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Der Israelit · 1891-02-05 · Heft 11 (5.2.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 11 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang Erste Beilage zu M 11 des „Israeli! §e Ieschurun" Literarischer Wericht. Beiträge zur Geschichte der rechtlichen Stellung der Juden, namentlich im Gebiete des heutigen Oesterreich-Ungarn vom zehnten bis sechszehnten Jahrhundert. Von N. Sait schick. Frankfurt a. M. 1890. I. K auffm a n n. 8. Seitdem überall die Archive dem Geschichtsforscher sich öffnen, zeigt sich auch auf dem Gebiete der Geschichte der Juden eine rührige und freudige Thätigkeit. Wir verdanken derselben namentlich eine Reihe schätzenswerther Monographien, die einstens das grundlegende Material für den Aufbau einer umfassenden und gründlichen Geschichte der Juden zu bilden bestimmt sein werden. Es kommt uns hierbei nicht in den Sinn, das Verdienst Grätz' um die Geschichtschreibung der Juden verkennen oder schmälern zu wollen, oder Jost's Thätigkeit als etwas Unwerthes anzusehen. Jeder nicht Voreingenommene wird dem Fleißc der beiden Männer die Anerkennung nicht versagen. Aber die Lückenhaftigkeit beider, ganz besonders aber die unverantwortliche Tendenzmacherei des Ersteren, der in die Quellen mehr hineinals herausliest, lassen beide Werke sehr besserungsbedüeftig erscheinen. Das täglich aus den Archiven neu gewonnene Material wird einem besonnenen und objektiven Historiker der Zukunft die Möglichkeit geben, ein wirklich gutes Geschichtswerk der Welt zu überliefern. Wir haben hier eine treffliche Schrift vor uns, die unfern Blick auf die rechtliche Stellung der Juden in Oesterreich bis ins sechszehnte Jahrhundert lenkt. Auch hier tritt uns die Erscheinung entgegen, daß die Inden im Anfänge des Mittelalters eine geachtete Stellung einnahmen, und daß von Ausnahmestellung und Bedrückung keine Rede war. Es ergibt sich aus den Forschungen des archivalischen Materials, daß nicht düsterer Glaubensfanatismus in erster Linie die Feindseligkeiten gegen die Juden anregte, daß vielmehr der berühmte National-Oekonom Roscher mit seinem Ausspruche Recht hat, Habgier und Eigennutz, Gewinnsucht und Neid seien die ersten Motoren des Judenhasses gewesen. „Die Verfolgung der Juden im Mittelalter", so sagt derselbe, „hat dann begonnen, wenn das Heranwachsende Bürgerthum reif wurde, die volkswirthschaftlichen Haudelsdienfte der Juden auf sich zu nehmen und ihnen daher zu mißgönnen." Erst als solcherweise die Stimmung gegen die Juden umgeschlagen war, als man in dem Juden den „Konkurrenten" fürchtete und darum haßte, da half dann die indeß mächtiger gewordene Kirche diesen Haß schüren und vereinte den Glaubenshaß mit dem Geschäftsneide. Es ist sehr wichtig, sich darüber klar zu werden. Der Glaubensfanatismus, so verwerflich er ist, hat immerhin etwas Ideales, da er sich von materiellen Interessen loslöst; die ganze Geschichte des Druckes, das Märtyrerthum unserer Vorfahren würde die Judenfeinde nicht in dem erschreckend häßlichen Lichte entsetzlichster Barbarei und wilden Kannibalismus erscheinen lassen, wenn cs eine Idee für die höchsten Güter der Menschheit gewesen wäre, die ihnen Schwert und Feuerbrand in die Hand drückte. Anders ist es, wenn es niedrige Gewinnsucht war, wenn der Neid auf die Konkurrenz zum Morden und Würgen aufrief, und wenn man dann diesem entmenschten Wüthen das fromme Mäntelchen eines Gotteskampfes umhängte. Wie nach der Aufregung der niedrigsten Leidenschaften dann Verfolgungen und Entehrungen in abwechselnder Folge sich die Hand reichten, Verfolgungen, die mit der gänzlichen Vernichtung der Judenheit des Landes geendigt hätten, wenn nicht ein Machtgebot der Fürsten und Herren, die mit den Juden nicht einen Baum fällen wollten, der ihnen reichliche Früchte trug und die leeren Schatzkammern von Zeit zu Zeit füllte, dem Morden bisweilen Einhalt geboten, zeigt uns an der Hand unverdächtiger archivalischer Quellen diese Schrift. Wenn auch mitunter menschlich denkende Päpste und sonstige hohe Würdenträger der Kirche sich bemühten, die zuerst mittelbar oder unmittelbar durch den Klerus entstandenen Verleumdungen als unwahr zu erklären, um so den Haß abzuschwächen und die Bevölkerung zu einer milderen Behandlung der Juden zu bringen, so war doch der Haß so tief eingewurzelt, war der Glaube an die tollste Beschuldigung, nachdem man sie so lange unwidersprochen gelassen, so in Fleisch und Blut übergegangen, daß diese Abmahnungen kaum eine vorübergehende Wirkung hatten. Erst der Zeit Joseph'- II. war es Vorbehalten, eine günstige Wendung im Geschicke der österreichischen Juden hervorzubringen. Wir empfehlen Saitschick's Schrift nicht nur den Historikern, sondern jedem Gebildeten. Zeitungsnachrichten und Corresponbenze«. Deutschland. Bamberg, 22. Januar. Wir erhalten folgende Zuschrift: Die in der 2. Beilage zu Nr. 5 des „JSraelit

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