Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 10 (2.2.1891)
- Date
- 1891-02-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Gesetzestreuen die Möglichkeit gegeben, das Anerbieten zum Eintritt in die Kolonie anzunehmen, und müßten alle diejenigen mittellosen Einwanderer, welche sich dem Kolonie-Reglement nicht unterwerfen wollen, zurückgewiesen werden. Auswanderer, welche in diesen Kolonien ausgenommen werden wollen, müßten sich entweder schon vor ihrer Einschiffung oder bei der Ankunst in den überseeischen Plätzen durch Unterschrift bindend verpflichten, sich den in den Arbeitercolonien geltenden Regeln in jeder Beziehung zu unterwerfen. In freien Ländern wie z. B. Amerika würde es solch einem großen Etablissement nicht schwer fallen, mit Rücksicht darauf, daß an den jüdischen Festtagen gefeiert wird, die Erlaubnis zu erhalten an den christlichen Festtagen arbeiten zu dürfen. Die Kolonien in der Nähe großer Städte könnten gleichzeitig zur Aufnahme von Reconvalescenten nicht ansteckender Krankheiten aus den jüdischen Krankenhäusern dienen, sie würden dadurch die Hospitäler entlasten und den Kranken weit eher zur völligen Genesung verhelfen. Sollten in der hier vorgeschlagenen Weise Kolonien angelegt werden, so bin ich, soweit die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika in Betracht kommen, im Stande, weitere Winke zu geben. Literarischer Bericht. Die im Tachkemoni vorkommenden Angabe» über Harizis Leben, Studien und Reisen. Von Dr. phil. K arl Albrecht, Gymnasiallehrer an der großen Stadtschule zu Wismar. Güttingen 1890. Dieterichsche Universitätsbuchhandlung. 48 S. Bl. Der spanische Dichter Jehuda ben Salomo Eharisi ist wegen seines hebräischen Stils und seines unversiegbaren Humors unter den jüdischen Schriftstellern des Mittelalters stets einer der gelesensten gewesen. Weit mehr als seiner Uebersetzung des Maimonides hat er diese Beliebtheit seinem witzigen Reisewerk „Tachkemoni" zu verdanken, das in neuerer Zeit von Stern (Wien 1854) und Lagarde (Göttingen 1383) heranSgegeben und in einzelnen Theilen von Dukes, Zedner, Steinschneider, Geiger und Kämpf übersetzt worden ist. Die vorliegende Schrift, welche mehr bringt als der Titel sagt, ist mit wissenschaftlicher Gründlichkeit abgefaßt; der Verf. behandelt zunächst den Musivstil Charitis und bringt alle von ihm doppelsinnig gebrauchten Bibelstellen; ein zweiter Abschnitt bespricht den Lebcnsgang des Dichters, soweit wir ihn überhaupt kennen, citirt seine 13 nicht belletristischen Werke und führt die spanischen Dichter des 10., 11. und 12. Jahrhunderts auf; der größte Theil der Schrift beschäftigt sich vornehmlich mit den Reiseerlebnissen des Dichters und behandelt eingehend die darin vorkommenden geographischen und sonstigen Namen. Auf Einzelheiten können wir an dieser Stelle nicht eingehen; es wird sich anderswo Gelegenheit finden, auf die mit liebevollem Fleiß und ausgebreiteter Literaturkenntniß verfaßte Arbeit znrückzukommen. Es genügt uns für heute, die Aufmerksamkeit der Fachkreise auf diesen Beirag zur Tachkemoni-Literatur hingelenkt zu haben. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 25. Januar. Heute Nachmittag 3 Uhr fand die Einweihung der neuerbauten Synagoge des Vereins der Nosenthaler Vorstadt, Brunnenstraße 120, statt. Schon lange vor Beginn der offiziellen Feier hatte sich eine große Anzahl von Geladenen — wir bemerkten mehrere Rabbiner von Synagogenvereinen — und freiwillig theilnehmenden Gästen eingefunden. Nachdem die Thorarollen aus dem alten Betsaal in das neue Gotteshaus gebracht waren, dessen hellstrahlender Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war, trug der Herr Cantor mit sonorer Stimme das miv no und rnuri tp -hötd rrnn vor. Jetzt folgte das Minchagebet. Nach Vollendung der niDpn wurden die min hdd in die heilige Lade gestellt unter den weihevollen Klängen des 12N' nmm. Noch waren die letzten Töne nicht verhallt, da bestieg Herr Rabbiner L. Höxster die Kanzel und hielt unter Zugrundelegung der letzten Verse der nyv die Weiheprcdigt. In dreiviertelstündiger, feinpointirter und inhaltreicher Rede beleuchtete er das Gotteshaus in seiner wahren Bedeutung als ^nbru nn, “jnDt£6 -,wv und tnpa. Redner verstand cs durch die vollen Brusttöne innigster Ueberzeugung und wohlangebrachte Midraschim alle Anwesenden mächtig zu ergreifen. Einer solchen Zauberkraft der ungeschminkten Sprache der Wahrheit konnte sich Niemand verschließen. Nach Beendigung der Predigt trug der Herr Cantor '^n vor, worauf Herr Rabbiner Höxter das Weihegebet sprach. Mit dem c&iy pnn-Gesang schloß die erhebende Feier. Berlin, 28. Januar. Heute ist der Jahrestag der Aufhebung der Leibeigenschaft in Rußland. Drei und dreißig Jahre sind dahingegangen, seitdem der hochselige Kaiser Alexander II. diese menschenbeglückeude That vollbracht und sich ein glänzendes Denkmal in der Weltgeschichte errichtet hat. Welche Fortschritte haben die schwachsehenden Politiker für Rußland vorherverkündet d Wie eitel waren ihre Trugschlüsse! Wie wird das edle Werk des edlen