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Der Israelit · 1891-02-05 · Heft 11 (5.2.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 11 (5.2.1891)
Date
1891-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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104 Rabbiner Taubes in derselben Sache verfahren ist. Denn unter Nr. 3597 erließ der Präsident des Appellationshofes ein Anschreiben an ihn, des Inhaltes „daß die Schwärform für Israeliten, die in der Kollektion der alten „Gesetzgebung" (?) der Moldau enthalten ist, durch die neuen Gesetze „nicht" (?) abgeschafft sek", während der Artikel 1912 der neuen Gesetze (cvä civil, gütig von 1865 an) ausdrücklich sagt: „Die Gesetzbücher der (alten) Fürsten Calimach und Caragaa sowie jedes vorhergegangene Civilgesetz, fürstliche Kabinetsbefehle (durch solchen vom 14.Juni 1844 allein wurde der Eid mors judaico cingeführt, nicht durch Gesetz) und Ministerialinstruktionen sind abrogirt (abgeschafft) in Allem was nicht gemäß der Regeln des gegenwärtigen Codex ist." Dieser § des neuen C. c. ist doch wohl völlig klar, auch giebt es ein bezgl. klares Erkenntniß des Obersten Gerichtshofes (Bulet. 1869, Rechtsfall 323 Pag. 396 8. C.) und im jetzt gütigen Gesetzbuch sind weder ein Judeneid, noch die dabei angewandten Formalitäten vorgesehen. Aber zur Chikanirung und Erniedrigung von Israeliten, sowie zum Lächerlichmachen ihrer religiösen Einrichtungen kann bei uns ein Appellationsgerichts-Präsident auch klare Gesetzestexte ableugnen. — Wie verlautet, soll die Zeitung „Asimilarca“, welche von den antisemitischen jüdischen jungen Leuten voriges Jahr nach ihrem Protest gegen Erichtung staatlich beaufsichtigter Gemeinden zur Bekämpfung ihres eigenen Blutes in's Leben gerufen haben, eingegang e n sein. Bei der Charakterlosigkeit und Frechheit der jungen Leute von denen sie herausgegeben wurde, hatte sie auf Pestand von vornherein keine Aussicht. Die wenigen jungen Leute wollten sich wieder einmal illustriren und — blamiren wie 1885, wo sie großmäulig gegen die von Armand Lcvy aus Paris befürworteten, sonst aber von den inländischen Juden perhorresckrte Consistorial-Organisation, also und um so mehr gegen Windmühlflügel „kämpften", als der damalige Kultusminister Dr. Sturdzia, ein enragirter Antisemit, gegen jede Einrichtung zum Vortheil der Israeliten war und es wahrscheinlich seinem Einfluß zuzuschreiben ist, daß angeblich auf Verlangen des Ministers E. A. Rosetti noch 1881 ausgearbeitet gewesene bezgl. Statuten vom Ministerrath abgelehnt wurden. Unterdeß haben wir Andere den Schaden von der „Freigeisterei" der „Assimilisten", denn z. B. ist dem israelitischen Krankenhause „Caritas" in Bukarest von den Eheleuten Alter und Perl Jankowicz eine nahmhafte Schenkung gemacht worden, die es aber nicht in eigene Verwaltung nehmen kann, weil es selbst keine juristische Person ist und wir vom Staate anerkannte israelitische Gemeinden nicht besitzen. Man ist daher zu dem Auskunftsmittel gezwungen gewesen, die Schenkung mittels königl. Dekretes (Nr. 2589) der Stadt Bukarest zur Annahme für die „Caritas" zu überreichen. Leider wird indeß bei unseren Behörden so sehr viel — defraudirt. Egypten. Alexandrien, 31. Dezember. Heute fand hier die solenne Einweihung des vom sel. Barone Behor de Menasse gegründeten israelitischen Hospitals statt. Trotz des ungünstigen Wetters waren noch vor festgesetzter Stunde der Gouverneur, der engl, commandirende General, die General-Consuln von Oesterreich-Ungarn, Italien, die Spitzen der Behörden, fast alle hiesige Professoren und Aerzte und ein zahlreiches Publikum erschienen. Die Feier begann mit dem Absingen des „Schir Chanukath Habajith" durch die Zöalinge der Baron Menaffe'schen Talmud-Thora-Schule, worauf der Oberrabbiner Comendatore Elie Harzon die Tribüne bestieg, um in beredten Worten im Namen der Gemeinde den Hinterbliebenen des Gründers den Dank zu zollen. Der hiesige unter dem Ehrenpräsidium des Barons E. I. L. de Menasse stehende Handwerker- Unterftütznngs- und Fortbildungsverein „Jad Charuzim" hat anläßlich dieser Eröffnung dem Gründer des Spitales eine Gedenktafel gesetzt, auf welcher die Verdienste der Familie De Menasse verzeichnet sind. Diese Gedenktafel ist ein wahres Kunstwerk zu nennen, an dessen Fertigstellung ein Zögling der Ecole Gratuife fondation de Menasce mitgewirkt hat. Es sei hier auch bemerkt, daß der Handwerker- Verein „Jad Charuzim" seit 2 Jahren 20 Zöglinge obiger Schule unentgeltlich zur Ausbildung in verschiedenen Handwerken und Künsten übernommen^hat. Nachdem noch der Procurist des Hauses Oe Uenasse über die Geschichte der Entwickelung des Spitales gesprochen, besichtigen die Herrschaften die einzelnen Räume des Prachtbaues. Das Spital ist comsortabel und läßt in hygienischer Beziehung nichts zu wünschen übrig. vermischtes. Auch in Oberdorf (Württemberg) nimmt der Rabbiner Herr Dr. Grün, wie uns berichtet wird, alljährlich bei der Weihnachtsfeier des Turnvereins einen Ehrenplatz ein. Auch diesmal ist jeder Commentar unnöthig. In Wallau (Nassau) herrscht zwischen Juden und Christen ein schönes Verhältniß. Als Beweis hierfür dient, daß der isr. Lehrer daselbst, Herr Falkenstein, welcher zum Ehrenmitglied aller daselbst bestehenden Vereine ernannt worden ist, schon oft bei festlichen Gelegenheiten zum Sprecher in diesen Vereinen erwählt wurde; auch beim jüngsten Geburtstag des Kaisers war dies der Fall. Einen dankenswerthen Beschluß hat das königliche Vorsteheramt der Israeliten in Kassel gefaßt. Allen ihm unterstellten Lehrern ist angesichts der gegenwärtigen hohen Lebensmittelpreise eine Theuerungszulage von 50 M. bewilligt worden. Möge dieses Beispiel zur Nachahmung anregen! — Hamburg. An die Wittwe des kürzlich verstorbenen Dr. Ree ist dieser Tage ein außerordentlich warm gehaltenes Condolenzschreiben der Kaiserin Friedrich gelangt, worin

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