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Der Israelit · 1891-02-05 · Heft 11 (5.2.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 11 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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195 dieselbe nähere Nachrichten über die Krankheit und die letzten Augenblicke des Dahingeschiedenen erbittet und zugleich um Uebersendung der die Nachrufe enthaltenden Hamburger Blätter ersucht. London. Die Herren E.Barnett & Comp., Koscher- Fleischhauer und Geflügelhändler, Middlesex Street, Aldgate, schickten im Allerhöchsten Aufträge an das königliche Hofküchenamt das Lendenstück eines auf den Besitzungen Ihrer Majestät gezüchteten Preisrindes, welches von dem Herrn Barnett bei der letzten Viehschau erworben wurde. Das Lendenstück kam nach Osborne mit dem unversehrten Siegel des Schochets. Das ist vielleicht der erste Fall, daß Koscherfleisch für Ihre Majestät geliefert wird. Feuilleton. Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben in Galizien vor fünfzig Jahren von Nathan Samuely. (Fortsetzung.) „Ohne mich um des rothen Wölwele Flüche und Verwünschungen weiter zu kümmern," fuhr das blinde Schneiderlein fort, „hob ich mein blutendes Kind auf die Arme und trug es ins Zimmer. Hier untersuchte ich die blutende Stelle und bemerkte, daß der Rothe dem kleinen Jankele einen Vorderzahn ausgeschlagen. Rasch suchte ich das Blut zu stillen und beeilte mich, das vor Erregung zitternde Kind zu Bette zu bringen. „Keine Viertelstunde verfloß und alles Leid war vergessen. Rachele saß zu Häupten meines Sohnes, und die Kinder plauderten so zart und sinnig miteinander, daß mir jenes liebliche Kindergespräch bis zum heutigen Tage lebendig vor der Seele steht. „Lieb' Vaterleb!" begann die kleine Rachele. „Nicht wahr, Jankele wird einen anderen, schöneren Zahn wieder bekommen?" „Natürlich," erwiderte ich, „bis zum sechszehnten Lebensjahre wachsen die verlorenen Zähne nach." „Hörst', Jankele," jubelte das Kind, indem es den Zeigefinger in Jankeles Mund zwischen die lückenhafte Stelle hineinschob. „Schmerzt's Dich, wenn ich so den Finger halte?" „Es thut so wohl," erwiderte Jankele ihr Händchen erfassend und ihren Finger auf die wunde Stelle drückend, „so ist es gar so angenehm!" „Lieb' Vaterleb'," begann wieder Jankele, nachdem er eine kurze Weile in Gedanken verloren lag. „Wie heißt Rachele auf hebräisch?" „Rachele, lieb' Kind, heißt hebräisch Rachel!" „Und Jankele?" „Jankele heißt Jakob!" „Jakob — Rachel," klatschte Jankele lustig in die Hände, halb vom Bette aufspringend. „Da Hab' ich in der heiligen Bibel eine gar schöne Geschichte gelernt, auch von Jakob und Rachel. — Ei! Ei! ist das schön! Gib' mir nur die Bibel her, Rachele!" Das Mädchen reichte ihm die Bibel hin, die er aufschlug, um ihr dann mit seinem hellklingenden Stimmchen die Geschichte von Jakob und Rachel vorzulesen und zu erklären. Allerliebst waren die Kinder in diesem Augenblicke anzusehen, wie sie, die Arme umeinandergeschlnngen, sich mit ihren Krausköpfchen über das heilige Buch neigten. „Weißt Du, ich Hab' einen guten Gedanken, Jankele," fing Rachele an, indem sie den Zeigefinger sinnend auf die Stirne legte. „Einen Gedanken — so red' nur, lieb' Rachele!" „Wir wollen fortan so spielen, wie es in dieser schönen Geschichte beschrieben ist'" „Ei, das ist gut!" jauchzte Jankele, „ich werde mir auf dem Hofraum einen Brunnen machen!" „Und ich," ergänzte Rachele, „werde zu Dir mit den kleinen Hühnchen kommen, die mir immer folgen; das wird meine Heerde sein!" „Und dann," fiel Aankele luftig ein, „werde ich Dir um den Hals fallen und Dich auf den Mund küssen, aber —Jankele stockte. „Aber" — fuhr Jankele fort, „da heißt es in der Bibel: „Jakob küßte die Rachel und weinte" — und ich weiß nicht, wie ich weinen könnte, wenn mir so recht lustig zu Muthe ist." Rachele dachte stille nach. „Auch ich weiß es nicht", sagte sie endlich. O, hätten sie in diesem Augenblick die Hellen Thränen gesehen, die uns in den Augen standen, sie würden es gewußt haben, daß man vor Freude ja auch weinen kann. „Schon an dem nächsten Tage war Jankele außer dem Bette, und beide Kinder arrangirten ihr neues „Jakob- und Rachel-Spielchen". „Die ganze Woche kam mir der rothe Wölwele nicht zu Gesicht. Erst Freitag Abend sah ich ihn in der Synagoge bei seinem Ständer, der nicht weit von dem meinen in der Letzten Reihe stand. Sein Gesicht trug als Denkzeichen von mir eine tiefe, breite Schramme. Als er mich gewahrte, fingen seine Augen an unheimlich zu blitzen, und er drohte mir einigemal mit der geballten Faust. Beim Nachhausegehen stand er wieder vor mir, wie ein Raubthier, mit wildrollenden Augen und scharfen, blitzenden Zähnen, während er mir die unheimlichen Worte hinwarf: „Mit eigenen Händen wirst Du Deinem Söhnlein die Todtenkleider nähen, verlaß Dich darauf!" Mein Blut erstarrte bei dieser unheimlichen Prophezeiung zu Eis; als ich jedoch in meine kleine, behagliche, zu Ehren des Sabbat aufgeputzte Stube trat, die von den Sabbatlichtern strahlte, und meine selige Frau, umgeben von beiden Kindern, mir mit

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