Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 9 (29.1.1891)
- Date
- 1891-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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149 Schon deßhalb sei es zu bedauern, daß die jüdische Confession zur Zeit nicht eine Körperschaft besitzt, welche das Zusammenhalten der vaterländischen Judenheit zu sichern vermöchte, wenigstens in jenen Fragen, welche mit der Erreichung der Rechtsgleichheit der Confession im Zusammenhang stehen. Hierzu komme noch — heißt es in dem Schreiben weiter — die traurige Erfahrung, daß im gegenwäriqen Stadium unserer Organisationsangelegenheit unsere Confession nicht einmal ihre Religionsgesetze gehörig vertheidigen könne. Ohne zu wollen, mache die Staatsgewalt Eingriffe in die Dogmen der jüdischen Religion, und zwar infolge der Unachtsamkeit der von der Confession berufenen oder geduldeten Wächter. Das Schreiben erörtert nun eingehend eine Heiratsaffaire, in welcher der Cultusminister in einer den jüdischen Dogmen zuwiderlanfenden Weise entschieden habe, und zwar sei dies auf Grund eines Gutachtens der „israelitischen orthodoxen Durchführungscommission" geschehen. Behufs Regelung der Eheangelegenheiten möge nun Oberrabbiner Schreiber, als das Haupt der Orthodoxenparthei, zu einer gemeinschaftlichen Action Gelegenheit bieten. Ein einheitliches Vorgehen wäre ferner auch in Angelegenheit der Sonntagsruhe erwünscht. Dies der kurze Inhalt des Schreibens der isr. Landeskanzlei. Wer mit den hierländischen jüdischen Verhältnissen auch nur oberflächlich betraut ist, weiß es, was dieser Brief der Ncologen zu bedeuten habe und wird es daher auch begreiflich finden, wenn ein Mann in der Stellung eines Preßburger Oberrabbiners, diese Herren einer Beantwortung nicht würdigt, sondern sich mittelst eines Manifestes in hebräischer Sprache an die ü'nt im Lande wendet und diese über die wahre Tendenz unserer Reformer aufklärend, diesen die Maske vom Gesichte reißt. In demselben Schreiben, heißt es in diesem Manifeste, in welchem die Neologen eine gemeinsam e Beratbnng der Führer der Neologen mit den Führern der Orthodoxen beantragen, scheuen sie sich nicht über unsere Kanzlei herzusallen und sie in den Augen des Volkes herabzuwürdkgen; welche saubere Zwecke diese Herren damit verfolgen, ist uns allen bekannt und bedarf keiner 'weiteren Auseinandersetzung. btn»*» iDrii? und um ferneren Verleumdungen die Thüre zu verschließen, setzt nun das Manifest den wahren Sachverhalt auseinander. Vor zwanzig Jahren, als die Neologen, deren Reformen das Volk vom alten Vaterglaubcn abzubringen geeignet waren, mit aller Gewalt die Herrschaft auch über die Orthodoxen zu erlangen suchten, herrschte in den jüdischen Gemeinden unseres Landes Streit und Zank. Seitdem aber die Orthodoxen, eben durch jene Bedrückung der Neologen veranlaßt, sich eng mit einander vereinigten und die vollständige Trennung der ungarischen Juden in eine orthodoxe und neologe Partei Thatsache geworden, was auch von der Regierung durch die Errichtung zweier Kanzleien anerkannt wurde, waltet Ruhe und Frieden in den Gemeinden. Damit geben sich aber die Herren von der sogenannten isr. Landeskanzlet nicht zufrieden; sie erstreben fort und fort eine Wiedervereinigung der beiden Parteien, was aber nicht möglich ist, weil deren religiösen Ansichten schroff einander gegenüberstehen. Wir, die Orthodoxen, wollen für uns bleiben und ungestört im Sinne unserer Altvordern unseren religiösen Pflichten Nachkommen; Verhandlungen mit der neologen Partei würden gerade wieder die Brandfackel in die Gemeinden werfen; jede Partei ordne daher ihre Angelegenheiten selbstständig und unabhängig von der andern. Was nun die gegen unsere Kanzlei geschleuderte Verleumdung betrifft, so ist zu constatiren, daß dieselbe min bv msi pa ganz nach dem jüdischen Recht und Gesetz gehandelt und ihre Antwort an die Regierung nach dem vorher eingeholten Gutachten der hervorragendsten Rabbknen gegeben hat, wie überhaupt unsere Kanzlei in religiösen Angelegenheiten nie ohne den Rath der Rabbinen handelt. Auch in Angelegenheit der Sonntagsruhe hat unsere Kanzlei bisher ihre volle Pflicht gcthan und wird auch fernerhin nicht unterlassen, alle zum Ziele führenden Schritte zu unternehmen. In der Form thunlichst höflich, aber um so entschiedener im Wesen ist die Abfertigung, die den Neologen zu Theil wird, und es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß ihnen fürderhin die Lust benommen sein wird, durch derlei Manöver, die Irreleitung der Nichteingeweihten zu versuchen. Wenn Sie es wünschen bin ich gerne bereit, Ihnen die wahren Ursachen des so scheinbar friedfertigen Verhaltens unserer Herren Neologen iund so manch' pikantes Detail demnächst mitzutheilen. (Wir bitten darum. Red.) Dr. Vößt. Arabien. Sana imWemen. Die Juden hier behaupten, daß? unsere Stadt das Mal (vor«) sei, dessen der Prophet-Ezechiel (iä. XXVII, 19.) erwähnt. Beweise für diese Behauptung konnten jedoch Ms jetzt nicht erbracht werden. Vor Kurzem wurden jedoch in der Umgegend unserer Stadt Steine,smit aramäischen Inschriften ausgefunden, durch btcjmut die erwähnte Behauptung' gerechtfertigt werden dürfte und würde es sich so auch zeigen, daß der citirte Prophet, der unsere Hafenstadt Aden, die heute die erste Handelsstadt Arabiens ist, wohl kannte (ibiäom 23), auch mit der Lage und den