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Der Israelit · 1891-02-02 · Heft 10 (2.2.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 10 (2.2.1891)
Date
1891-02-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu M10 des „Israelit & Jeschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 2. Februar. Die wegen ihrer wahrhaften und aufrichtigen Religiosität allgemein hochgeachtete Frau Adelheid Kulv, dahier, begeht in diesen Tagen das seltene Fest ihres 91. Geburtstages. Man wird ihr bei dieser Gelegenheit das Bild von ihren 101 Nachkommen, worunter sogar Ururenkel sich befinden, überreichen. Die Gefeierte, die eine eifrige Förderin der Armen des heiligen Landes ist, beschäftigt sich noch heute, trotz ihres hohen Alters, mit -ivn. Möge dieselbe sich noch eine lange Reihe von Jahren ihrer Gesundheit und Lebensfreudigkeit erfreuen. Hamburg. Der „Verein für weibliche Krankenpflege", der seit Jahren hier besteht und wenn auch mit geringen Mitteln bisher viel Gutes gewirkt bat, hielt Sonntag den 25. Januar die diesjährige Vorstandsversammlung ab. — Herr Vorsteher Banquicr E. Cal man konnte im Anschluß an den Jahresbericht mit besonderer^ Freude konftatiren, daß der Verein sich im letzten Jahre durch den Anwuchs der Beiträge und besondere Legate sehr gehoben habe und dadurch im Stande war, einer gröberen Anzahl Unterstützungsbedürftiger Hilfe angedeihen zu lassen. — Der Verein erfüllt nämlich den hohen Zweck von und zwar: Reconvalcscenten mehrere Wochen mit entsprechender kräftiger Kost zu pflegen. — Besondere Verdienste um den Verein hat sich im verflossenen Jahre die Vorsteherin Frau Therese Ree erworben, welche mit der Vertheilung der Krankenkost betraut war, indem sie, durch ihre Gutmüthigkeit und Opferwilligkeit veranlaßt, sehr oft Gnade vor Recht ergehen, Bedürftige länger speisen ließ, als es eigentlich den Statuten gemäß gestattet ist. Wir können nur wünschen, daß diese Frau, welche auch sonst hier genügend bekannt ist durch ihren edlen Sinn und eifriges reges Schaffen für gute und fromme Zwecke, noch viele, viele Jahre zum Heil und Segen ihren Mitmenschen wirken möge, und daß der genannte wohlthätige Verein, welcher in einer Großstadt wie Hamburg ja so oft und von so vielen weiten um Hilfe angegangen wird, allseitige Förderung durch den Beitritt recht vieler neuer Mitglieder finden möge. Z. Breslau, 13. Jan. Ter „M. Z." wird folgende Gk* schichte erzählt: In einer großen Stadt einer größeren Provinz Deutschlands schwebte jüngst, ein .Strafverfahren gegen einen, verschiedener Diebstähle^ beschuldigten Handlungslehrling. Der Principal desselben wurde von dem Ermittelungsrichter vernommen und bei dieser Gelegenheit stellte sich heraus, daß die dem Kaufmann entwendeten Beträge so geringe waren, daß es zur Verfolgung der Dieb stähle eines Strafantrags seitens des Bestohlenen bedurfte. Der Kaufmann wurde nun gefragt, ob er diesenIStrafantrag stellen wolle. „Ach, was liegt mir daran, daß der Mensch bestraft wird. Ich stelle keinen Strafantrag", erwiderte der Kaufmann. Der Richter bemerkte nun, daß es doch im Jntereffe der öffentlichen Ordnung liege, einen Uebelthäter wie den Beschuldigten nicht straflos ausgehen zu lassen, und daß in diesem Sinne der Kaufmann Strafantrage stellen müsse. „Wenn ich den Strafantrag stellen, muß, dann muß ich ihn eben stellen, sonst stelle ich ihn aber nicht", erklärte der Kaufmann und dabei blieb er. Der Strafantrag wurde also, da der Kaufmann zur Stellung desselben nicht verpflichtet ist, nicht gestellt. „Natürlich", sagte schließlich der Richter, „der Beschuldigte ist Jude und Sie sind auch Jude und deßhalb stellen Sie keinen Strafantrag. Ein Jude thut dem andern nichts". Diese Bemerkung gab dem Kaufmann Veranlaffung, sich über den Richter, zu beschweren. Der Präsident des betreffenden Landgerichts erachtete die Beschwerde für begründet und ließ sich in diesem Sinne gegen den Richter aus. Der Richter beruhigte sich dabei nicht, sondern ries die Entscheidung des Präsidenten des Oberlandesgerichts an. Dieser erklärte, daß die Beschwerde unbegründet sei, daß die Vorhaltungen, die der Richter dem Kaufmann gemacht, durchaus am Platze gewesen seien. Mit diesem Entscheide war der Kaufmann nicht einverstanden und wandte sich deßhalb beschwerdeführend an den Minister. Der letztere rescribirte, daß die Beschwerde begründet sei und wies den Oberlandesgerichts-Präsidenten an, dem Richter eine Vermahnung zu ertheilen. Es komme einem Richter nicht zu, bemerkte der Minister, an dem Entschluffe jemandes, einen - Starsantrag zu stellen oder nicht zu stellen, Kritik zu üben. Bamberg, 16. Jan. Wie feit vielen Jahren schon, weilt auch in diesem Jahrein unseren Mauern seil über acht Tagen ein wahrer Virtuos im Schnorren. Er führt sich namentlich bei Israeliten dadurch ein, daß er von irgend einem auswärts wohnenden Verwandten herzliche Grüße bestellt, in unverschämtester Weise von allen Famltenmitgliedern erzählt, Schwester Brüder, Schwäger 2c. aufs Genauste kennt — und nicht von der Stelle geht, bis er eine gehörige Gabe bekommt. Das Großartigste ist sein Gedächtniß und wie er sich alle Verhältnisse zu Familienmitgliedern verschafft. Kinder auf der Straße packt er an, fragt sie aus, Dienstmädchen macht er Geschenke 2c. Er ist sehr gut gekleidet, kriechend freundlich, ist ans Offenbach und, wie eingehendste Erkundigungen feftgestellt, ein notorisch sehr reicher Mann! Dies zur Aufklärung und Warnung. Für die Polizei wäre der Mann ein gewiß guter Fang und für die wohlthätigen Menschen die Erlösung von diesem Schwindler eine Woblthat. Heikbronn, 17. Januar. Allgemeine Theilnahme findet die Kunde von dem gestern Abend halb 8 Uhr erfolgten Tode des Herrn Rabbiners Tr. Moses Engelbert. Die hiesige israelitische Gemeinde verliert au ihm einen begabten

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