Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1891)
- Date
- 1891-02-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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182 hochgeachteten Prediger und Religionslehrer, der auch in den weiteren Kreisen der Einwohnerschaft wegen seiner Herzensgüte und seines ausgezeichneten Charakters, verbunden mit liebenswürdigen Umgangsformen, allgemein geschätzt und verehrt wurde. Der Verstorbene erreichte ein Alter von 60 Jahren; er war geboren in Gutenberg bei Kassel, wurde nach beendetem Studium Rabbiner in Kolberg, dann in Waren (Mecklenb.-Schw.), hierauf in Lehrensteinfels und zuletzt, 1863, nach Selbständigmachung der isr. Kirchengemeinde, hier in Heilbronn. Schon seit mehreren Jahren leidend, mußte er noch den Schmerz erfahren, daß ein hoffnungsvoller Sohn und eine verheirathetete Tochter vor ihm aus dem Leben schieden. Dies trug mit dazu bei, daß sich sein körperliches Leiden verschlimmerte, bis endlich gestern die Auflösung eintrat. — Oesterr.-Ungar. Monarchie. 8.8. Wien, 19. Jan. Anläßlich der Activirung der Baron Hirsch-Stiftung, beklagt sich die „Bukowinaer Rundschau", daß man es als überflüssig erachtet hat, ins Kuratorium Vertrauensmänner aus der Bukowina zu berufen, denn nur solche können mit den Landesverhältnissen vertraut sein. DaS Blatt spricht weiter den Wunsch aus, daß man ja nur bei Bildung der Lokal-Comitss nicht Personen aus dem Cultusvorstande in Czernowitz berufe, denn dann, meint das genannte Journal, wäre eS mit der Stiftung in der Bukowina sehr schlecht bestellt. Die „Bukowinaer Rundschau" ist ein in liberalem Sinn redigirtes Journal, welches die jüdischen Verhältniffe gut kennt und unsere Interessen verfechtet. Dasselbe Thema wird auch von der in Czernowitz in polnischer Sprache erscheinenden „Gazeta Polska" ventilirt und diese Zeitung schreibt: „Galizien besitzt eine erkleckliche Anzahl aufgeklärter Israeliten, welche dafür Beweise erbrachten, daß sie treue Söhne ihres Landes sind. Dort wird es also leicht fallen, solche Männer in die Executiv- ComitLs zu wählen, deren Vergangenheit dafür bürgt, daß sie nach besten Kräften bestrebt sein werden, ihre Aufgabe im vaterländischen Sinne zu erfüllen. Schwerer wird es aber damit in der Bukowina halten, denn die Partei, welche bei uns das Heft führt, wird vor allem ihre eigenen Parteiinteressen wahren und ihren Einfluß dazu benützen, daß die Confessionslosigkeit und der aus egoistischen Motiven entspringende Kosmopoltttsmus immer mehr an Boden gewinne. Budapest. Der Gesetzentwurf bezüglich der „Sonntagsruhe,, dürfte im ungarischen Parlamente in den allernächsten Tagen zur Verhandlung gelangen. Wie bekannt, hat die jüdisch-orthodoxe Durchführungscommission, in ihrer Eigenschaft als Landesrepräsentanz der orthodoxen Judenheit Ungarns, gegen das contemplirte Gesetz eine Petition an das Abgeordnetehaus gerichtet und entfaltet überdies eine lobenswerthe Rührigkeit, um die hervorragenden Führer der verschiedenen politischen Parteien für das gerechte Verlangen der Juden zu gewinnen. Die Durchführungs - Commission wendete sich übrigens auch an die Rabbiner von London und Amsterdam wegen Angabe der dortigen Verhältnisse und bei Benützung des von dort erhaltenen sehr schätzenswerlhen Materials ist es ihr gelungen selbst die Sympathien solcher Abgeordneten zu gewinnen, die ursprünglich in dieser Frage ganz anderer Ansicht waren. Selbst der Handelsminister Baroß beharrt nicht mehr au jenem schroffen Standpunkte, den er bei Einreichung des Gesetzentwurfes eingenommen, und es ist be gründete Aussicht vorhanden, daß, wenn auch nicht die ganze, so doch ein wesentlicher Theil der angestrebten Linderung des ursprünglich so schroff gehaltenen Gesetzes erreichbar sein wird. Der Chef der ungarischen Regierung, Ministerpräsident Graf Szapary, veranstaltete am 24. dss. eine große Soiree, zu welcher er die hervorragenden Reichstagsabgeordneten, hohe Würdenträger, die Spitze» der oberen Behörden und Vertreter der Confessionen eingeladen. Ein erfreuliches Zeichen bezüglich der Gesinnung der ungarischen Regierung bietet der hier viel bemerkte Umstand, daß zu dieser Soiree auch die beiden Präsidenten der jüdischen Landesvertretungen, Martin Schweiger (Präses der Congreßkanzlei) und Ignaz Reich (Präses der jüdisch-orthodoxen Durchführungscommission) geladen wurden. Dr. Vsßi. Amerika. Washington, 12. Januar. Das hiesige Census-Bureau hat eine spezielle Statistik des israelitischen Theiles der Bevölkerung der Vereinigten Staaten aufnehmen lassen und wird dieselbe demnächst in Bulletin^Forrn veröffentlichen. Die Statistik ist zwar keine ganz vollständige, dürfte aber trotzdem eine ganz interessante sein. Die betreffenden statistischen Erhebungen beschränken sich auf 10,618 Familien mir zusammen 66,630 Mitgliedern am 31. Dezember 1889. Während der am letztgenannten Datum beendeten fünf Jahre hatten in diesen Familien im Ganzen 2148 Eheschließungen, 6038 Geburten und 2062 Todesfälle stattgefunden. Daraus, daß zwei Drittel dieser Familien einen oder mehrere Dienstboten hatten, schließt das Eensus-Bureau, daß sich dieselben in guten Verhältnissen befinden. Am 31. Dezember 1889 war die Durchschnittszahl der Mitglieder jeder Familie 5,71 und während der an dem genannten Datum beendeten fünf Jäher 5,71. Die jährliche Durchschnittszahl der Heirathen betrug pro Tausend nur 7,4 gegen 18 bis 22 für den nichtjüdischen Theil der Bevölkerung der östlichen Staaten. Auch war das Alter der die Ehe eingehenden Personett bei den Israeliten durchschnittlich viel höher als bei dem anderen Theile der Bevölkerung. Aus diesen Gründen erklärt sich auch die verhältntßmätzig geringe Geburts-Rate. Die Durchschnittszahl der Todesfälle während des in Rede stehenden fünfjährigen Zeitraums war 7,11 pro 1000, etwa die Hälfte der Durchschnittszahl für die ganze Bevölkerung. Auf Basis der im Jahre 1889 vorgekommenen Todesfälle berechnet, ist die Höhe des Wahrscheinlichkeit-Alters für die männlichen Israeliten 61,11 und für die weiblichen 56,02 gegen 49,99