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Der Israelit · 1891-01-26 · Heft 8 (26.1.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 8 (26.1.1891)
Date
1891-01-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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138 jüdischen Stämmen gelobte Verheißung bleibt unverrückt und unentwegt, die Verheißung des Heiles für die endlich Gott allein huldigende Menschheit. Mitten aus dem flutheuden Gewoge bricht schon die neue Erde hervor, welche nicht mehr ein Tummelplatz der Leidenschaften und Kämpfe sein wird, die Erde, welche bereit und würdig ist, Stätte des Gottesreichs zu werden. Darum beben die stolzen, gewaltigen Mächte vor dem Gottesgerichte, vor dem Eingreifen des Allerhöchsten in die Geschichte, welche sie zu lenken sich unterfangen. Sie ahnen die höhere Hand, welche mächtiger ist als sie, und auch sie beginnen die Spuren der Gotteswaltung zu schauen, und diese Erkenntniß macht sie zittern, die Fluthen schlagen über ihrem Haupte zusammen. Es sind die von Gott entsandten Pfeile, welche die Luft durchschwirren, ihres Zieles sicher; das ganze Weltall steht in Gottes Dienst; alle Himmelskörper kreisen für dieses Ziel. Und wenn die gegen Gottes Recht und Liebe sich auflehnenden Volksgruppen und Staaten unter dem Eintritte Gottes in die Geschichte vernichtet werden, so ist dieser Untergang der Gewalten der erste Schritt zum Heil: wtn nana VW) noa Gott muß das Haupt der Gewaltthätigen spalten, muß „nacktlegen den Grund bis zum Halse", weil Er das Glück, den Segen, das Heil bringen will, weil sich endlich erfüllen soll die längst verheißene Zukunft, da Seinem Volke und der Menschheit der Gottesgesalbte, n'wa, erstehen wird, die Zeit, wo es keinen Krieg mehr geben wird zwischen den Nationen, wo ein Band der Gerechtigkeit und Liebe alle Menschen umschlingt, jeder in dem Neben- Menschen den Bruder achtet und liebt, und der in Liebe,'geeinte Allmenschheits-Bund das Gottesreich auf Erden bildet. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Darmstadt, 14. Januar. Der Großherzog hat dem jüdischen Bankier Sand er, der Schwager OffanS, den Titel „Hofbankier" verliehen. Oppenheim. Bei der vor Kurzem stattgehabten Umwandlung der bisherigen Frenzel'schen Privatschule in Guntersblum in eine erweiterte Volksschule wurde der israelitische Lehrer Sch w ar z daselbst als Schulvicar an dieser Schule angestellt. Berlin, 4. Jannar. Betreffs der Konfession des Lehrers an einklassigen Schulen, welche von Kindern verschiedener Konfession besucht werden, ist nach dem R.-Anz. seitens des Ministers der geistlichen Angelegenheiten an die königlichen Regierungen in Danzig und Marienwerder eine Verfügung ergangen, in der es heißt: „Am schwersten liegen diejenigen Fälle, wo nach der Gesammtzahl der Schüler die Anstellung eines Lehrers genügt, diejenige Konfession aber, welcher der Lehrer seit alter Zeit angehört, dauernd oder vorübergehend, insbesondere durch Verschiebungen der Bevölkerung in der Minderzahl sich befindet. Wenn es einerseits in der Regel unbillig wäre, den Angehörigen dieser Konfession, welche häufig aus ihren alleinigen Mitteln die Schule gegründet haben, die Schule zu entziehen, so wird doch andererseits bei beträchtlicher Kinderzahl den Angehörigen der anderen Konfession jede Hilfe zu leisten sein, wenn sie den Wunsch bethätigen, eine besondere neue Schule ihrer Konfession zu erhalten. Liegt es außerhalb der Befugniß der königlichen Regierung, in solchen Fällen einen Zwang zur Errichtung einer zweiten Schule zu üben, so werde ich bei dem Unvermögen der Beteiligten gern mit Unterstützungen zu Hilfe kommen, wo die Betheiligten aus freiem Entschlüsse das Bedürfniß selbst anerkennen. Gegenüber etwaigen Anträgen, den Konfessionsstand einer einklassigen Schule zu Ungunsten des Besitzstandes der Konfession der Minorität zu ändern, wird, sofern nicht nach der besonderen Lage des Falles dem Anträge stattzugeben ist, auf den Weg der Errichtung einer zweiten Schule zu verweisen und dabei die Bereitwilligkeit zur Förderung des Projekts auszusprechen sein." Berlin, 24. Januar. Herr Hofprediger Stöcker sprach heute in einer Versammlung der christlich-sozialen Partei über den Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus. Die sehr langathmische und weitschweifige Rede ist ganz inhaltsleer und ergeht sich anhaltend in den schmutzigen Schimpfereien, die wir bei Herrn Stöcker gewöhnt sind. Auch an perfiden und heuchlerischen Ausrufen fehlte es nicht. So sagte er: Ich habe mehr Liebe zu den Juden, als die meisten Unterzeichner des Aufrufs, aber die Juden dürften nicht gleichberechtigt sein. Es folgt eine kurze Debatte. Es meldet sich ein Tischlergeselle Tempel: Meine Herren: (Bravo!) Ich bin Proletarier und biu daher berechtigt, dem, was Herr Stöcker sagt, entgegenzutreten. Ich bin bei manchen Juden besser besoldet worden, als bei Christen. Ich hatte auch jüdische Kameraden bei meinem Regiment. Unsere Partei der Proletarier kennt keinen Unterschied der Konfessionen. Es hat gar keinen Zweck, was Herr Stöcker hier gesagt hat; es ist alles null und nichtig. Köln, 21. Jan. Außer Punkt 3 der Petition des Rabbinerverbandes ist auch der Schlußpassus sehr bedenklich. Er lautet: „Wird nun im Gesetze konstatirt, daß die Regierung nur ans Antrag der Religionsge-

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