir stellen Seine Lehre, Sein Zeugniß hinein, um uns stets gegenwärtig zu halten, wie Sein Wort uns hoch und heilig gilt, wie Sein Wort uns belehren und begeistern soll, belehren über unsere Menschenaufgabe hier auf Erden, begeistern zu allem Wahren und Hohen, zu einem Leben voll des reinsten Strebens. . . .! Ja, wenn man das der Welt damit zeigen könnte, wenn man in diesem vorgeblichen Sinne das Gotteshaus errichtete! Wie versteht man der Welt glaubhaft zu machen, daß der moderne Jude ein höheres Ideal in der Religion anstrebe, daß er mit erleuchteterem Geiste, erleuchtet durch die Resultate der heutigen Wissenschaft, die Aufgabe des Judenthums erfasse! Man baut — und das ist, wie man sich oder Anderen einreden will, ein beredter Beweis für die lautere Absicht — ein schönes Gotteshaus, stellt die mm hinein, schmückt dieselbe mit köstlichem Schmucke, vergißt aber den Geber dieser mm, den Gottesgeist mitzunehmen, vergißt das Gotteswort zu hören und zu lesen. Bleibt es ja den Meisten ihr Leben lang ein siebenfach versiegeltes Buch. Wo bleibt da die nenn, die Spende für Gott, die wir zu bringen haben? Da kann freilich das prw nicht die Stätte sein, wo Gottes Geist wohnt, uns belebt und begeistert, da gehen wir wohl hin, stehen kalt und unberührt im Gotteshaus, fühlen uns fremd, und gehen wieder ebenso kalt und fremd und unberührt hinaus, sind und bleiben fremd im eigenen Hause, sind und bleiben ohne Verständniß für des Lebens höheren Werth, begeistern uns auch nicht so leicht für die höchste Wahrheit, begeistern uns für all das, was unsere persönlichen Interessen berührt und sonst für nichts, am Allerwenigsten für die eigene Religion. „Nehmet Mich mit ihr!" Treten wir ein in das jüdische Haus, das ja im engeren Sinne unser Heiltgthum sein soll; treten wir ein in das modern jüdische Haus! Da hat man ganz und gar vergessen. Gott mit hinein zu nehmen, da hat man ja auch Seine mm draußen gelassen. Denn Hausgesetze macht sich ein Jeder heute selbst, das überläßt Gott, wie man sagt, uns selbst. Wenn auch die mm solche Hausgesetze vorschreibt, so bleiben sie eben mit der mm draußen vor der Thüre. Und so wird auch die norm, die Spende, die wir überall, und ganz besonders in unserem Familienleben, aus der Mitte dieses Familienlebens heraus vor Allem Gott darbringen sollen, ganz vergessen. Am allerwenigsten aber dürften wir hierbei vergessen an die norm, gerade unser Herz sollte und müßte dazu antreiben. Da sind unsere Kinder, die wir nicht blos kleiden und ernähren müssen, sondern die vorzubereiten für's Leben, für ihren Menschenberuf uns erste Aufgabe und vornehmste Pflicht in unserem Hause sein muß. Unsere Kinder sollten die norm fein, die wir Gott als herrlichste, als schönste Spende bringen können und sollen. Und um diese Aufgabe, um diese Pflicht zu erfüllen, um bei diesem wichtigsten Schritte nicht fehl zu gehen, müßten wir die mm mit ihrem göttlichen Inhalte mitetnführen, um an ihm des Kindes Gcmüth und Geist großzuziehen, um ihm den Sinn für alles Gute und Reine beizubringen, im Hinweis auf Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der uns Alles, was wir zum Leben brauchen, was uns das Leben verschönt und beglückt, in Ueberfluß spendet, die Dankbarkeit, die Liebe und den Gehorsam Seinen Lehren gegenüber einzupflanzen, um dadurch im Hinweis auf die