Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-01-29 · Heft 9 (29.1.1891) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 9 (29.1.1891)
Date
1891-01-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448132--31493-2479296
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Verhältnissen unserer Stadt wohl vertraut war. Andererseits dürften diese Inschriften auch den Beweis liefern, daß im Alterthume in unserer Stadt und deren Provinz, in der sich der Sage nach die Residenz der Königin von Saba (rac? nsVo) befand, nebst dem Arabischen auch das Aramäische stark verbreitet war und sogar als Schriftsprache benützt wurde. Wie unser Amtsblatt „Sana" meldet, hat der Sultan einen entsprechenden Betrag zum Ankäufe dieser interessanten Inschriften angewiesen, die auch nächstens schon nach Konstantinopel in das dortige kaiserliche Museum überführt werden sollen. Die Orientalisten Europas werden so bald Gelegenheit haben, diese Inschriften ftudiren und enträthseln zu können. In einer dieser Inschriften, von der jedoch bisher nur einzelne Worte entziffert wurden, soll auch eines jüdischen Königs wnrr fote Erwähnung geschehen und glaubt man, daß damit König Salomo gemeint sei. Wir dürfen daher jedenfalls hoffen, daß diese Inschriften ein neues Licht über die etwas mythenhafte Königin von Saba und ihre Beziehungen zu Salomo verbreiten werden. ES ist auch wahrscheinlich, daß Salomo nach dem Besuche dieser Königin an seinem Hofe an der West- und Südküste Arabiens einige jüdische Colonien gegründet hat, damit seine Schiffe, die er nach dem Goldlande Ophir schickte, auf ihrer Fahrt dorthin hie und da auch auf eine jüdische Niederlassung stoßen sollen, um sich dort verproviautiren zu können. Auch in Aden dürfte sich eine solche jüdische Colonie befunden haben, und konnte daher der Prophet Ezechiel leicht über dieselbe sprechen. Diese Colonien ließen cs sich dann auch angelegen sein das Material zu dem kostbaren Weihrauch, von dem im heil. Tempel große Quantitäten consumirt wurden, nach Jerusalem zu liefern. Bibelforscher und Orientalisten seien daher auf diese höchst werthvollen Inschriften aufmerksam gemacht. > Vermischtes. < RiiffelSheim a. M., 25. Januar. Am vergangenen >0 'E> rüSP schied hier im Alter von 79 Jahren eine Frau aut diesem Leben, die jedem frommen m.T als leuchtendes Vorbild dienen kann. Wiewohl dieselbe nie auf Anerkennung Anspruch gemacht hat, so war sie doch würdig, daß ihrer llkllO iruo gedacht werde. Die Verstorbene, Frau Jonas Adler I Wwe., zeichnete sich durch ihre Güte und Menschenfreundlichkeit, besonders aber durch ihre hervorragende Frömmigkeit und ihr Gott geweihtes Leben ganz besonders aus. (Sie fastete trotz ihres hohen Alters alle nvjyn, selbst den letzten N727'' einen ganzen Tag.) Früh verwaist, wurde sie im Hause des 7"Lk EHNDUNp BH’n '7 in Mainz an Kindesstatt erzogen, woselbst sie durch das Vorbild Liebe zur mi mny min gewann, was sie auch ihren Kindern übertrug. (Am Vorabende ihres Tode» recitirte sie noch auf die diesbezügliche Krage ihre» Sohne», den Inhalt der frO rmo sowie den- 150 jenigen der nPEO m“lD.) Die Armen und Bedrängten verlieren an ihr eine Wohlthäterin im edelsten Sinne des Wortes. Auch war sie I. Vorsteherin des hiesigen isrl. Frauenvereins, welchen dieselbe seit einer großen Reihe von Jahren mit der größten Pünktlichkeit verwaltete. Ihr Liebling-gang war der Besuch des J"7n7, in welchem sie sogar den ganzen 7177 DV stehend verbrachte, und zeugte die Innigkeit, mit der sie ihre Gebete sprach, vvn ihrer Gesinnung und dem Verständniffe der Gebete. Welche Hochachtung die Verklärte durch ihren tugendhaften Lebenswandel erworben, das bewie» die Menschenmenge, welche von Nah und Fern herbeieilte, um ihr das letzte Geleite zu geben. Möge dieselbe Jenseits den Lohn empfangen, dessen sie sich hienieden verdient gemacht hat. jön D”nn -lnso mns nnoiw ’nn. Frankfurt a. M. Wie die „kleine Presse* mittheilt ist gegen den Antisemiten Köhler, dessen Wahl zum hessischen Landtage annullirt worden, die Untersuchung wegen Betrug eingeleitet worden. Aschbach (Bayern). Am roun rot? ’NSio beendigten die Mitglieder des Vereins min n7HN nach dreijährigem Bestände den “iny ]n7L7 “Vil’Sp. ES schloß sich daran ein solennes Festmahl, bei welchem der Vorstand, Herr Lehrer Kissinger, eine wohldurchdachte, gediegene Rede über den hohen Werth des Thorastudiums hielt. Die Mitglieder überraschten bei dieser Gelegenheit Herrn Kissinger mit einem Ehrengeschenk bestehend in einem prachtvollen Service. Nürnberg. Die Firma Gebrüder Bing, Inhaber Ignaz und Adolf Bing, feierte unter Betheiligung de» Comptoir- und Fabrikpersonals mit großen Festlichkeiten ihr 25jähriges Geschäftsjubilänm. Herr Ignaz Bing erhielt bei dieser Gelegenheit vom Prinzregenten den Titel eines CommerzienratheS. Der „Fränkische Kurier" brachte über die Festlichkeiten einen die Firma sehr ehrenden längeren Bericht. München, im Dez. Unser jüdischer Mitbürger, Herr Louis Neichenberger wurde vvn den neugewählten liberalen Gemeinde-Collegien zum bürgert. Magistrats-Rath gewählt. Eine fremde junge Frauensperson in Begleitung einer älteren hat kürzlich hier in einem christl. Hause einen erst wenige Monate alten jüdischen Knabe übergeben und seitdem nichts von sich hören lassen. Ein Paket mit etwas Wäsche, ein kleiner Geld-Betrag und ein Zettel, woraus hervorgeht, daß das Kind Nathan heißt, war beigelegt. Eingedenk der großen .71L0., welche lautet: nriN B0J D”pon 77 iOO!77ip D"p 17'50 PN-Ittf’ö wäre es ein hochverdienstliches Werk, wenn sich vermögliche Glaubensgenossen diese» verlassenen .-17:7 annehmen wollten. 'l"niT V'K Elbing. Der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Dr. Jacoby, wurde zum Vorsitzenden des Stadtverordneten- Eollegium wiedergewählt. Rybnik. (O.-Schl.) Herr Haase hat 20,000 Mark und ein großes Bauterrain zur Verfügung gestellt, wenn das beabsichtigte „Jsr. Waisenhaus für Oberschlesien" hier errichtet würde. Eydtkuhnen, 25. Jan. Der Polizeichef von Moskau läßt verkünden, daß von nun an kein Jude Moskau ohne besondere Erlaubniß betreten darf. Die Zuwiderhandelnden sollen wie Vagabunden verhaftet und bestraft werden. Nagy-Mihaly (Ungarn), 2. Schebat. Die hiesige Gemeinde,'insbesondere die "p7L?yi7 rron„ hat durch den Tod des Rabbi Moses Widder einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene hat mehrere Jahrzehnte in dieser Chewra allsabbatlich ’"t£ni ü'Cin, im Sommer auch „Sprüche der Väter" vorgetragen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.