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Der Israelit · 1891-02-02 · Heft 10 (2.2.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 10 (2.2.1891)
Date
1891-02-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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176 Monarchen in Trümmer geschlagen! Bald wird der Bauer wieder der Willkür der Gutsherrn preisgegeben sein. Wenn auch gesetzlich frei, wird dennoch der Landmann in seine alte Abhängigkeit zurücksinken. Der Jude, welcher bislang den Landleuten mit Rath und That zur Seite stand, wird ans den Dörfern vertrieben, damit den Grundherrn freier Spielraum gewährt bleibe, die Einfalt der Bauern gründlich auszunützen, damit kein Lichtschimmer in diese vom Weltengetriebe ferne Hütten dringe. Was der humane Kaiser vor 33 Jahren angestrebt, — ein freies und glückliches Rußland zu schaffen. —, soll systematisch zerstört werden. Und darum müssen diejenigen, bei welchen man eine freie Regung vermuthet, welche die prätentiöse Forderung stellen könnten, als treue, aber auch als freie Unterthanen leben zu wollen, darum müssen sie bluten. Darum wird das Andenken und die Erinnerung an einen „Vater des Vaterlandes" in den Staub getreten. — Wir in der Residenz, die Tag für Tag von Flüchtlingen aus dem Ostreiche heimgesucht werden, wir haben gründliche Kenntuiß von den unsagbaren Leiden, die über unsere Glaubensbrüder hereingebrochen sind; wir dürfen nicht ruhen noch rosten, bis wir nach Kräften zur Linderung des Elends beigetragen haben. Wohl hat ein Rabbiner unserer Großgemeinde an geweihter Stätte öffentlich gelobt dieser brennenden Frage sein Augenmerk zu widmen. Doch wäre zu wünschen, daß die schönen Worte bald zur That reifen. Berlin ist für Akte der Wohlthätigkeit stets zur Stelle gewesen und wird auch diesmal dem Zuge des edlen Herzens folgen. A. Hamburg, 27. Januar. Die hiesige Talmud- Thora höhere Bürgerschule resp., deren Director Herr Dr. Goldschmidt hat mittels Erlaß des Reichskanzlers vom 15. dss. wieder die definitive Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen zum Einjährig -Freiwilligen Dienst erhalten. Diese Berechtigung war der Schule seit dem Hinscheiden des fei. Oberrabbiners nur provisorisch und alle Mal nur für ein Jahr ertheilt worden. Unlängst ist auch zwischen der Schuldirection und dem Gemeindevorstande eine langjährig geführte Verhandlung zu einem befriedigenden Abschluß gelangt. Seit etwa 40 Jahren hat die gedachte Schule, die im Allgemeinen unabhängig vom Gemeinde-Vorstände ist, eine jährliche Subvention aus der Gemeindekasse im Betrage von M. 7200 erhalten, wofür die Direktion der Schule die Verpflichtung übernommen hatte, die Kinder unbemittelter Gemeindemitglieder unentgeltlich aufzunehmen. Obgleich nun das Budget der Schule seit dieser Zeit fast auf das fünffache gestiegen war, blieb die Leistung der Gemeinde dieselbe. Dem wiederholt gestellten Antrag auf Erhöhung der Subvention, wurde von Seiten des Gemeindevorstandes das Verlangen direkten Einflusses auf die innere Gestaltung der Schule entgegengestellt, insbesondere war es das Repräsentantencollegium, welches die Wahl der Schuldirectionsmitglieder als Aeguivalent dafür beanspruchte. Die Schuldirection konnte und wollte auf solche Ansprüche nicht eingehen, weil dadurch die Tendenz der Schule arg gefährdet erschien. Dem Gemeindevorstande, welcher die Leistungen der Schule und die Wohlthaten, die sie der Gemeinde gebracht, mehr als das Repräsentanten-Collegium zu würdigen verstand., gelang es endlich einen der Schule günstigen Vergleich zu Stande zu bringen, nach welchem die jährliche Subvention auf M. 15000 erhöht und die Wahlen zur Schuldirection theils durch Selbstergänzung und theils unter Mitwirkung der Gemeindecollegien zu geschehen habe. — Auf Grund dieser bereits ratificirten Vereinbarung wurde zuerst Se.Ehrwürden Herr Oberrabbiner M. Hi r sch in die Schuldirection gewählt. Wenngleich nun die Stellung, welche der verstorbene Oberrabbiner Stern zur Schule als Ephorus derselben eingenommen, durch die Berufung eines neuen Directors bereits besetzt, so bietet sich immerhin für den neueintretenden Herrn Oberrabbtner innerhalb der Schuldirection und der Schule selbst ein Feld dar, welches zu bearbeiten sich sehr dankbar und verdienstvoll erweisen dürfte. Herr Oberrabbiner Hirsch hatte daher auch die Wahl mit Vergnügen angenommen. Demnächst wird hier auch eine neue Wochenschrift „Die Menorah" erscheinen; dieselbe soll die jüdischen Tagesfragen und Gemeindeangelegenheiten in friedlicher Weise „beleuchten" und Gegensätze, wo solche hcrvortreten, sei es zwischen orthodox und neolog oder gar zwischen jüdisch und christlich, ebenfalls sriedlich ebnen. In wie weit dieses den „toleranten" Herren Herausgebern mit der unausgesprochenen Tendenz gelingen wird, mag dahingestellt bleiben. Der jüngst zum Rabbiner in Pinne gewählte Herr Dr. M. Schlesinger, ist ein Sohn unseres berühmten ersten Klausrabbiners Schlesinger. Die neueren Rabbinerwahlen in der Provinz Posen zeigen erfreulicherweise, daß man sich daselbst nach den Zeiten eines Rabbi Aktba Eger zurücksehut, in welcher die jüdischen Gemeinden Poscns durch mm nsTi geglänzt haben, die Gemeinde Pinne findet in ihrem neuen Rabbiner einen sehr würdigen Vertreter dieser Richtung. Witten, 29. Januar. An Stelle des Abgeordneten Muellensiefen wurde dessen Bruder in den Magistrat durch's Loos gewählt, nachdem die Wahl zweimal Stimmengleichheit ergeben hatte.

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