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Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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154 lebt, will ich aus Pietät ihm noch zu Willen sein, will ich mit dem überlieferten frommen Glauben noch nicht brechen." Aber kaum hat der greise Vater die Augen geschlossen, dann wird der „Jakobsgeist", der seither im Hause geherrscht, getilgt, fort mit den altmodischen Ideen des Vaters! Die schönen Sabbatleuchter hören auf zu glänzen und statt ihrer strahlen um so heller die Lichter in jenem Raume, wo die Geldgier ihre Befriedigung findet. Ist dies eine wahre Elternverehrung, wenn nach ihrem Tode ihr Geist aus dem Hause verbannt wird, wenn ihre Lehren verachtet, ihr Andenken geschändet, ihr mühsam errichtetes Gebäude gewaltsam eingerissen wird? Oder bestehet die Verehrung der Eltern etwa in einer recht prunkvollen Bestattung, wenn wir keine Opfer scheuen, einen recht glänzenden Sarg, reichliche, theuere Blumenspenden, hoch emporragende Grabdenkmäler ihnen zu weihen, während sie selbst im Leben einfach und treu ergeben den göttlichen Satzungen allen nichtjüdischeu Gebräuchen abhold gewesen? Wahrlich, dies meint das fünfte Gebot nicht. Unsterblich sollen Kinder ihre Eltern machen, indem sie ihre frommen Wege weiter wandeln, indem sie die edle gottesfürchtige Saat der Eltern auch nach deren Tod zu herrlichen Früchten heranreifen lassen. Wenn wir die Elternverehrung in diesem Sinne verstehen und erfassen, riBiNTi by i'v' yonN' ivdS dann werden auch unsere Tage auf Erden sich verlängern, unser Leben wird mit dem Tode nicht aufhören, sondern auch in unseren Kindern wiederum weiterleben. Denn, wer hätte es noch nicht erfahren, daß die Liebe zu den alten Eltern in den Herzen der eignen Kinder einen fruchtbaren Boden findet, wer hätte es noch nicht beobachtet, daß die Stimme, die zu den alten Eltern erschallet, als Echo einst aus dem Munde des eignen Kindes widerhallt? Die Thaten der Eltern prägen sich mit unauslöschbarer Schrift in das Herz des Kindes ein, jedes Wort ihres Mundes, jeder Schritt ihres Fußes, jedes Werk ihrer Hände ist dem Kinde ein ewiges Vermächtniß. Deine Kinder sehen Dich nicht nur als Vater und Mutter, sie sehen Dich auch als Kind Deiner Eltern, die Ehrfurcht vor ihnen erwecket Ehrfurcht vor Dir, die Liebe zu Deinen Eltern werden Deine Kinder Dir lohnen. Drum, ehre Deinen Vater und Mutter im Leben, ehre sie im Tode, dann wird Deine edle Saat edle Früchte tragen, und Du wirst lange leben hier auf Erden. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen Deutschland. Darmstadt. Gegen Adolph Theiß, Redacteur einer hier erscheinenden antisemitischen Zeitung, wurde Anzeige wegen Erpressung erhoben. Frankfurt a. M Vorige Woche fand eine Sitzung des vereinigten Vorstandes und Ausschusses der i sra elitisch e n R eligions-Ge sellsch aft dahier statt, in welcher einstimmig beschlossen wurde, nunmehr die Gründung einer na'Br unter Leitung unseres verehrten Herrn Rabbiners Dr. Bre uer »"j ernstlich zu beginnen. Es ist der Religions-Gesellschaft mit göttlicher Hilfe und durch die segensreiche Wirksamkeit ihres verewigten großen Führers, Herrn Rabbiner H irsch gelungen, sich zu einer echt altjüdischen Gemeinde heranzubilden, deren Institutionen in Bezug auf die praktische Erfüllung des Judenthums und in Bezug auf die religiöse und wissenschaftliche Heranbildung der Kinder als leuchtendes Beispiel in Deutschland dasteht. Eine der wichtigsten Institutionen, ja, man kann sagen, die Grundlage auf der sich eine echtreligiöse Gemeinde aufbauen soll, die in früheren Zeiten auch hier so herrlich geblüht — es sei an dieser Stelle nur an die Zeiten des ymv ’JD und n^sn erinnert —, eine Lehrstätte zur gründlichen Erforschung von d'pdibi d"w, eine na»»1 fehlte bisher in dem reichen Kranze segensreicher Institutionen unserer Religions-Gesellschaft. Es wird daher der erwähnte Beschluß unseres Vorstandes in unserem Kreise und gewiß auch weit über denselben hinaus mit größter Freude begrüßt. An dieser rmp\ welche selbstverständlich in einer unserer Zeit entsprechenden Form in's Leben gerufen werden und selbstständig, unabhängig von jeder anderen Anstalt wirken soll, wird denjenigen, welche minn -my*? mv in umfassenderem Maße erfüllen wollen und Solchen, welche dereinst als nNTin rroö zu wirken befähigt sind, die Gelegenheit hierzu in geeigneter Weise geboten sein. So werden denn mit Gottes Hilfe nun bald die zahlreichen Anstalten unserer Gemeinde um eine Institution von segensreichster Bedeutsamkeit vermehrt sein und hierdurch den Intentionen unseres verewigten Rabbiners moy Tinrfc: in vollstem Maße entsprochen werden. Wir zweifeln nicht, daß im Zusammenwirken mit unserem verehrten Herrn Rabbiner >"j die in Gründung religiöser Institutionen so oft erfolgreich bethätigte Hingebung und organisatorische Energie unseres Vorstandes sich auch bei Gründung und Unterhaltung dieser hochwichtigen Institution auf's Neue glänzend bewähren wird. (Wir rufen den Mitgliedern der Frankfurter isr. Religionsgesellschaft aus tiefstem Herzen ein inniges ipTn zu; nun dürfen wir uns der frohen Hoffnung hingeben, daß auch in Deutschlands Gauen bald wieder das^Thorastudium nach alter Weise uns erblühen wird. Red.)

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