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Der Israelit · 1891-01-26 · Heft 8 (26.1.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 8 (26.1.1891)
Date
1891-01-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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136 ausschließlich mir der Führung desselben, während meine Schwiegertochter, namentlich wenn mein Sohn zum Einkäufen in den Fabriksorten abwesend war, sich im Geschäfte nützlich machte, die Casse führte. Ich hatte zu der Fähigkeit und Redlichkeit meines Sohnes unbegrenztes Vertrauen, ich wußte, ich hatte die Ehre unseres alten Hauses in meines Sohnes Hände gelegt und ich kümmerte mich — selbstverständlich nicht aus Mangel an Theilnahme, sondern um den Anschein einer Einmischung und namentlich einer Bevormundung, namentlich meiner lieben Schwiegertochter zu vermeiden, nicht um das Geschäft. Doch ertheilte mir mein Sohn unaufgefordert Berichte über dasselbe, die bis vor dreizehn Jahren fast immer günstig lauteten. Vor dreizehn Jahren — meine Schwiegertochter war kurz vorher gestorben — war plötzlich eine schwere Krise über uns hereingebrochen. Mein Sohn stand mit mehreren Armeelieferanten in Geschäftsverbindungen, die für sehr reich galten und bei denen er große Summen zu fordern hatte. Plötzlich stellte es sich heraus, daß diese im Einverständmiß mit käuflichen Militärbeamten weniger Maaren geliefert hatten, als sie bezahlt erhielten. Sie wurden verhaftet und ihr Vermögen zur Deckung der an dem Staate verübten Malvcrsati'onen eingczo.zen. Die unehrlichen Lie feranten waren ruinirt, sie konnten die meinem Sohne ausgestellten Accepte nicht bezahlen, Jakob verlor große Summen, er mußte für mehr als dreimalhunderttausend Gulden Wechsel einlösen. An dem Tage, als die Hiobspost von der Verhaftung der Lieferanten und deren Zahlungsunfähigkeit hier anlangte, war mein Jakob in höchster Aufregung heimgekommen, hatte die ganze Nacht hindurch mit dem Buchhalter gearbeitet und war beim Frühstück, wohl übernächtig und abgespannt aussehend, aber frohen Muthes und heiteren Gesichtes erschienen. Er küßte mir die Hand und sprach: „Liebe Mutter, ich habe gestern einen harten Tag durchlebt, aber die Angelegenheit steht lange nicht so schlimm, als ich befürchtete. Ich verliere bei einigen meiner Käufer, die durch ihre eigene Niedertracht zu Grunde gegangen sind, etwas über eine Viertelmillion. Im ersten Momente der Uebcrraschung befürchtete ich, die Firma, die den Namen meines Vaters und Urgroßvaters trägt, würde sallit werden. Das wäre für Dich, Du gute, liebe Mutter und für mich ein furchtbar harter Schlag gewesen, den ich nicht zu überleben vermocht hätte. Ich habe die ganze Nacht daran gearbeitet, meinen Status zusammenzustellen — Gott sei tausendmal gedankt, ich habe wohl mein ganzes Vermögen verloren, ich werde mein Geschäft in Ehren aufgeben müssen und werde nur ein kleines Kapital, das aus dem Schiffbruch gerettet werden wird, für Dich anlegen können, aber ich kann mit dem französischen Könige sagen: Alles ist verloren, nur die Ehre nicht! Auch habe ich das beruhigende Bewußtsein, nicht Schuld an den großen Verlusten, die mich betroffen, zu tragen. Liebe Mutter, ich hoffe, Du grollst mir nicht darüber, daß ich die Niedertracht meiner Schuldner erst erkannte, als es zu spät war und ich das plötzlich rasch hereinbrechende Unglück nicht mehr von mir abzuwenden vermochte!" „Ich Dir grollen," hatte ich erschüttert ausgerufen, „ich segne Dich und lobe Gott! — Wenn wir nicht mehr wohlhabend sind, was liegt daran? Wir sind durch Gottes Hilfe lang genug reich gewesen, und es gibt so Viele, die es ja auch nicht sind, warum sollen gerade wir es immer besser haben, als so viele Andere, die es nicht weniger Werth sind, als wir? — ich wiederhole es: ich segne Dich und lobe Gott." „Das waren schöne, Deiner würdigen Worte, Großtante!" rief Therese. (Fortsetzung folgt.) und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedermal in mindestens 2 Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel fU bestehen bei E. F. Steinacker, Leipstg, Boßptatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco ew-ustnde«. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zum Geburtstage unseres Kaisers. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Cöthen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Preßburg. — Italien: Rom. — Rußland: Petersburg. — Türkei: Smyrna. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Geschenk der Großtante. Erzählung von S. Kohn (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Des Propheten Habakuk Weissagung. Von Isaak Hirsch. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmstadt. Oppenheim. Berlin. Köln. Aus Unterfranken. — Holland: Amsterdam. — Asien: Bokhara. — Palästina: Jerusalem. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 3, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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