Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-02-05 · Heft 11 (5.2.1891) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 11 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448134--31543-2479349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

198 und Jeschurun" erzählte Geschichte von einer unglücklichen jüd. Heldin, Frau Rosa Wasser, ist insoweit sie auf Bamberg Bezug hat, Dichtung und Erfindung. Die genannte Heldin ist weder beim Rabbiner der hiesigen Gemeinde, noch bei dem Unterzeichneten, noch, wie aus den Büchern zu ersehen — bei der Armenkaffe der hies. Gemeinde hilfesuchend gewesen. Vom Tische des hies. isr. Wander-Unterstützungs-Vereins, dessen letzter Jahres- Etat über M. 8000 aufweist, wird grundsätzlich kein Hilfesuchender gewiesen. Der Vorstand des isr. Wander-Unterstützungsvereins zu Bamberg. Neumann Frank. Oesterr.-Ungar. Monarchie. 8. 8. Wien, 23. Jan. Laut den statistischen Erhebungen des Kreisphysikus Dr. B arzycki in Rzeszow, nimmt Galizien hinsichtlich der Sterblichkeit unter den österreichischen Provinzen die vorletzte Stelle ein (am allerschlimmsten ist es mit der Bukowina bestellt) so daß während beispielsweise im Salzburgischen auf 100.000 Einwohner jährlich 2705 sterben, die Sterblichkeitsziffer in Galizien die Höhe von 3488 Personen erreicht. Diese abnorme Mortalität betrifft aber nur die christliche Bevölkerung, denn die Sterblichkeit unter der jüdischen Einwohnerschaft Galiziens, ist um die Hälfte kleiner, wie dies auch im „Przewodnik higieniczny" — Hygienischer Führer — hervorgehoben wird. — Die „St. Petersb. Wiedemosti" besprechen in einem ausführlichen Aufsatze die Lage der Juden in Rußland und stellen sich vor allem die Frage, was durch legislatorische Beschränkungen eigentlich erzielt werden könnte und kommt zur Folgerung, daß wohl ein Damm gegen eine Ausbeutung geboten sei, aber ein allgemeiner, nicht speziell gegen die Juden. Der Artikel schließt: Da dies sogenannte Ansiedluugs-Rayon von dem händlerischen Elemente überhäuft ist, so daß die ökonomischen Verhältnisse dieses Landestheiles leiden, ist es im eigenen Interesse gelegen eine theilweise Uebersiedlung dieser dichten Masse einzuleiten, und ihm hiezu die anderen Gebietstheile zu erschließen, da der Handel und Industrie jener uncultivirten, vom Centrum entfernten Gegenden vom unternehmenden Geiste der Juden nur Nutzen ziehen würde. Uebrigens meint das Blatt müßten die etwaigen Mängel der jüdischen Bevölkerung nach einem schulmäßigen Unterrichte schwinden, und die Ableitung der künstlich herbeigeführten Uebervölkerung nach den spärlich bevölkerten Landesstrichen wäre sowohl für diese Gegenden, als auch für die jüdischen Ansiedler nutzbringend. — In einem zweiten Artikel die „Judenfrage" behandelnd, schreibt das genannte Blatt wie folgt: „Warum treten unsere Zeitungen die „Judenfrage" so breit und verschweigen größere Krebsschäden? Man will angeblich Rußland vom Wuchern fremder Racen befreien, aber die traurige Lage unserer Landbevölkerung, die wachsenden Betrügereien und Räubereien, das gemeinschädliche Proletariat in solchen Dörfern und Städten, wo beinahe gar keine Juden anzutreffen sind, werden mit dem Mantel der Nächstenliebe bedeckt. Ist es nicht sonderbar, daß die reinrussischen Prellereien verschiedener Art todtgeschwiegen werden und nur dann Lärm geschlagen wird, wenn es sich um Ausländer oder um Juden handelt?" Die „Wiedomosti" sind ein offiziöses Organ, weshalb dieser Artikel doppelte Aufmerksamkeit verdient. — Pesth. Am 20. dss. kam der Entwurf des Sonntagsruhe-Gesetzes im Club der liberalen Partei zur Verhandlung, wobei Victor Hagau zu Gunsten der orth. Juden sprach. Minister Varoß erklärte, daß ihn gar keine konfessionellen Rücksichten geleitet haben, weßhalb er aus konfessionellen Gründen keine Ausnahmen gestatten könne. Auch im Club der gemäßigten Opposition wurde dieser Gesetzentwurf verhandelt. Dort führte Ludwig Horwath aus, daß man im Prinzip gegen den Wunsch der orth. Juden keine Einwendung erheben könne, er habe aber hinsichtlich der praktischen Durchführbarkeit Bedenken, weßhalb er es für wünschenswerth hält, daß im Hause ein Antrag eingebracht werde, wonach die Frage von der volkswirthschaftlichen Eommission berathen werden solle. England. London, 26. Januar. In keiner Stadt der Welt sind Nichtjuden für Juden energischer eingetrcten, als in London; aber in keiner Stadt der Welt treten Juden für sich selbst, für die Förderung des Judenthums weniger ein als hier, und in keiner Stadt könnte hierfür mehr geschehen als gerade hier. In aller Andenken stehen die herrlichen Kundgebungen, in welchen die englische Aristokratie ihrer Antipathie gegen die Bedrückung unserer russischen Brüder Ausdruck gegeben. Der Lordmayor, „der erste Beamte der größten Stadt der Welt," hat erst jüngst in seiner Petition an den russischen Kaiser unsere Brüder als „Nachkommen eine Rasse bezeichnet, welcher alle Religionen entstammten, die unsrige und die Ew. Majestät und jegliches Bekenntniß, das die Existenz Gottes lehrt, als „Leute" bezeichnet, „die mit allen Regungen ihres Herzens an ihrem alten Glauben und ihrem alten Cultus hängen." Jeden, der unsere hiesigen religiösen Zustände

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.