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Der Israelit · 1891-02-02 · Heft 10 (2.2.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 10 (2.2.1891)
Date
1891-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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178 Ministers auf 3 Jahre verschoben worden sei, als völlig unbegründet. Diese „Mystifikation" sei nur erfolgt, um die schmachvolle Niederlage der Londoner Judophilen" zu verhüllen. — Bulgarien. Aus Sofia wird der „Laubhütte" geschrieben: Die sephardische Gemeinde kann ihres Rabbiners nicht froh werden. Seit der Ankunft des jetzigen Würdenträgers schwebt ein förmliches Verhängniß über diesem im Entstehen begriffenen Großrabbinate. Wir gedenken in diesen Zeilen nicht Parthei wider oder für Dr. Dankowitsch zu ergreifen, nur bedauern wir aufs Lebhafteste, daß es so weit gekommen, daß bei der gegenwärtigen Animosität gegen Dr. Dankowitsch die eventuelle Wiederbesetzung durch einen tüchtigen Rabbiner aus der europäischen Rabbinerwelt auf Hindernisse stoßen dürfte. Für diesen hervorragenden Posten, welcher fegensvoll für alle bulgarischen Juden hätte werden können, wäre eine andere Richtung und größere Gelehrsamkeit im jüdisch-rabbinischen Fachwissen unbedingt nothwendig. Hier verlangt man nicht etwa wie in einem Kleinstädtchen Mährens blos den Slavologen, sondern den ersten Richter in jüdischen Strafsachen und Lehrer des Volkes. Hier scheint schon lange nicht die Sonne des jüdischen Wissens geleuchtet zu haben, deßwegen befinden sich Zehntausend im düstern Grau der Unwissenheit. Die Allianceschule wollte diesen Nebel nicht zerstreuen, sondern den Kindern statt jüdischen französischen Geist einimpfen. Dem Großrabbiner würde somit die lohnende Aufgabe zusallen, das beseligende Wort zu sprechen: 'ri>! keineswegs aber ein Statut zu verfassen, welches den Spaniolen den panischen Schreck einer Knechtschaft mit rabbinischer Dictatur einjagte. Dieses Machwerk hat gerade das Gegentheil des beabsichtigten Erfolges erzielt, nämlich den Argwohn der Spaniolen gegen jeden deutschen Rabbiner und gegen die aschkenasischen Juden überhaupt in hohem Maße provozirt, und dieses Mißtrauen ist es, welches den Rabbiner Dankowitsch aus seiner festen und erhabenen Position herausdrängt. Wie man vernimmt, soll Herr Dr. Dankowitsch genöthigt sein, das Statut zurückzuziehen. Dieses Zurückweichen benimmt selbstverständlich den unumgänglichen Nimbus des Großrabbinats. Das Pro und Contra in der Gemeinde fand bereits seine Erörterung im „Telegraph", welcher in spaniolischer Sprache in Konstantinopel erscheint. Viel trauriger sieht es noch im Lager der Aschkenasier aus. Abgesehen davon, daß die meisten der Zuzügler arme Handwerkerfamilien sind und aus allen möglichen Ortschaften sich recrutiren, besitzen dieselben nicht den nöthkgen Grad von Bescheidenheit sich von andern besser Unterrichteten leiten zu lassen. Die Kinder besuchen die Missionsschule und vergeffen wohl das Judenthum ganz. Wie dringend märe hier eine hilfreiche Hand, wie viele Inden könnte man dem künftigen Taufbecken entreißen! Die Hoffnungen, welche man an die Jnstallirung eines aschkenasischen Rabbiners knüpfte, wurden zu Wasser, denn es wurde statt Annäherung beider Elemente nur Entfremdung erzielt. Möge eine berufenere Persönlichkeit einmal kommen, uni Licht und Frieden unter die getrennten Brüder zu bringen. B. Z. > vermischtes. Heilbroun, 19. Januar. Vorgestern starb nach langer Krankheit unser Rabbiner Herr Dr. Moses Engelbert. Stockholm, 4. Januar. Herr Abr. Hirsch, Ritter des Wasa-Ordens, ist mit dem Nordstern-Orden ausgezeichnet worden. Wien, 25. Januar. Die .in der heutigen „Wiener- Zeitung" publizirte und kommentirte Auflösung desReichsrathes hat allgemein überrascht. Die Auflösung erfolgte infolge des Treibens der Jungczechen im böhmischen Landtage, aber auch des Treibens der Antisemiten im niederösterreichischen Landtage. Der künftige Reichsrath soll eine konservative Majorität schaffen, in der neben den Altczechen, den Großgrundbesitzern und den Polen auch die deutschliberale Partei hervorragend vertreten sein soll. Die künftige Opposition soll nur aus den extremen Elementen der Jungczechen, den extremen Klerikalen, den Deutschnationalen und Antisemiten bestehen. Wir berichten jüngst, daß in Kiew den jüdischen Kaufleuten erster Gilde, welche bisher Kommis nach Belieben anstellen durften, durch die Polizei verboten worden ist, mehr als einen jüdischen Kommis zu beschäftigen, außer wenn es der Generalgouverneur erlaubt. Der „Köln. Z." zufolge haben nun die hierdurch betroffenen jüdischen Kaufleute beschlossen, die Bezahlung ihrer Wechsel einzustellen, da sie geschäftlich schwer geschädigt wurden. Ein Moskauer Kaufmann, der 45,000 Rubel in Kiew einkassiren wollte, mußte mit diesem Bescheid ohne Geld zurückkehren. g e u Hie t u n. ptf Eine Erzählung aus dem jüdischen Leben in Galizien vor fünfzig Jahren von Nathan Samuely. < Fortsetzung.) „Daß Du, kluger Aristoteles, für Alles Deinen heiligen Posik hast," wehrte sich der Blinde, „ist sehr schön, doch werde ich nicht lange mehr meine Sorge mit mir herumtragen, denn im Grabe ist Raunl genug, sie abzuschütteln. Ihr aber, Kinder, dürft Euch das Herz nicht betrüben lassen. Statt meiner Geschichte, die nur vom Tod zu berichten weiß, erzählet Euch lieber vom Leben, vom frohen, munteren Leben!" „Heißt es nicht in einem Spruche Salomo's,"

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