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Der Israelit · 1891-02-02 · Heft 10 (2.2.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 10 (2.2.1891)
Date
1891-02-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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177 Gegenkandidat war der Antisemitenführer Dr. König. O esterr.-Un gar. Monarchie. Wien, 26. Januar. Das Comite der von Dr. Jakob Rappaport zum Andenken an seinen Vater Dr. Moriz Rappaport errichteten Stiftung veröffentlicht neuerlich folgende Preisfrage zur Lösung: „Geschichte der Juden in Rom seit ihrer ersten Niederlassung in der Hauptstadt des römischen Reiches bis zum Verschwinden des römischen Ghetto unter der Regierung des Königs Humbert I." Es ist einer der interessantesten und merkwürdigsten Theile der Geschichte der Juden, der hier zur Verarbeitung vorgelegt wird. Er umfaßt die Epochen der römischen Republik, der Herrschaft der römischen Kaiser, der geistlichen Macht des Papstthums und der Proklamirung RomS als der Hauptstadt des geeinigten Italiens. Innerhalb dieses zweitausendjährigen Zeitabschnittes sind die Juden in Rom politisch hervorgetreten, haben zahlreiche, sie betreffende Gesetze veranlaßt, viel Herbes und Bitteres erfahren, eine reiche Thätigkeir auf dem Gebiete der Wissenschaften, sowohl durch Originalwerke als durch Uebersetzung philosophischer und medizinischer Schriften, entfaltet und an dem Weltverkehr in kommerzieller Beziehung sich fördernd betheiligt. Die Bearbeitung der hier gestellten Preisfragen soll alle diese Momente berücksichtigen, das politische, soziale, und geistige Leben der römischen Juden ausführlich schildern und sich nicht blos mit der Benutzung vorhandener Vorarbeiten begnügen, sondern auch Quellenforschungen anstellen und womöglich wichtige, noch unbekannte geschichtliche Dokumente beibringen. Wünschenswert ist auch, daß die Bearbeitung Proben von den Dichtungen jüdischrömischer Dichter in Uebersetzung mittheile. Die Arbeiten können in deutscher, französischer oder italienischer Sprache abgefaßt werden. Als Preissumme für die beste Schrift wurden zweitausend Gulden österreichischer Währung bestimmt. Diejenigen Herren, welche um diesen Preis zu konkurriren beabsichtigen, werden ersucht, die Preisschrift bis längstens 31. Dezember 1892, Mittags 12 Uhr, ins Sekretariat der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, I., Seitensstettengasse 4, ohne Nameusfertigung, mit einem Mottb versehen, einzusenden und in einem Couwert, welches dasselbe Motto trägt, versiegelt, Name und Adresse anzugeben, wobei bemerkt wird, daß stiftbriefgemäß dem Autor das Recht des Eigenthums bleibt, daß jedoch die Publizirung der Preisschrift, falls dieselbe vom Antor nicht veranlaßt wird, von dem Vorstande der Wiener israelitischen Kultusgemeinde über Vorschlag des Unterzeichneten Comites vorgenommen werden kann. Das Comite der Dr. Moriz Rappaportschen Stiftung." England. London. Herr Rabbiner Dr. Gaster richtete nach der „I. Wchschr." folgendes Schreiben an die Redaktion der „Times": „Als Opfer der liberalen Saatsverwaltung Bratiano's kann ich jetzt wiederholt bezeugen, daß derselbe immer das gewesen ist, was zu sein er jetzt öffentlich eingesteht, ein grauser Feind und Verfolger der Juden, der während der letzen 12 Jahre schon allen Gefühlen seines JudenhaffeS, den er jetzt öffentlich zeigt, Ausdruck gegeben hat. In einer Publikation, welche ich augenblicklich unter Händen habe, werde ich von der unbarmherzigen Verfolgungssucht, der raffinirten Grausamkeit und der barbarischen Behandlung, welcher die Juden in Rumänien während seiner 12jährigen Regierung zum Opfer fielen, Mittheilung machen und Thatsachen erzählen, daß Jedem, der sie hört, die Ohren gellen werden. Die Mittheilung wird eine Reihe positiver Facta enthalten, welche offiziellen Akten und rumänischen Zeitungen entnommen sind. Alles, waS über Rußland erzählt wird, wird möglicherweise noch übertroffen werden von den „Berichten über die Leiden der Juden in Rumänien", denn alle Gesetze und Verfügungen, womit man heute in Rußland droht, sind ihrem ganzen Inhalte nach und im wahrsten Sinne des Wortes in Rumänien schon praktisch zur Ausführung gekommen. Man wird erfahren, wie trotz der Berliner Vertrage» und Europa zum Hohne die Lage der Juden noch trauriger geworden ist, als sie vor 1877 war. Sie stehen heute außerhalb des Gesetzes. In ihren Gefängnißmauern werden sie jeden Tag mehr eingeschränkt; mehr als früher werden sie von den Nnterrichtsanstalten ausgeschlossen, zu deren Unterhaltung auch die Juden beitragen. Sie wurden gezwungen, ohne irgend welche Aussicht auf Avancement im Heere zu dienen, alle Aemter wurden ihnen verschlossen sowohl im Unterrichtsals im Justizfach. Sie wurden au» den Dörfern in die überfüllten kleinen Städte getrieben u. s. w. Die Analogie mit der Lage ihrer unglücklichen Brüder in Rußland geht aber noch weiter. Wir haben auch da» durch ein Brandmal entstellte Angesicht eines unschuldigen Judenknaben zu verzeichnen und — last not least — wie die Regierung Bratiano's die grausame Aera der Judenaustreibungen inaugurirt und die Juden, die in Rumänien geboren und erzogen wurden, als Vagabunden behandelt hat. Durch Gesetze und geheime Dekrete, welche er an die Präsekten schickte und wovon er bis heute niemals öffentlich gesprochen hat, hat er die Juden intensiv verfolgt. Rußland. Petersburg, 24. Jan. Wie die „Nowoje Wremja" hört, hat der Senat die Frage, ob Juden berechtigt sind, überall in einer Entfernung von fünfzig Werst von der westlichen Landesgrenze unbewegt ickes Eigenthum zu erwerben, oder nur im Weichbilde der Städte und Flecken, wo sie vor dem 27. August 1858 eingeschrieben waren, dahin entschieden, daß dieselben nur im Weichbilde vorbezeichneter Städte und Flecken unbewegliches Eigenthum erwerben dürfen. Der „Grashdanin" bezeichnet nun ebenfalls die Meldung, daß die Anwendung der gegen die Juden gerichteten Gesetze auf Vorstellungen des Finanz-

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